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Zwei Schließungen im selben Stadtteil: Tausende Bürger bald ohne Supermarkt - Klaffende Versorgungslücke

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Von: Hans Moritz

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25 Jahre lang war die Rewe-Filiale an der Zugspitzstraße (o.) der zentrale Nahversorger für ganz Altenerding-Süd. Eröffnet worden war sie im Zuge des Baus der Siedlung entlang der Wendelsteinstraße. An Weihnachten gehen die Lichter dort aus.
25 Jahre lang war die Rewe-Filiale an der Zugspitzstraße der zentrale Nahversorger für ganz Altenerding-Süd. Eröffnet worden war sie im Zuge des Siedlungsbaus entlang der Wendelsteinstraße. An Weihnachten gehen die Lichter dort aus. © Hans Moritz

In Altenerding gibt es bald keinen Nahversorger mehr. Der Edeka-Markt an der Ardeostraße schließt am 4. Dezember, Rewe an der Zugspitzstraße an Weihnachten.

Altenerding - Gerüchte hatte es schon länger gegeben, jetzt ist es offiziell: Die Rewe-Filiale an der Zugspitzstraße in Altenerding schließt. Schöne Bescherung: Ausgerechnet zu Weihnachten gehen in dem 1996 eröffneten Supermarkt die Lichter aus. Er war im Zuge der Bebauung in Altenerding-Süd eröffnet worden. Was die Lage verschärft: Am 4. Dezember schließt auch der Edeka an der Ardeostraße. Das Gebäude wird abgerissen.

Landkreis Erding: Rewe und Edeka schließen im Dezember - Tausende Bürger betroffen

Bis zu einem Neubau hier – Rewe hofft auf den Zuschlag – haben Tausende Altenerdinger keinen Nahversorger mehr. 14 000 Menschen leben hier. Das wiegt schwer, weil in dem Stadtteil auch viele alte Menschen leben, die nun nicht mehr fußläufig einkaufen können. Die nächsten Märkte sind der Edeka im Sempt Park und der Lidl im Gewerbegebiet Erding-Südwest.

Immerhin: Sie sind mit dem Stadtbus einigermaßen gut zu erreichen. Er wird schon jetzt von einigen älteren Kunden genutzt. Die Linie 520 fährt von Altenerding beziehungsweise dem Setzbergweg nach Aufhausen und dann auch zum Lidl (Otto-Hahn-/Max-Planck-Straße). Die Linien 550 und 560 bedienen ganz Altenerding und binden im 40-Minuten-Takt auch samstags Hofmarkplatz und Münchener Straße/Wendelsteinstraße (Lidl) an.

Rewe und Edeka in Altenerding schließen: Keine Pläne für Wiedereröffnung

Rewe-Sprecherin Ursula Egger teilt auf Anfrage unserer Zeitung mit, dass an der Zugspitzstraße am 24. Dezember für immer zugesperrt werde. Pläne für eine Wiedereröffnung gebe es dort nicht. Zu den Gründen erklärt sie, dass „die Umsätze in den vergangenen Jahren leider kontinuierlich zurückgegangen sind“. Zudem müsste ein hoher Betrag in die Haustechnik investiert werden. Dies sei nicht rentabel. Gerüchte, der Immobilieneigentümer scheue den erforderlichen Sanierungsbedarf unter anderem bei der Lüftung und habe deswegen kein Interesse mehr an der Weitervermietung, wollte sie nicht bestätigen.

Von der Schließung sind 20 Mitarbeiter betroffen. „Sie wurden auch alle schon informiert, Einzelgespräche haben stattgefunden“, so Egger. „Wir wollen möglichst alle in anderen Rewe-Märkten beschäftigen.“

Landkreis Erding: Rewe-Schließung hinterlässt klaffende Versorgungslücke

Rewe sei sich der dann klaffenden Versorgungslücke bewusst. „Deshalb sind wir mit dem Vermieter der Edeka-Immobilie im Gespräch und hoffen, diesen Standort übernehmen zu können“, so die Sprecherin.

