+
Tausende interessierte Besucher nützten gestern die Gelegenheit beim Tag des offenen Hofes, um hinter die Stalltüren von drei landwirtschaftlichen Betrieben zu schauen.

Tag des offenen Hofes

Bauern schlagen Brücke zu Verbrauchern

„Unser Herz schlägt für die Landwirtschaft.“ Das war am heutigen Sonntag die Botschaft der Betriebsleiter beim Tag des offenen Hofes. Landwirte und Verbraucher sollten sich dabei näher kommen. Das ist geglückt.

„Mit dem Tag des offenen Hofes wollten wir zeigen, wie wir arbeiten und produzieren“, sagte Betriebsleiter Anton Lohmaier. Die Landwirte suchten den Dialog mit dem Verbrauchern, um einen Einblick in die moderne Landwirtschaft zu geben. Mehrere tausend Besucher informierten sich auf den drei Höfen Kirzeder, Berghammer und Lohmaier. Geboten wurde Transparenz, Aufklärung und umfassende Informationen rund um die Landwirtschaft. 

Mit den Tieren, wie etwa kleinen Küken, in Kontakt zu kommen, war auch ein Ziel.

BBV-Kreisobmann Johann Schwimmer berichtete, dass man fast ein Jahr an der Vorbereitung gearbeitet habe, denn man „müsse eine Brücke zum Verbraucher schlagen“. Das ist beeindruckend gelungen. Begeistert zeigte sich auch Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) beim Hofrundgang in den modernen Ställen. Die Tierhaltung mit freier Bewegung der Kühe und moderne Stalltechnik sei eine „tolle Geschichte“. Das sei die Zukunft der Landwirtschaft, erspare den Bauern Zeit und sei „gut für das Tierwohl“. Dafür sei eine „Rieseninvestition“ notwendig, die in der aktuellen Niedrigpreissituation eine „Herausforderung in schwieriger Zeit“ sei. Lebensmittel müssen wieder etwas Wert sein, forderte Scharf. Bei der Veranstaltung könne der Verbraucher sehen, „wie viel Mühe“ hinter der Produktion stehe. Es sei „nicht nachvollziehbar“, dass in Supermarktketten ein Liter Milch weniger als 50 Cent koste. „Muss das sein, dass ein gutes Lebensmittel verramscht wird, und so eine ganze Berufsgruppe in existenzielle Nöte gerät“, fragte die Ministerin. 

Bei dem Milchpreisverfall entstünde derzeit bei den rund 40 000 Milchbetrieben monatlich ein Minus in Höhe von 75 Millionen Euro. Die Bauern bräuchten einen „fairen Preis“, das gelte für alle landwirtschaftlichen Produkte. Der Tag des offenen Hofes schaffe Akzeptanz, Verständnis und Vertrauen, lobte Scharf. Das sei heute wichtiger denn je. Bauern und Kunde sollten sich daher „etwas näher kommen und mehr Verständnis und mehr Kenntnis füreinander entwickeln“. Ob eine regionale Landwirtschaft Zukunft habe, „liegt auch in Händen des Verbrauchers“, sagte Scharf.

Zum Unterhaltungsprogramm gehörte auch ein Schaumelken. Milchkönigin Susanne Polz hatten da keine Probleme.

Anton Kreitmair, Bezirkspräsident des BBV Oberbayern, betonte, er sei „stolz auf die jungen Betriebsleiter“. Landesbäuerin Christine Singer betonte, moderne Landwirtschaft und Technik seien „kein Widerspruch, dass es den Viechern gut gehe“. Bauern stellten mit Leidenschaft und Sorgfalt Lebensmittel her und gingen sorgsam mit ihren Tieren um.  „Gigantisch, die modernen Ställe und die Technik“, sagte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU). Dies zeige deutlich, was Landwirtschaft erbringe. Jetzt zu investieren, sei eine „mutige Entscheidung“, gerade bei dem abgestürzten Milchpreis. Der Landrat hofft, dass die Bauern „durchhalten“. Es müssten bessere Zeiten kommen, sonst sei flächendeckende Milchviehwirtschaft bald nicht mehr möglich. St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl erinnerte daran, dass „unsere Kulturlandschaft über Jahrzehnte vom Fleiß der Bauern geschaffen worden ist.“

Hermann Weingartner

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Widerstand gegen Bebauung am Moosweg
Die Gemeinde Ottenhofen will in Herdweg Bauland schaffen. Darum hat sie die Herausnahme von Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet Sempt- und Schwillachtal beantragt. …
Widerstand gegen Bebauung am Moosweg
Dorfen auf dem Weg zur digitalen Stadt
Dorfen soll digitaler werden. Im Rahmen dieses von der Stadt geplanten Digitalisierungsprozesses hat der Förderkreis Dorfen in Zusammenarbeit mit Marketingfachwirt Georg …
Dorfen auf dem Weg zur digitalen Stadt
Griechen-Kost gegen Herzinfarkt
Die sogenannte Mittelmeerkost wurde bisher als gute Präventionsmaßnahme gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesehen. Dem ist nur mehr bedingt so.
Griechen-Kost gegen Herzinfarkt
Neue Lebensmittelbehörde: Erst Oberding, dann Erding
Die neue, von Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) eingeführte Landesbehörde zur Lebensmittelüberwachung wird neben dem Hauptsitz in Kulmbach zunächst in der Gemeinde …
Neue Lebensmittelbehörde: Erst Oberding, dann Erding

Kommentare