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„Heiliger Weltmeister im Hacklweitwerfen“: St Wolfgang und sein Wappen

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Auf dem Maibaum in der Hofmark ist das St. Wolfganger Gemeindewappen zu sehen. Gemeindefusion über Kreisgrenze Pferd als Symbol der Reichsgrafschaft
Auf dem Maibaum in der Hofmark ist das St. Wolfganger Gemeindewappen zu sehen. Gemeindefusion über Kreisgrenze Pferd als Symbol der Reichsgrafschaft © Hermann Weingartner

Das Beil und die Quelle im Wappen erinnern an den Gründungsmythos von St. Wolfgang.

St. Wolfgang – Die Gründung von St. Wolfgang ist in Bezug auf eine Legende auf das Jahr 975 datiert. Gemessen daran ist das Wappen der Gemeinde sehr jung. Das St. Wolfganger Hoheitszeichen ist zweigeteilt, mit einem silbernen Pferderumpf auf rotem Grund und einem blauen Beil vor silbernem Grund. 1973 wurde es von der Regierung von Oberbayern genehmigt. Immerhin lehnt sich die Gestaltung an historische Gegebenheiten und Sagen an.

Es ist erst ein halbes Jahrhundert her, dass die Fusion der früher eigenständigen Kommunen Schönbrunn, Gatterberg, Pyramoos, Lappach und Jeßling mit St. Wolfgang im Rahmen der bayerischen Gemeindegebietsreform vollzogen wurde. Bald darauf entschied sich der Gemeinderat dann für ein eigenes kommunales Hoheitszeichen. „Das war damals vollkommen unproblematisch“, erinnert sich Altbürgermeister Jakob Schwimmer, der von 1983 bis 2014 die Geschicke der Gemeinde geleitet hat und davor schon fünf Jahre Vize gewesen war.

Es war eine Zeit großer Umbrüche – mit der Gemeindegebiets- und der Landkreisreform, aufgrund der St. Wolfgang nach der Auflösung des Landkreises Wasserburg zu Erding statt Rosenheim kam. Die Sitzungen leitete damals Bürgermeister Ludwig Huber (1966–1974). Unter seiner Führung wurde dann der Entschluss gefasst, sich ein eigenes Gemeindewappen entwerfen zu lassen. Den Auftrag bekam der bekannte Heraldiker und Grafiker Heinz C. Bessling aus Gauting. Er ist Urheber einer Vielzahl von Wappen in der Region. Davor hatte die weiß-blaue Raute der Gemeinde St. Wolfgang als Dienstsiegel gedient.

Im Mittelalter beschrieb man Wappen nur wörtlich. Im 13. Jahrhundert hatte sich eine sehr präzise Sprache zur Beschreibung der Wappen durchgesetzt, eine der Aufgaben eines Herolds. Als diese dann zu Hoheitssymbolen wurden, kamen zusätzlich Abbildungen dazu.

Das St. Wolfganger Wappen ist durch eine weiße Wellenlinie geteilt. Oben ist der silberne Rumpf eines Schimmels auf rotem Grund und darunter auf silbernem Grund ein schräg gestelltes, blaues Beil dargestellt. Die Symbole sind einerseits der Ortsgeschichte entnommen und andererseits einer Sage.

Eine historische Wappenbegründung wird in der Gemeindechronik beschrieben. St. Wolfgang war jahrhundertelang Bestandteil der ehemaligen Reichsgrafschaft Haag. Aus diesen Umstand weist in der oberen Hälfte der Pferderumpf auf das Wappentier der Grafen zu Fraunberg zu Haag hin.

Einen direkten Bezug zum Gemeindenamen nimmt das Beil als eines der Attribute des Heiligen Wolfgang. Der Namensgeber der Kommune wird in der St. Wolfganger Wallfahrtskirche verehrt – in Erinnerung an eine von ihm im 10. Jahrhundert unter dem Altar der Wolfgangskapelle erweckten Quelle, so die Sage. Dies wird symbolisiert mit der Wellenteilung des St. Wolfganger Wappens.

Altbürgermeister Schwimmer weiß natürlich auch um Sagen und Anekdoten in seiner Gemeinde. Der Heilige Wolfgang soll damals auf dem Weg durch die Ansiedlung an der Goldach, dem heutigen St. Wolfgang, sein Beil geworfen haben. Und dort, wo es landete, entsprang die Wolfgangsquelle, wo dann eine Kapelle errichtet wurde.

Der Heilige soll sein Beil vom Friedberg aus geworfen haben, sagt Schwimmer. In St. Wolfgang sei man sich da heute einig, „dass der heilige Mann dann sicher ein Weltmeister oder Olympiasieger im Hacklweitwerfen gewesen wäre“ – angesichts der Weite vom Friedberg über die Goldach bis zur heutigen Kirche. „Eine G’schicht zur Sage eben“, sagt Schwimmer schmunzelnd.

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