Verdächtiger Gegenstand in Freising: Feuerwehr und Polizei aktuell im Großeinsatz

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Sinnstiftende Arbeit finden Bewohner und Beschäftigte bei der Produktion von Schutzausrüstung. Unser Foto zeigt Hauswirtschaftsleitung Katharina Eder (l.) mit Mitarbeiterin Carola Lensch beim Nähen von Masken. 

Visiere und Masken mit eigenem Design

Betreuungszentrum Wernhardsberg produziert Schutzausrüstung selbst

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Das Betreuungszentrum St. Wolfgang geht bei der Schutzausrüstung im Kampf gegen Corona selbst in die Produktion. Nicht nur Mund-Nasen-Masken, sondern auch Gesichtsvisiere werden hergestellt.

Wernhardsberg – Eine Corona-Impfung gibt es noch nicht. Umso wichtiger ist gerade in der Pflege ein mechanischer Schutz vor dem Virus: Masken, Brillen und Schutzkleidung. Das Betreuungszentrum St. Wolfgang geht nun selbst in die Produktion. Das Besondere: Nicht nur Mund-Nasen-Masken, sondern auch Gesichtsvisiere werden hergestellt.

„Jetzt ist Anpacken gefragt“

Es sei nicht hilfreich, jetzt über die schlechte Versorgung mit Schutzausrüstung zu jammern, meint Geschäftsführer und Einrichtungsleiter Arno Seidel im Gespräch mit unserer Zeitung. Er fordert: „Jetzt ist Anpacken gefragt.“ Dank der leistungsfähigen Arbeitstherapie sei das Betreuungszentrum in der Lage zur Eigeninitiative. Rund 200 Mund-Nasen-Masken hätten Mitarbeiter und Bewohner schon genäht.

Das Katastrophenschutz-Team des Landkreises hat die Arbeitstherapie, in der bis zu 80 Bewohner beschäftigt sind, mit 400 Meter professionellem Vliesstoff versorgt, wie er auch von Himolla in Taufkirchen verarbeitet wird. Das reiche für den Eigenbedarf und auch zur Weiterverteilung an den Katastrophenschutz, sagt Seidel. „Die machen einen sauguten Job.“

Sichtvisiere aus dem 3D-Drucker

Das Team der Arbeitstherapie hat nun auch ein Sichtvisier entwickelt. Ein Prototyp sei schnell fertig gewesen, erzählt Seidel. Nächste Woche hofft man mit der Produktion von täglich rund 20 Stück beginnen zu können. Das Visier besteht aus einer laminierten Folie, die Haltegestelle kommen aus dem 3D-Drucker „vom Ehemann unserer Psychologin“. Das Visier komme nur beim unmittelbaren Umgang mit Infizierten zum Einsatz und biete deutlich besseren Schutz als Brillen, die derzeit auch nirgends zu bekommen seien.

Besonders stolz ist man in Wernhardsberg auch auf den selbst entwickelten Schnitt der Masken. Der biete mehr Komfort und Sicherheit beim Tragen als gekaufte Masken.

Besondere Herausforderungen für 224 Bewohner und 170 Beschäftige

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie stelle natürlich auch das Betreuungszentrum St. Wolfgang mit seinen 224 Bewohnern und 170 Beschäftigen vor besondere Herausforderungen. „Bisher sind wir noch von Infektionen verschont geblieben, trotzdem herrscht seit Wochen Ausnahmezustand in der Einrichtung“, berichtet der Geschäftsführer.

Die Betreuung der 119 Bewohner in der Pflege- und der 104 Bewohner in der sozialtherapeutischen Abteilung unterscheiden sich nicht von der Situation der Familien, in der mehrere Generationen unter einem Dach zusammen leben, schildert Seidel: „Opa und Oma tragen das höchste Risiko schwerer Krankheitsverläufe. Und wenn einer in der Familie infiziert ist, dann erwischt es vermutlich alle anderen auch, noch bevor der Erste Symptome verspürt.“

Das Virus im Heim hätte möglicherweise dramatischen Folgen

Im Heim leben allerdings sehr viele vorbelastete Menschen auf relativ engem Raum zusammen, und die Hilfe, die sie brauchen, lasse den Zwei-Meter-Abstand nicht zu. Wenn das Virus einmal in die Einrichtung gelange, „dann lässt sich die Ausbreitung kaum noch verhindern“, sagt Seidel – mit möglicherweise dramatischen Folgen, wie man in anderen Einrichtungen sehen konnte.

Daher komme der Prophylaxe in diesen Tagen eine enorme Bedeutung zu, betont Seidel. Es gelte, „mit aller Kraft das Risiko zu minimieren“, dass das Virus ins Haus getragen werde.

Bewohner können nicht Wochen oder gar Monate ohne Beschäftigung sein

Die Außenkontakte der Bewohner seien nahezu vollständig eingestellt: „Es gilt Besuchsverbot, Ausflüge und Einkaufsfahrten sind eingestellt, und sogar Arztbesuche sind auf die nicht verschiebbaren Termine beschränkt. Auch die Kontakte der Bewohnerinnen und Bewohner untereinander wurden reduziert.“

Unmöglich sei jedoch, die Bewohner über mehrere Wochen oder gar Monate zu isolieren und ohne Beschäftigung zu lassen. Und selbst wenn dies unter dem Gesichtspunkt der Infektionsgefahr gut wäre, würde es andererseits fatale körperliche, geistige und psychische Schäden hinterlassen.

Die Mitarbeiter sind besonders in der Verantwortung

Allen Mitarbeitern komme jetzt eine besondere Verantwortung zu, schildert Seidel die Lage in der Einrichtung. Sie müssten sich nicht nur im Dienst noch strenger als sonst an Hygienerichtlinien halten und seit zehn Tagen permanent Mund-Nasen-Schutz im Dienst tragen, sondern seien auch noch gehalten, in ihrer Freizeit konsequent mögliche Infektionsorte zu meiden.

Die momentane Diskussion um die hohe Gefährdungslage für die Beschäftigten in der Pflege könne Seidel nicht ganz nachvollziehen: „Unsere Bewohner können sich nirgends mehr anstecken, außer bei uns Mitarbeitern. Wir sind also nicht die Gefährdetsten, sondern wir sind die Gefährder“, betonte der Einrichtungsleiter.

„Im Supermarkt ist es gefährlicher als bei uns.“

Darüber hinaus dürfe aufgrund diverser Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen der hygienische Zustand in Heimen deutlich über dem in Supermärkten liegen. „Im Supermarkt ist es gefährlicher als bei uns.“ Auf seine Mitarbeiter sei Seidel sehr stolz, denn sie „wissen, dass sie jetzt noch mehr gebraucht werden als sonst, sie wissen, was zu tun ist, und sie sind im Boot“.

Mit der Eigenproduktion von Masken und Visieren sei nicht nur der eigene Schutz und der Bewohner sichergestellt, berichtet Seidel, sondern auch andere Helfer könnten mit dringend benötigtem Material versorgt werden. „Perfekt für die Arbeitstherapie“, findet der Einrichtungsleiter und betont: „Kann es sinnstiftendere Arbeit geben?“

prä

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