Die historische Orgel aus der Barockzeit wird in diesen Tagen in Gaden wieder eingebaut. foto: rl

Restaurierte Kirchenorgel: Ein Barock-Juwel mit noch älterem Kern

Gaden - 2009 versetzte die Gadener Orgel die Fachwelt in Aufregung. Doch das Instrument aus der Barockzeit barg noch ein Geheimnis in sich.

Zunächst ging es nur um das historische Geläut von St. Jakob. Als Kirchenmusikdirektor Gerald Fischer im September 2009 die Kirche in Gaden besuchte, um die wertvollen Glocken - unter ihnen eine von 1521 - zu überprüfen, da stieß er auf eine kleine Barockorgel. Der Orgelfan erkannte, dass er da etwas ganz Besonderes vor sich hatte. Er alarmierte Kirchenmusikdirektor Wolfgang Kiechle, den Orgelsachverständigen des Erzbistums, der für Gaden zuständig ist.

„Auf der Empore der Kirche befindet sich eines der wertvollsten Orgelpositive unserer Erzdiözese“, schrieb Fischer 2009. Was der Glockensachverständige vermutet hatte, nämlich dass die Gadener Orgel „spieltechnisch wirklich komplett erhalten“ ist, das bestätigte Kiechle bei der Begutachtung im Dezember 2009. „Das Instrument ist eine historische Rarität und deshalb ein wertvolles Dokument aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“, bilanzierte der Fachmann. „In unserer Diözese lassen sich Instrumente aus dieser Zeit an der Hand abzählen. Auch die Qualität der Verarbeitung macht das Gadener Instrument zu einem Juwel“, sagte er später in einem Interview. Man stelle sich vor, so schwärmte Kiechle damals weiter, wenn die Orgel restauriert ist, „kann man Klänge wahrnehmen, die genauso vor über 250 Jahren geklungen haben (…). Denn bedenken Sie: Die Orgel in Gaden stammt aus der Zeit von Johann Sebastian Bach!“ Die Kirchenverwaltung holte daraufhin Angebote für eine Generalrestaurierung ein.

Dabei barg das Gadener Örgelchen noch ein großes Geheimnis in sich. Bei der Restaurierung in Peiting entdeckten die Experten die Windlade, die - das war auf den ersten Blick klar - viel älter sein muss als die Orgel selbst. Darin waren sich Orgelbauer, Landesamt für Denkmalpflege und Orgelsachverständiger einig. Es ging dabei um die Kanzelle, eine Kammer in der Windlade, in die durch Drücken einer Taste Luft eingeblasen und zu den Orgelpfeifen weitergeleitet wird. Sie war mit Hand aus einem Eichenblock herausgestemmt worden, eine Technik, die um 1720 nicht mehr ausgeführt wurde.

Eine spezielle Untersuchung in Hamburg brachte dann Klarheit: Die „Windlade datiert ausweislich einer dendrochronologischen Untersuchung aus der Zeit nach 1582“, schreibt Dr. Nikolaus Könner in einem Bericht vom Juni 2012. „Die Windlade gehört somit zu den ältesten Orgelkonstruktionen, die in Süddeutschland nachweisbar sind“.

Darüber hinaus hatte sie interessante Umbauten hinter sich, noch bevor sie in die Gadener Orgel eingebaut wurde. Jetzt ist das seltene Instrument komplett restauriert, in diesen Tagen wird es wieder in St. Jakob eingebaut.

Die Segnung

der restaurierten Orgel ist am Sonntag, 28. Juli, im Rahmen des Patroziniumsgottesdienstes (10 Uhr). Die kirchliche Feier leitet Domkapitular Monsignore Thomas Schlichting. Kirchenmusiker Uwe Ausfelder an der Orgel und der Kirchenchor Langenbach führen Bruckners Messe in C-Dur auf. Beim Festkonzert am Abend des gleichen Tages greift Kirchenmusikdirektor Wolfgang Kiechle in die Tasten. Ab 19.30 Uhr wird vornehmlich barocke Musik zu hören sein, etwa von J. K. Krell oder J. S. Bach. Beate und Nicholas Hariades (Sopran und Altus) sowie Thomas Kiechle mit seiner Barocktrompete treten ebenfalls auf. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

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