Gemeinde St. Wolfgang

100 000 Euro Prämie für werdende Eltern

Dieses Mal ist es kein Rekordhaushalt. Mit einem Gesamtvolumen von 10,9 Millionen Euro liegt der St. Wolfganger Etat rund eine halbe Million unter Vorjahresniveau. Eine der Ausgaben ist die Förderung von Famlien im Baugebiet Grünbach.

St. Wolfgang – Seit Jahren ist die Gemeinde St. Wolfgang sehr spät dran mit dem Beschluss ihrer Haushaltssatzung. Das hatte vor allem am Zeitmangel durch immer mehr Aufgaben für Verwaltungsleiter Christian Miksch gelegen, der gleichzeitig auch als Kämmerer tätig war. Nun wurde mit Julia Schwarzenbeck (siehe Kasten) eine neue Kämmerin angestellt. Die neue Finanzchefin präsentierte im Gemeinderat ihren ersten Haushaltsentwurf.

Das Zahlenwerk war im Haupt- und Finanzausschuss ausführlich vorberaten und ein positiver Empfehlungsbeschluss gefasst worden, erklärte Bürgermeister Ulrich Gaigl (FW). Dem folgte auch der Gemeinderat einstimmig, der zudem den Stellen- und Investitionsplan genehmigte. Nach der intensiven Vorberatung gab Schwarzenbeck im Gemeinderat nur noch einen Überblick über die wichtigsten Daten und Ansätze der Haushaltsplanungen für 2018.

Der Vermögenshaushalt hat demnach ein Volumen von 2,5 Millionen Euro (2017: 3,7 Mio.), der Verwaltungshaushalt 8,4 Millionen Euro (7,7 Mio.). In Letzterem werden einige Ausgaben kräftig steigen. So sind für „soziale Angelegenheiten“ 105 000 Euro (40 000 Euro) eingeplant. Das Geld fließt als „Kinderprämie“ an Eltern, die im Baugebiet Am Grünbach wohnen und Nachwuchs bekommen. Die Gemeinde hatte zur Förderung von bis zu vier Kindern noch unter Altbürgermeister Jakob Schwimmer (CSU) dieses Modell beschlossen, erklärte Gaigl. Damit wollte man dem früheren Kindermangel begegnen.

Auch der Etat für den Straßenunterhalt wurde mit 340 000 Euro (155 000 Euro) deutlich erhöht. Kräftig steigen werden zudem die Kreisumlage mit zwei Millionen Euro (1,7 Mio.) und die Gewerbesteuerumlage mit 390 000 Euro (250 000 Euro). Der Schuldenstand wird bei 3,7 Millionen Euro (3,2 Mio.) erwartet, was auch an einer Kreditaufnahme von 800 000 Euro für die Erweiterung der Kläranlage liegt.

Seit Jahren erhöhen sich die Personalkosten, die heuer mit einer Steigerung von sechs Prozent auf 1,6 Millionen Euro angesetzt sind. Die Kämmerin verwies darauf, dass die neu eingestellten Mitarbeiter jetzt voll in der Haushaltsplanung berücksichtig seien und sie heuer eine Tariferhöhung von rund drei Prozent erwarte. Anton Schneider (CSU) beunruhigte allgemein die Steigerungen bei den Personalkosten durch immer mehr Aufgaben. Franz Finger (CSU) kritisierte, dass die Gemeinden dabei „oft vom Staat allein gelassen werden“. Und Magdalena Wandinger-Strauß (FW) merkte an, dass „Ansprüche der Bürger an die Kommune extrem gestiegen sind“.

Als wichtigste Einnahme im Verwaltungshaushalt erwartet die Kämmerin zwei Millionen Euro Gewerbesteuer (1,8 Mio.), 2,6 Millionen Euro Einkommensteueranteil (2,6 Mio.), 264 000 Euro (150 000 Euro) Umsatzsteuerbeteiligung sowie gleichbleibende Grundsteuer A (104 000 Euro) und B (390 000 Euro). Die Schlüsselzuweisungen steigen von 560 000 auf 740 000 Euro. Die Zuführung zum Vermögenshaushalt liegt laut Schwarzenbeck bei 1,2 Millionen Euro (1,3 Mio.). 

Julia Schwarzenbeck im Porträt

Julia Schwarzenbeck

„Es ist schön, in der Heimatgemeinde arbeiten zu können“, sagt St. Wolfgangs neue Gemeindekämmerin Julia Schwarzenbeck. Die 34-Jährige ist seit November in der Gemeindeverwaltung halbtags im Beamtenverhältnis angestellt und kümmert sich unter anderem um die Finanzplanung der Kommune.

Jetzt hat die verheiratete Mutter einer Tochter im Gemeinderat ihren ersten Haushaltsentwurf vorgestellt, der auch einstimmig genehmigt wurde (siehe Bericht).

Schwarzenbeck ist eine St. Wolfgangerin. Nach dem Abitur am Dorfener Gymnasium wusste sie schon, was ihr Berufswunsch ist. Die Ferienjobs in der St. Wolfganger Gemeindeverwaltung hatten ihr „so gut gefallen, dass ich mich für den Beruf entschieden habe“. Dazu nahm sie ein Duales Studium auf, das sie als Diplom-Verwaltungsfachwirtin erfolgreich abschloss. Studiert hatte sie an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Hof, die Praxis machte sie begleitend bei der Stadt München.

Dort arbeitete sie anschließend noch sechs Jahre lang im Referat für Bildung und Sport und war für den Personalhaushalt zuständig. Dann ging Schwarzenbeck in die Familienpause. Diese ist mit der neuen Aufgabe in ihrer Heimat nun zu Ende. „Ich hab’ mich gut eingearbeitet“, sagt Schwarzenbeck, aber der Wechsel sei schon eine große Umstellung gewesen – „von der riesen Behörde in der Landeshauptstadt zur kleinen Gemeindeverwaltung“. Aber hier sehe man, wo das Geld ankommt. Hermann Weingartner 

Rubriklistenbild: © dpa / Patrick Seeger

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