An der Schnittstelle der bisherigen Bahnstrecke und der geplanten Walpertskirchener Spange trafen sich Betroffene um Josef Vieregg (vorne, l.), Bürgermeister Hans Schreiner (2. v. l.), MdB Ewald Schurer und SPD-Kreisrätin Ulla Dieckmann (vorne, v. r.) mit Vertretern der planenden Behörden. Links im Bild der Hof von Marianne Strasser, der zwischen den alten und neuen Gleisen „direkt einkastelt“ wird, wie sie klagt. foto: aichele

Protest gegen Walpertskirchener Spange: „Opfer des Booms in der Region“

Schwarzhölzl - Die Walpertskirchener Spange ist eine von vielen Trassen, die Bockhorn durchschneiden wird. Die Bürgerinitiative und MdB Ewald Schurer luden Behördenvertreter zur Debatte vor Ort.

Bisher ist Schwarzhölzl ein relativ beschauliches Fleckerl im Niemandsland zwischen Bockhorn und Walpertskirchen. Wenn nur der Bahnlärm nicht wäre. Diesel-Loks rattern auf einem Gleis Richtung Mühldorf und zurück, wenige Meter von den Häusern der Sellmeiers und Strassers vorbei. Nicht nur sie, alle Anwohner der Bahnstrecke erwarten mehr Züge und mehr Lärm, wenn es in ein paar Jahren zwei Gleise sind. Doch für Schwarzhölzl kommt es besonders hart. In dem Weiler wird der Knotenpunkt mit der so genannten Walpertskirchener Spange gebaut, die Bahnanbindung Südostbayerns an den Flughafen - also noch eine Bahntrasse vor der Haustür, zudem auf einem mehrere Meter hohen Damm. Das wird laut.

Dagegen kämpft seit Jahren die Bürgerinitiative Walpertskirchener Spange. Heuer hat die Autobahndirektion Südbayern die konkrete Entwurfsplanung in Auftrag gegeben. Bis Ende des Jahres solle sie fertig sein, berichtete gestern Thomas Graf, Sachgebietsleiter für Schienen-Infrastruktur bei der Direktion. Dann würden die Unterlagen an die Bahn übergeben.

Im Frühjahr möchte Graf eine Informationsveranstaltung für Bürger ansetzen. Er war gestern mit weiteren hochrangigen Behördenvertretern zu Gast bei einem Ortstermin, den die BI und SPD-Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer anberaumt hatten. Auf offenem Feld machten sich die Teilnehmer ein Bild. „Über die Zeitschiene kann man noch nichts Belastbares sagen“, antwortete Robert Hanft, Leiter Großprojekte Süd bei der DB Netz AG, auf eine Frage der Schwarzhölzler.

In der Fahrzeughalle von Manfred Sellmeier direkt neben der Bahntrasse entstand ein Dialog mit ersten kleinen Ergebnissen. Ein Problem solcher neuer Trassen ist die Durchschneidung von landwirtschaftlichen Flächen und damit verbunden der Umweg, den Bauern bei ihrer Arbeit dann fahren müssen.

BI-Sprecher Josef Vieregg erhielt vom verantwortlichen Ingenieur einen vorläufigen Plan überreicht. Anhand dessen können Landwirte nun ihre Betroffenheit feststellen und Vorschläge für Unterführungen machen. „Das habe ich in einem so frühen Stadium noch nie erlebt“, erklärte Ingenieur Konrad Daxenberger. „Das ist mehr als ich erwartet habe“, sagte auch Schurer über diese Ansätze einer Kooperation.

„Nicht verkehrt verstehen: Das ist keine Zustimmung“, kommentierte das Vieregg. Die BI werde weiter Widerstand leisten. Ihre Vertreter machten das den Gästen in mehreren Themenfeldern deutlich: Lärm, Erschütterungen, Elektrosmog von den Oberleitungen, Landfraß und Naturzerstörung.

„Die Gemeinde Bockhorn sieht sich als Opfer des Booms in der Region“, erklärte auch Bürgermeister Hans Schreiner, „jeder muss bei uns drüber“. Neben der Nordumfahrung werde die Gemeinde künftig auch nochvon der Walpertskirchener Spange durchschnitten.

Von der Brücke der Straße zwischen Kirchasch und Neufahrn wird man dann ein besonderes Stück bahntechnischer Ingenieurskunst begutachten könne: ein „Überwerfungsbauwerk“, die Ausschleifung eines Gleises über ein anderes hinweg hin zu einer lang geschweiften Brücke - 100 Meter lang und sieben Meter hoch. Darauf werden Züge von Mühldorf sanft nach rechts Richtung Erding fahren können, anstatt nach links Richtung Walpertskirchen. Auf den folgenden Kilometern werden mehrere Bäche und die Kreisstraße ED 20 überquert. Das FFH-Gebiet an der Strogen überspannt dann auf 200 Metern eine zwölf Meter hohe Talbrücke. (Timo Aichele)

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