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Im Kreise seiner Familie und mit einigen Ehrengästen feierte Jubilar Bartholomäus Gaigl (vorne) bei bester Laune seinen 95. Geburtstag. 

Fitter Jubliar

Schwere Kindheit, harte Jugend, schöner Lebensabend: Bartholomäus Gaigl feiert 95. Geburtstag

Nach seiner gut verlaufenen Hüftoperation ist er wieder  fit. Die Rede ist von Bartholomäus Gaigl, der seinen 95. Geburtstag feiert.

Mithilgen – „Mein Verfallsdatum möge noch lange nicht ablaufen“: Das war ein Wunsch von Bartholomäus Gaigl aus Mithilgen zu seinem 95. Geburtstag. Gefeiert hat der Rentner gemütlich beim Holzwirt mit Familie und vielen Freunden. Natürlich war auch Enkel Andreas Gaigl dabei, denn der 26-Jährige feiert am gleichen Tag Geburtstag wie sein Opa.

Die 95 Lebensjahre mag man Bartholomäus Gaigl nicht ansehen. Der Seniorbauer ist noch rüstig und begrüßte fit und munter seine zahlreichen Gäste, darunter die Gratulanten Landrat Martin Bayerstorfer und der nicht verwandte St. Wolfganger Bürgermeister Ullrich Gaigl. 2018 war der Jubilar gar nicht fit, denn es plagten ihn arge Hüftprobleme mit unerträglichen Schmerzen. Gehen konnte er da kaum noch und entschied sich trotz des Abratens mehrerer Ärzte wegen des hohen Risikos zu einer Hüft-Operation. In einer Münchner Klinik wurde er operiert und erfreut sich nun wieder bei bester Laune an jedem Tag und besucht auch wieder jeden Sonntag den Gottesdienst und seine Seniorengruppe.

Mit drei Schwestern ist Gaigl auf dem elterlichen Bauernhof im Weiler Mithilgen aufgewachsen. Als Bub lernte er schnell die ganze Härte des Lebens kennen. Er hatte einen langen Schulweg durch den Wald bei Wind und Wetter nach St. Wolfgang. Von der Volksschule daheim ging’s gleich aufs Feld, wo mit Ochsengespannen die Felder bestellen werden mussten, denn der Vater war immer wieder zur Wehrmacht einberufen worden. Und auch keine schöne Jugend war dem Jubilar vergönnt. Mit 18 Jahren musste er am Neujahrstag 1943 zum Reichsarbeitsdienst einrücken und dann noch in den Krieg. Erst an den Atlantikwall, dann über die Westalpen an die Südfront. In den letzten Kriegstagen erwischte es Gaigl. Von einer schweren Oberschenkelverwundung blieb eine schmerzhafte Lähmung, die ihn bis heute begleitet.

Trotzdem übernahm er den elterlichen Hof, und die Zeiten wurden wieder besser. Gaigl fand sein Lebensglück in der Nachbarstochter Walburga Attenberger, die er 1954 heiratete. Vier Töchter und einen Sohn haben sie bekommen und großgezogen. Sohn Anton hat später den Hof übernommen.

Vieles hatte der Jubilar erlebt und ertragen, aber der Tod seiner geliebten Frau Wally im Jahr 2014, die lange schwer krank war, schmerzte ihn sehr. Bis zum letzten Tag ihres Lebens hatte er sie liebevoll daheim gepflegt. Über seine tiefe Trauer half Uropa Gaigl die liebevolle Unterstützung seiner jungen Angehörigen.

Heute genießt der Jubilar sein Leben „so gut es geht“. Früher schrieb er sogar einige Gedichte, wie „Mei Bankerl vorm Haus“. Das ist eine poetische Betrachtung seiner vielen Alltagsbeobachtungen, wie sich Mensch und Technik im Laufe der Jahrzehnte verändert haben, was er von seinem „Bankerl“ am Hof aus verfolgte.  

Hermann Weingartner

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