Herr der Züge: Bernhard Weisser ist Chef der S-Bahn München. Foto: rk

S-Bahn-Chef besucht Redaktion: Der tägliche Kampf um jede Sekunde

Erding - Der Zuzug in die Flughafenregion stellt die Münchner S-Bahn vor große Herausforderungen. Immer mehr Menschen bedeuten immer mehr Pendler. Der Ausbau der Infrastruktur hält damit längst nicht mehr mit. S-Bahn-Chef Bernhard Weisser kämpft um jede Sekunde.

„Das Wachstum der Region macht auch bei der S-Bahn ein Wachstum dringend notwendig“, erklärt Bernhard Weisser beim Redaktionsbesuch mit Pressesprecher Bernd Honerkamp. Die Expansion muss vor allem auf dem bestehenden Netz gelingen, denn der Ausbau der Infrastruktur kommt noch langsamer voran als die S-Bahn nach einem Schneesturm. Hinzu kommt der Druck, den Politik und Öffentlichkeit ausüben. „Es ist eine Hassliebe“, meint Weisser schmunzelnd.

Doch als sich 2010 die Verspätungen häuften, verging dem Manager das Lachen. „Wir mussten gegensteuern. Das geht bei einem so sensiblen System wie der S-Bahn nur in ganz kleinen Schritten.“ Weisser trat einen Kampf um Sekunden an. „Denn viele eingesparte Sekunden ergeben Minuten und irgendwann Stunden.“ Ein wichtiger Schritt ist erst am gestrigen Montag getan worden. „Die Türen werden jetzt zentral geschlossen. Das verkürzt die Standzeiten in den Bahnhöfen“, erklärt Weisser. Bald soll das auch fürs Öffnen gelten. Eineinhalb Sekunden Halt hat die Bahn gewonnen, indem die Feststellbremsen überarbeitet wurden. Insgesamt gibt es über 100 Punkte, besser Pünktchen, mit denen die S-Bahn schneller und damit bei Störungen zuverlässiger wird.

In diesem Zusammenhang berichtet der Geschäftsleiter von 27 Notprogrammen, die selbst nach größeren Schäden die Betriebssicherheit binnen weniger Minuten wieder herstellen. Denn jeder Pendler hat es schon erlebt: Bleibt nur ein Zug stehen, gerät der gesamte Fahrplan buchstäblich aus dem Takt - vor allem in den Hauptverkehrszeiten.

Zu den größeren Neuerungen im Bereich Erding - München gehörte zuletzt die Einführung des Expresstaktes. „Mit den fünf Zügen, die von 6.30 bis 8 Uhr in Richtung München ab Markt Schwaben nur noch in Riem und dann wieder am Ostbahnhof halten, haben wir sehr gute Erfahrungen gemacht. Das bringt deutlich mehr Menschen in kürzerer Zeit in die Landeshauptstadt“, erklärt Weisser.

Dennoch macht er deutlich: „Wir brauchen den Ausbau. Dabei setzt er vor allem auf das Konzept Bahnknoten München, der die Handschrift des früheren FDP-Verkehrsministers Martin Zeil trägt. „Das A und O ist die zweite Stammstrecke“, versichert Weisser. An die Kritiker auch im Raum Erding, München dürfe nicht immer Vorrang bekommen, richtet Pressesprecher Honerkamp den Hinweis, „dass auch das Umland stark profitiert. Dann ist mehr und schnellerer Verkehr möglich.“ Denn für den Abschnitt Aufhausen sei ein zweites Gleis als Begegnungsabschnitt vorgesehen. Und Markt Schwaben würde zur Ertüchtigung des Durchgangsverkehrs eine fünfte Bahnsteigkante erhalten.

Der Ringschluss Erding - Flughafen ist für den S-Bahn-Betreiber eine wichtige Möglichkeit, um mehr Menschen aus Südostbayern zum Flughafen zu bringen. Doch in den Ausbau kann Weisser kaum eingreifen. Immerhin hat er grob errechnet: „Ist der Lückenschluss da, bräuchten wir mindestens zehn Züge mehr, um einen 20-Minuten-Takt fahren zu können.“

Nachdem endgültig klar ist, dass der Ausbau der Strecke München - Mühldorf noch Jahrzehnte auf sich warten lassen wird, freut sich Weisser immerhin über Mittel des Freistaats Bayern, um zumindest die Bahnhöfe zwischen Markt Schwaben und Ostbahnhof behindertengerecht umzubauen.

Zum Ausbau der S-Bahn bis Dorfen erklärt Weisser: „Von uns aus ist das möglich. Entscheidend ist aber die Politik. Denn ohne eine Vergrößerung des MVV-Gebietes geht nichts.“

Hans Moritz

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