Alles wird anders: Die Fassade des alten Rathaus muss einer modernen oder traditionellen Fassade weichen. F.: prä

Rathausneubau Dorfen: Die Wahl zwischen Tradition und Moderne

Dorfen - Die Qual der Wahl hat Dorfens Stadtrat, denn für den geplanten Rathausneubau stehen jetzt gleich zwei Siegerentwürfe aus dem Architektenwettbewerb zwischen Moderne und Tradition zur Auswahl. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

Das Preisgericht hatte aus insgesamt 20 Arbeiten die Diezinger Architekten GmbH aus Eichstätt und das Münchner Architektenbüro Johann Schmuck zu gleichberechtigten Siegern (je 12 500 Euro Preisgeld) erklärt. Die beiden Architekten Johann Schmuck und Norbert Diezinger erläuterten im Stadtrat ihre Konzepte. Heimische Architekten waren in der Endrunde der europaweiten Ausschreibung nicht dabei.

Zustimmung fand die Feststellung von Bürgermeister Heinz Grundner (CSU), der Rathausneubau sei eine „wesentliche Zukunftsentscheidung“. Jeder Entwurf hat vor und Nachteile, das wurde bei der Präsentation im Sparkassen-Saal deutlich. Eine Entscheidung werde man „sich sicher nicht leicht machen“, was auch die Diskussion schon zeigte. Der Stadtchef hofft, dass eine „gute und weise Entscheidung“ gefunden werde.

Beide Entwürfe können die geforderte Funktion als markantes, eigenständiges Gebäude am Rathausplatz erfüllen, das unschwer als Rathaus zu erkennen ist. Natürlich ist das Haus barrierefrei geplant, mit Aufzug, und energetisch auf dem Stand der Zeit. Im Erdgeschoss haben beide Entwürfe einen großzügigen Eingangsbereich mit einem bis unters Dach offenen Innenhof vorgesehen und situieren hier die Besucher intensivsten Nutzungen.

Wesentlicher Unterschied war die Formensprache des Gebäudes innen und außen, die Etagennutzung, aber vor allem die Fassade. Beide haben sich für eine ganz neue Hausfront entschieden.

Diezinger setzte mit einer verputzten „Lochfassade“ (einzeln, klar abgegrenzte Fenster- und Türöffnungen) auf eine sehr moderne Gestaltung, die den „zeitgenössischen Geist“ von heute widerspiegle. Ganz oben ist eine große Wanduhr angebracht. Schmuck besann sich auf das traditionelle Umfeld, setzte neue Arkaden, auf denen das Gebäude nach oben wächst. Das könnte künftig „in der Nachbarschaft übernommen“ werden. Bei der geschlemmten Fassade würde die Ziegelstruktur leicht durchkommen.

Einem großen Sitzungssaal haben beide Planer ein Trauungszimmer angegliedert, das problemlos an den Saal angeschlossen werden kann. Schmuck platzierte den Saal im 1. Obergeschoss, mit einer kleinen Galerie am Ende. Ein Vorteil sei, dass der Saal auch erreicht werden könne, wenn die Verwaltung geschlossen ist. Bei Diezinger ist der Saal im Dachgeschoss, der zusätzlich auch noch eine kleine Dachterrasse hat. Das Dachgeschoss gilt bei der Fläche nicht als Vollgeschoss, was bebauungsplankonform ist. Beim Kollegen müsste der geändert werden, weil Schmuck das Dachgeschoss als Vollgeschoss plant, damit aber die geforderten acht Reservebüros mehr als erfüllen kann. Diezinger erreicht nur fünf Reserve-Büros.

Nicht ganz einfach sei es gewesen, in dem Baufenster das geforderte Raumprogramm mit acht Büros Reserve für eine moderne Verwaltung unterzubringen, waren sich die Architekten einig. Das war aber die wichtigste Forderung, denn im alten Rathaus herrscht eklatante Raumnot. Bei keinem Entwurf ist übrigens zu befürchten, dass der altehrwürdige Gemälde-Zyklus zerrissen werden muss.

Der Stadtrat hat die Entwürfe erst einmal nur zur Kenntnis genommen. Nach der Präsentation soll nun „möglichst schnell eine Entscheidung fallen“, mit welchem Entwurf weiter gemacht werden soll, war gestern auf Nachfrage zu erfahren. Bevor es möglichst gleich Anfang nächsten Jahres in den Stadtrat zur finalen Entscheidung geht, werde es noch Gespräche mit den Architekten geben. Abgeklärt werden müsse im Vorfeld, ob eine für den Entwurf Schmuck nötige Bebauungsplanänderung Aussicht auf Erfolg hätte. Alle 20 Entwürfe werden im Rathaus öffentlich ausgestellt, in der Zeit von 18. November bis 2. Dezember.

Hermann Weingartner

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