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Beschwor den Zusammenhalt in der Gemeinde: Bürgermeister Ullrich Gaigl (r.) bei seiner Rede vor Vertretern von Vereinen, Organisationen, Schule, Politik, Wirtschaft und Kirche.

Neujahrsempfang St. wolfgang

Gaigl rügt den rüden Ton in der Gesellschaft

St. Wolfgang – Der Gemeinde geht es gut, und die vielfältigen Leistungen des Ehrenamts sind unverzichtbar für die Gesellschaft. Das waren die Botschaften beim traditionellen Neujahrsempfang der weltlichen und kirchlichen Kommune St. Wolfgang.

Bürgermeister Ullrich Gaigl begrüßte rund 120 Vertreter aus Vereinen, Organisationen, Schule, Politik, Wirtschaft und Kirche.

Nach dem Gottesdienst traf man sich beim gemeinsamen Empfang im Foyer der Goldachhalle. Gaigl nützte die Gelegenheit zum Dank an alle, die sich in der weltlichen und kirchlichen Gemeinschaft ehrenamtlich betätigen zum Wohl der Allgemeinheit.

„Was war, was war gut, was schlecht, was kommt?“, seien Fragen, die sich jetzt jeder einzelne am Jahreswechsel stelle, sagte Gaigl. Wenn man sich im Alltag umschaue, könne man feststellen: „Uns geht’s gut.“ Man könne alles kaufen, es gebe alles und jeder habe fast alles.

Zu sehen sei in Zeiten globaler Vernetzung: „Die Welt wird immer kleiner“, was nicht nur Vorteile habe. Ob es sein müsse, zum Chrismas-Shopping nach New York zu reisen? „Da fliegt ma heut schnell nüber.“ Die Nachfrage sei offenbar da. „Früher wurde produziert, um die Nachfrage zu decken, heute produzieren wir, um Nachfrage zu wecken.“

Gewalt und Terror waren im Fernsehen weit weg, erinnerte Gaigl. Vergangenes Jahr aber rückten nun die Terroranschläge ziemlich nah an uns heran. Das bereite ihm Sorgen, bekannte der Bürgermeister und fragte: „Wo führt das noch hin, was ist zu tun?“ Jetzt höre man viele Meinungen. Sorgen machten dem Gemeindechef da so manche Stammtischparolen, oft weit unter der Gürtellinie. Und es gebe das andere Extrem, von sehr sozialen Menschen, wo man auch nicht wisse: „Ist das immer richtig?“

Auf einer Geburtstagsrunde sei es um die Verteilungsfrage der Flüchtlinge gegangen. Jeder wusste, was besser sei und es könne nicht sein, dass Europa und speziell Deutschland so viele aufnehmen, wo die Welt doch so groß sei. Aber wenn man die Verteilung runterbreche bis in die Gemeindeteile, sehe man, „das ist schwierig“ und es gebe Probleme. Das sei klar. Aber wir sollten aufpassen, dass das Thema die Gesellschaft nicht spalte. Es gebe große Ausgaben und Aufgaben. Je nachdem, wo er gerade sei, höre er: „Was kommt zuerst, Rentner, Kinder, Jugendliche? Wo kommt das Geld dafür her? Wer kommt dafür auf?“ Die Produktivität der Menschen sei in den letzten Jahrzehnten enorm gestiegen, die Löhne nicht.

Sorgen bereitet Gaigl auch der immer rauere Ton in Gesprächen miteinander, auch im Freundeskreis. Da fielen Wörter, da hätte man früher gesagt: „Des geht ned, so red ma ned miteinander.“ Da vergreifen sich Leute im Ton. „Lasst uns zusammen den gemeinsamen Ton finden, dann schaff ma fui“, appellierte Gaigl an die verbale Abrüstung bei schwierigen sozialpolitischen Themen und Sicherheitsfragen.

Der Bürgermeister sprach auch einen gesellschaftlichen Wandel an, wo Forderungen und Ansprüche steigen. Die Gemeinde soll alles machen und bieten. „Egoismus tritt in unserer Gesellschaft stark in den Vordergrund.“ Dazu der Wandel im Ehrenamt. Heute sei „Jeder eingespannt“ und es werde schwieriger, Leute zu finden. Gaigl lobte da sein Publikum beim Neujahrsempfang. Wenn jemand gebraucht werde, „seid’s ihr feste Größen, auf die Verlass ist. Lasst uns ein Maß finden zum gemeinsamen Handel und Tun, gemeinsam miteinander“, bat der Gemeindechef.

„Bringt’s euch ein“, lasst euch von den Nörglern nicht entmutigen. Das „Ehrenamt ist das Rückgrat unserer Gesellschaft“, betonte Gaigl. Ohne Ehrenamt geht’s nicht.“ Dafür sprach der Bürgermeister allen ein großes Dankeschön aus und wünschte „keinen Stress, Zeit zum Leben, Gesundheit und Gottvertrauen, egal wie Gott für jeden ausschaut“.

Hermann Weingartner 

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