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Ziemlich vermessen: Bahnhofsvorsteher (Florian Bernhard, l.) und die Bahnvertreterin (Renate Sperr) beim „Häuslmo“ (Martin Käsmeier), der einige Tricks auf Lager hat.

Weihnachtstheater der KLJB St. Wolfgang

Ein Haus steht dem Fortschritt im Weg

Fortschritt kann durchaus auch Rückschritt sein. Das beleuchtet das Lustspiel „Zug um Zug“. Die St. Wolfganger Landjugend (KLJB) hat das Thema humoristisch bei ihrem Weihnachtstheater aufgegriffen.

St. Wolfgang– Theaterspielen hat eine lange Tradition bei der St. Wolfganger Landjugend. Jedes Jahr zu Weihnachten beweist die Laienspielgruppe ihr schauspielerisches Talent aufs Neue. Heuer stand im Schex-Saal „Zug um Zug“ auf dem Spielplan, eine Komödie in vier Akten von Arno Boas. „Super gelaufen“ ist die Premiere, freute sich Spielleiterin Gabi Attenberger nach der ersten Vorstellung. Sie führte bereits zum 26. Mal Regie.

Das Stück wurde mit jeder Menge Lokalkolorit versehen. Die Gemeinde St. Wolfgang will die Eisenbahn – und natürlich auch gleich einen Bahnhof bauen. Tatsächlich war schon einmal anno dazumal eine lokale Eisenbahnline durch den Goldachort geplant. Und wie es so oft ist, sollen für ein Megaprojekt „zum Wohle der Leute und für den Fortschritt“ Natur und Privatbesitz weichen. Nicht viel anders ist es ja bekanntlich in Dorfen mit der Isental-Autobahn A 94 und gerade aktuell mit dem zweigleisigen Ausbau der Bahnlinie München-Mühldorf. Gewisse Parallelen dazu sind in dem Stück Zufall, aber durchaus gewollt.

Auf der Schex-Bühne war eine wunderbare Kulisse aufgebaut für das kurzweilige und amüsante Stück, das die KLJB flott und überzeugend spielte. Hauptdarsteller ist Martin Käsmeier als „Häuslmo“ Johann Schimmelpfennig. Sein Häuschen in der Idylle steht dem Fortschritt, respektive dem Bau eines Bahnhofs an der neuen Eisenbahnlinie, entgegen. Opa Schimmelpfennig staunt also nicht schlecht, als plötzlich Bürgermeister, Bahnvertreter und Vermessungsbeamte reges Interesse an seinem Grund und dem kleinen Häusl zeigen. Der schlitzohrige Opa riecht alsbald den Braten und spielt der Obrigkeit trickreich manch üblen Streich, denn er will sein Häusl natürlich nicht verkaufen. Plötzlich hat er eine Geliebte und ein Kind dazu. Aber die Gemeinde ist nicht zimperlich und will den „Häuslmo“ für verrückt erklären lassen. Schließlich wird aber der Psychiater verrückt und die Gemeindeoberen verzweifeln.

Ob sich die Dorfbewohner am Ende ihre Natur zerstören lassen, das kann man bei den weiteren Aufführungen am 26., 27. und 29. Dezember (jeweils ab 20 Uhr) erfahren. Für alle Vorstellungen gibt es noch Restkarten an der Abendkasse.

Hermann Weingartner

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