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Steht wegen Totschlags das zweite Mal vor Gericht: der Erdinger Frauenarzt Michael B., hier heimlich an seinem Fluchtort in Chile fotografiert.

Prozess gegen Erdinger Frauenarzt

Heizung aufgedreht, um Todeszeitpunkt zu verschleiern?

Um wichtige Details ging es am fünften Verhandlungstag im Totschlagsprozess gegen den Erdinger Frauenarzt Michael B. Nach wie vor steht ein perfider Plan im Raum....

Erding/Landshut - Wann genau Brigitte B. am 4. Dezember 2013 in ihrem Haus in Pretzen (gewaltsam?) zu Tode gekommen ist, wird sich wohl nicht mehr ermitteln lassen. Diese Erkenntnis reifte am gestrigen fünften Verhandlungstag gegen den vor dem Landgericht Landshut wegen Totschlags angeklagten Ehemann, den Frauenarzt Dr. Michael P. Dies wirkt sich für den 57-Jährigen weder be- noch entlastend aus.

Über mehrere Stunden hinweg beschäftigten sich die Prozessbeteiligten mit der Heiztechnik im Haus und mit Temperaturmessungs-Experimenten. Wie berichtet, hatten Kripobeamte und Rettungskräfte am Todestag festgestellt, dass es im ganzen Haus sehr warm gewesen sei. Die Temperaturmessungen der Kripo ergaben im Bad – wenige Zentimeter über dem Fußboden – 23,4 Grad. Vorher waren bei der Leiche 33,8 Grad gemessen worden.

In diesem Zusammenhang war bereits im Vorgänger-Prozess der Verdacht aufgetaucht, dass mit einer künstlich überhitzten Umgebung der Todeszeitpunkt, den die Anklage auf „unmittelbar nach 12.37 Uhr“ fixiert, in den späteren Nachmittag hinein manipuliert werden sollte. Und da hätte der Gynäkologe ein Alibi: Denn er war ab 13.30 Uhr in seiner Praxis.

Ein Mitarbeiter des Hausbesitzers, früher selbst Heizungsbauer, sagte, dass ihm bei Reparatur- und Instandhaltungsterminen aufgefallen sei, dass es die 60-Jährige offenbar „gerne wärmer als üblich wollte.“

Was die Raum- beziehungsweise Fußbodentemperaturen anging, zeigte ein Physiker des Landeskriminalamts verschiedene Szenarien auf. Sein Fazit: Es gebe eine Vielzahl von Faktoren, die sich auf die damals festgestellten Temperaturen ausgewirkt haben könnte. Ein eindeutige Aussage war also schwerlich möglich.

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Wie Vorsitzender Richter Ralph Reiter ankündigte, dürfte er wegen sich bereits abzeichnenden zusätzlichen Zeugenvernehmungen nicht wie geplant am 2. Juni beendet werden.

Walter Schöttl

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