Der Abriss des Edeka-Marktes an der Ardeostraße ist bereits beschlossene Sache. Er ist seit Anfang November ebenso genehmigt wie der Neubau eines Supermarktes mit Bäckerei und Metzgerei an gleicher Stelle auf einer Grundfläche von gut 2000 Quadratmetern. Das wurde am Dienstagabend in der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses des Stadtrates bekannt und ließ Hans Fehlberger (Freie Wähler) nachfragen, was im Zuge der Abbrucharbeiten mit dem verrohrten Neuhauser Graben passiere, der unter dem Grundstück verläuft. Stadtjurist Andreas Erhard erklärte, das Gewässer werde nicht überbaut und könne bei Bedarf freigelegt werden. Dies sei im Bauantrag sichergestellt und mit dem Wasserwirtschaftsamt abgesprochen.

Neu an der B388/Fuchsbergstraße ist dieser Automaten-Supermarkt. Er hat rund um die Uhr geöffnet und ist abends beleuchtet.
Neu an der B388/Fuchsbergstraße ist dieser Automaten-Supermarkt. Er hat rund um die Uhr geöffnet und ist abends beleuchtet. © Hans Moritz

Derweil gibt es seit Allerheiligen in Erdings größtem Stadtteil eine neue, innovative Einkaufsmöglichkeit – eine Automatenstation an der Kreuzung B 388/Fuchsbergstraße. Dahinter steckt das Start-up des 26 Jahre alten Erdingers Ludwig Jocher und seines Freundes Stefan Holzner (25). Die beiden haben zwei weitere Automaten-Supermärkte – an der Ortsdurchfahrt Hörlkofen und in Forstinning.

Es ist eine Idee, die aus der Not geboren wurde, verrät Jocher im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich habe in einer Band gespielt, und Corona hat uns ausgebremst.“ Aus eigener Erfahrung wisse er noch gut, „dass man immer wieder etwas zu essen oder trinken haben will, wenn nach einem Auftritt aber schon alle Läden geschlossen sind“.

Edeka und Rewe schließen: Automaten-Supermarkt Alternative?

Gemeinsam mit Holzner habe er daher das Unternehmen „Tante Emma 24“ gegründet. Was ihn immer gestört habe: „Entweder gibt es in den Automaten nur Getränke, nur Eier oder nur Fleisch & Wurst“, sagt Jocher. Da sei Tante Emma 24 nun deutlich breiter aufgestellt. „Was am meisten für Gesprächsstoff sorgt, ist, dass wir auch Kaviar im Angebot haben“, meint der Jungunternehmer schmunzelnd.

Die Preise bewegen sich zwischen denen der Supermärkte und der Tankstellen. Das hat seinen Grund, so der junge Familienvater: Einen nicht unerheblichen Teil der Ware beziehe er von Supermärkten, etwa dem Edeka in Hörlkofen. „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen.“ Und: „Ich will auch regionalen Erzeugern die Möglichkeit geben, hier ihre Produkte zu verkaufen.“ Die Resonanz sei gut, „und das, obwohl wir bislang keinerlei Werbung gemacht haben. Das kommt noch.“

Immer wieder ist in Erding von einer Überversorgung von Lebensmittlern die Rede – vor allem durch die Ansiedlung von drei Aldi- und zwei Lidl- sowie weiteren Discounter-Filialen. Tatsächlich ist das Angebot in den vergangenen Jahren geschrumpft. So sind die Märkte an der Freisinger Straße, Dorfener Straße, Siglfinger Straße/Rennweg, Landgestütstraße und am Schönen Turm verschwunden. Nun kommt der Altenerdinger Rewe-Markt hinzu. Und die Neueröffnung an der Ardeostraße wird auch einige Zeit dauern. In jüngerer Vergangenheit gab es nur eine echte Neueröffnung: die Feneberg-Filiale an der Langen Zeile in der Innenstadt.

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