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Realitätsnahe Bilder: Den Ernstfall probten 110 Rettungskräfte mitten in der Nacht bei Ottenhofen.

110 Rettungskräfte im Einsatz

Auto fällt von Brücke vor einen Zug - nur eine Übung

Ottenhofen - Spektakulär den Ernstfall geprobt haben 110 Einsatzkräfte auf Initiative der Feuerwehr Ottenhofen. Das ist passiert:

Dass eine Bahnstrecke generell ein Risikofaktor ist, ist der Freiwilligen Feuerwehr Ottenhofen bewusst. Das war auch der Grund für die aufwändige Übung, die die Aktiven gemeinsam mit den Feuerwehren Markt Schwaben und Hörlkofen und der Unterstützung zahlreicher weiterer Hilfskräfte in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf einem Gleisabschnitt bei Wimpasing (Gemeinde Ottenhofen) durchgeführt haben.

Fotos von der Großübung der Feuerwehr Ottenhofen

Dass der Fall, der geübt wurde, wirklich eintreten könnte, ist eine schreckliche Vorstellung. Bad Aibling ist ein Beispiel dafür, war aber nicht der Auslöser für die Simulation. Auch im Erdinger Land wollen die Retter gerüstet sein.

Täuschend echt lief deshalb die Übung auf der Bahnstrecke München – Mühldorf ab: Ein Auto war auf der Brücke in Wimpasing ins Schleudern geraten und den Hang hinunter auf die Gleise gerutscht. Bremsen konnte der nahende Zug nicht mehr rechtzeitig, weshalb er den Wagen samt Insassen 300 Meter vor sich herschob.

Die Bilanz des tragischen Unglücks: Zwei Tote sowie 24 teils Schwer-, teils Leichtverletzte. „Als Feuerwehr schaut man natürlich, welche Gefahrenquellen im Zuständigkeitsbereich vorhanden sind. In der Gemeinde Ottenhofen ist die Bahn dabei nicht zu übersehen“, erklärt Kommandant Hermann Brandlmeier den Anlass für den simulierten Großeinsatz.

Um perfekt auf einen Ernstfall vorbereitet zu sein, hatte Hauptorganisator Florian Wagner zahlreiche Schwierigkeiten eingebaut. Die Bergung der Opfer erwies sich in dem schwer zugänglichen Bereich als äußerst kompliziert. Auch die Verletzten machten es ihren Rettern nicht immer leicht: Während es einen Rollstuhlfahrer zu befreien galt, wurden einige leichter Verletzte aggressiv und beschimpften die Sanitäter. Andere wiederum wurden von der Ungeduld, oder vom dringenden Bedürfnis, auf die Toilette zu gehen, geplagt und teilten dies lautstark mit.

Ein Faktor, der die Lage am Unfallort weiter verschärftet: Einige Zuginsassen waren abgängig und wohl in den umliegenden Sträuchern verschwunden. Sie mussten rasch gefunden werden. Um die Situation noch realistischer erscheinen zu lassen, griff das BRK tief ins Schminkkästchen und fügte den Darstellern grausame Verletzungen zu. So war beispielsweise eine Flasche, die im Bauch steckte, oder ein Messer im Bein zu sehen.

Klar ist, dass bei einem solchen Unglück die Feuerwehrkräfte nicht ausreichen. Deshalb waren neben 58 aktiven Feuerwehrlern das BRK Erding, die Malteser, die Polizei und der Katastrophenschutz an der Übung beteiligt.

Die Deutsche Bahn hatte die Strecke und einen Zug von 1 bis 5 Uhr zur Verfügung gestellt. Die Polizeihubschrauberstaffel Bayern ergriff außerdem die Übungsmöglichkeit und suchte das Gelände von oben ab, um die vermissten Opfer zu finden. Insgesamt waren rund 110 Aktive im Einsatz.

Doch Brandlmeier betont: „Sollte ein solcher Fall wirklich eintreten, werden natürlich viel mehr Einsatzkräfte benötigt.“ Was die Beteiligten konkret erwarten würde, war im Voraus nicht bekannt gegeben worden.

In der Nachbesprechung wurde deutlich, dass die Übung im Großen und Ganzen gut verlaufen sei, wie Brandlmeier erklärt. Schwierigkeiten habe es vor allem bei der Erreichbarkeit über Funk und der Verbindung zum Hubschrauber gegeben. Vor allem eines nehmen die Feuerwehrkräfte aus der spektakulären Übungsaktion mit: Die Zusammenarbeit der einzelnen Organisationen ist enorm wichtig.

Julia Adam

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