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Opa macht alles richtig: Darauf passt Luisa bei Jakob Schwimmers Eintrag ins Goldene Buch auf. Dabei waren auch (v. l.) Bürgermeister Ulli Gaigl, Staatsminister a.D. Hans Zehetmair, Laudator Anton Schneider, Landrat Martin Bayerstorfer und Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier.

30 Jahre war er Bürgermeister von St. Wolfgang

„Glücksfall für St. Wolfgang und Landkreis“: Jakob Schwimmer wird Ehrenbürger

Jakob Schwimmer ist Ehrenbürger von St. Wolfgang. Bei Blasmusik, Sektempfang und Festakt ehrte die Gemeinde ihren ehemaligen Bürgermeister mit der höchsten Auszeichnung, die sie zu vergeben hat: der Ehrenbürgerwürde und dem Eintrag ins Goldene Buch. „Es hätt’s nicht gebraucht, aber freuen tut’s mich sakrisch“, brachte der neue Ehrenbürger seine Freude zum Ausdruck.

VON ANNE HUBER

St. Wolfgang – Die Laudatio hielt Schwimmers langjähriger Weggefährte und Parteifreund Anton Schneider. Schwimmer selbst hatte ihn als Lobredner gewünscht, weil er sich bei Schneider sicher sein könne, dass der, ohne zu übertreiben, sein politisches Leben darstellen würde. „Denn nirgends wird so viel gelogen wie vor Hochzeiten, bei Beerdigungen und nach der Treibjagd“, scherzte Schwimmer.

30 Jahre lang war er Bürgermeister der Gemeinde im Süden des Landkreises. „Du hast St. Wolfgang mit großer Weitsicht, Vision, Durchsetzungskraft und großem Optimismus geführt“, würdigte Schneider den ehemaligen Rathauschef und noch aktiven Kreisrat. Schwimmer sei es zu verdanken, dass St. Wolfgang den Strukturwandel geschafft habe: von acht Kilometern asphaltierte Gemeindestraßen zu ausgebauten Hofzufahrten, von 150 zu 1500 Arbeitsplätzen, von 2800 auf 4500 Einwohner.

Besonders förderlich für die Gemeinde sei Schwimmers Landtagsmandat gewesen, das dieser von 2003 bis 2013 innehatte. Trotz seiner steilen politischen Karriere sei Schwimmer aber „immer der greifbare und nahbare Mensch geblieben, der du als junger Bürgermeister warst“, so Schneider.

Schwimmers Potenzial als organisatorischer Macher habe bereits die Katholische Landjugendbewegung erkannt. Sie machte ihn mit 21 Jahren zum Diözesanvorsitzenden und zwei Jahre später zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Auf die kirchliche folgte die politische Karriere.

Seit 1978 saß Schwimmer im St. Wolfganger Gemeinderat und im Erdinger Kreistag, von 1983 bis 2014 war er Bürgermeister. In diese Zeit fallen unter anderem Wohnbau- und Gewerbegebiete, Schul- und Turnhallenbau sowie Kindergarten und Mehrzweckhalle. Aber auch Dorffest, Nahwärmeversorgung, Feuerwehrhäuser und -fahrzeuge seien in Schwimmers Amtszeit etabliert, errichtet und angeschafft worden.

Und sogar das Flüsschen Goldach wurde in dieser Zeit verlegt. „Jakob, ich darf dir im Namen der Gemeinde danken für deinen Einsatz, deine Visionen und Ideen, für deine Energie, alles, manchmal auch Unmögliches umzusetzen“, schloss Schneider.

Auch Landrat Martin Bayerstorfer stellte heraus, dass Schwimmer „diese Ehrenwürde verdient hat“. Schwimmer sei für viele Bürgermeister im Landkreis Vorbild gewesen, es habe nicht wenige gegeben, „die neidvoll nach St. Wolfgang geschaut haben“, sagte er.

Seinen heutigen Vize-Landrat bezeichnete der Landkreischef als „Glücksfall für St. Wolfgang und den Landkreis“. Weil es Schwimmer geschafft habe, Wohnen und Arbeiten am selben Ort zu gewährleisten, habe er Identität und Heimat gestiftet.

Bayerstorfer sieht den 70-Jährigen auch weiterhin in politischer Verantwortung: „Deine 41 Jahre politische Tätigkeit rufen nach Verlängerung“, sagte er. Für Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier ist Schwimmers Vita so beeindruckend, „dass man denkt, des müssen mehrere gewesen sein“.

Schwimmer sei für ihn Vorbild und Richtungsweiser gewesen. Wenn es schwierig gewesen sei, habe er sich oft gedacht: „Was dad jetzt der Jok machen? Der dad se nix scheißen.“ Das habe speziell für Schwimmers Fähigkeit gegolten, das Gesetz nicht zu brechen, aber zu biegen, bis es gepasst habe: „Wir sollten versuchen, ihn nachzuahmen und ein bissl davon mitzunehmen.“

Es seien wunderbare Jahre in Frieden gewesen, sagte Schwimmer in seiner Ansprache. Er sei dankbar, dass seine Frau in allen Lebenslagen zu ihm gestanden habe, er von Gemeinderäten und Verwaltung unterstützt worden sei und Vereine sowie Verbände für den Zusammenhalt in der Gemeinde gesorgt hätten.

„Ich war gern hier Bürgermeister“, sagte er vor den Gästen, zu denen auch Hans Zehetmair gehörte, dessen Erbe er als Landtagsabgeordneter und Vize-Landrat angetreten hatte. Am Schluss ließ es sich der Ehrenbürger nicht nehmen, Annemarie Haunolder, die lange Jahre seine Sekretärin war, einen Blumenstrauß zu überreichen. Mit der Bayernhymne, begleitet vom St. Wolfganger Musikverein, klang der Festakt aus. Dann wurde in Rathaus und Gemeindesaal weitergefeiert.

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