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Für den Zusammenhalt engagieren sich (vorne, v. l.) die Schwestern Theresia, Cida, Pia, Immolata, Catarina, Annunciata (Konvent-Oberin) und Delma mit (hinten, v. l.) Markus Seidl, Markus Kutschker, Stefan Müller, Florian Rachl und Martin Moser von den Maibaumfreunden.

Dorfzauber im Klostergarten

Innere Einkehr und Freude am Leben

  • Anton Renner
    VonAnton Renner
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Ein Dorf, ein Kloster, eine Mission: Zusammenhalt.

Armstorf – Sieben Ordensschwestern vom Konvent der Franziskanerinnen verzaubern mit ihrem Glauben, ihrer Herzlichkeit und Offenheit den 1020-Seelen-Ort Armstorf. Der bisherige Höhepunkt der Gemeinsamkeiten: der Dorfzauber im Klostergarten am 24./25. November. Das ist ein besonderer Hobby- und Künstlermarkt in einer einmaligen Atmosphäre.

Hinter dem Dorfzauber steht ein vorweihnachtlicher Markt, den die Maibaumfreunde Armstorf veranstalten. 130 Mitglieder zählt der 2013 gegründete Verein mittlerweile. Vereinszweck ist die Pflege der bayerischen Tradition und die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Doch was wäre ein Dorf ohne Mittelpunkt? Der Dorfmittelpunkt in Armstorf ist das Kloster. Die Franziskanerinnen betreiben dort ein Bildungshaus für Fortbildungen und Seminare im kirchlichen und weltlichen Bereich. Und die Ordensfrauen haben sich dem Weltlichen auch beim Feiern geöffnet. Die Armstorfer sind froh um ihr Kloster, die Ordensfrauen froh um das herzliche Verhältnis zu den Armstorfern.

Die Beziehung zwischen Kloster und Dorfbewohnern ist historisch gewachsen. Das ehemalige Schloss aus dem Jahr 1622 wurde 1929 von den Franziskanerinnen aus Au am Inn übernommen und diente ab 1943 als Ausweichkrankenhaus von München-Schwabing. Ab 1954 wurde unter eigener Regie ein Kinderkrankenhaus mit Krankenpflegeschule gegründet. Seit 1975 wird das Kloster Armstorf (der Name stammt noch aus der Ritterzeit, als die edlen Ritter hier ansässig waren) als Bildungshaus von den Schwestern geführt.

Als Schwester Annunciata 2010 als Konvent-Oberin nach Armstorf kam, öffnete sich das Kloster noch mehr. Die außergewöhnliche, durch ihre Herzlichkeit vereinnahmende Ordensfrau mag gerne Menschen um sich haben, hält es für den Einklang von Körper, Seele und Geist auch wichtig, zur rechten Zeit gemeinsam das Leben zu feiern. Und so war es nur ein logischer Schritt, dass die Oberin spontan zusagte, als 2013 die Maibaumfreunde bei ihr anfragten, ob die Maibaumfeier im Klosterhof stattfinden könnte.

Der Maibaum hat
viel Gutes bewirkt

„In Armstorf haben wir mit dem Kloster eine Location, die gehört einfach genutzt“, sagt Stefan Müller, Vorsitzender Maibaumfreunde, dazu. „Und dann samma einfach zur Schwester Annunciata ganga und hab’n gefragt, ob das überhaupt denkbar wär. Und sie hat sofort Ja gsagt“, erinnert sich Müller. Und sein Stellvertreter Markus Kutschker gerät richtig ins Schwärmen: „Die Verbindung mit dem Kloster war schon immer gut. Seit dem ersten Maibaumaufstellen sind wir aber richtig zusammengewachsen.“

Den Antrieb, sich für die Gemeinschaft einzubringen, liegt auch im Zuzug begründet. Denn Armstorf ist mittlerweile nach St. Wolfgang der zweitgrößte Ort in der Gemeinde. Mit dem neuen Baugebiet sind viele Zuzügler hierher gekommen. „Einheimische und Zuagroaste kamen sich aber nie wirklich näher“, erzählt Markus Seidl.

Das sei mit dem ersten Maibaumaufstellen anders geworden. „D’ Leid wurden da einfach integriert“, freuen sich die Maibaumfreunde. „Wir haben gesehen, die können was, die wollen was, mit denen kann man was machen“, so Müller. Gemeinsam etwas anzupacken, „das macht auch irgendwie glücklich und stolz“.

Wegweisend sei aber gewesen, das Schwester Annunciata das Kloster geöffnet habe. Auch sie habe gesehen, „dass da Potenzial da ist, die Dorfgemeinschaft zu stärken. Das haben wir mit dem Maibaumaufstellen geschafft. Im Dorf wurden Kräfte geweckt, das kann man gar nicht beschreiben. Jeder ist irgendwie darauf stolz darauf, dass wir das gemeinsam geschafft haben“, freut sich Müller. Mittlerweile gebe es einen „irren Zusammenhalt, jeder will sich einbringen. Das ist ein Gefühl, das kann man gar nicht beschreiben.“

„Das ist ein Stück weit auch ein Zukunftsmodell. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit
ist etwas ganz besonderes.“

Schwester Annunciata, Konvent-Oberin im Kloster Armstorf

Schwester Annunciata hört solche Worte gerne: „Das ist ein Stück weit auch ein Zukunftsmodell. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit ist etwas ganz besonderes“, sagt die Oberin mit strahlenden Augen und einem herzerfrischenden Lächeln. Seit acht Jahren ist die Ordensfrau jetzt in Armstorf, „Ich habe nie gefremdelt, habe immer gespürt, dass das Kloster und die Armstorfer zusammengehören.“

Seither ist das Kloster wirklich zum Mittelpunkt des Dorfes geworden – auch zum spirituellen. Kindergruppen gehen ein und aus, eine Kinderkirche wurde etabliert. Zu hohen christlichen Feiertagen wie Ostern und Weihnachten finden wieder Gottesdienste in der Klosterkirche statt.

„Die Menschen hier akzeptieren, wie wir leben. Wir versuchen, mit den Leuten in der Gemeinde das Gleiche zu leben“, sagt Schwester Annunciata. Viel ist in diese Richtung passiert. „Kinder sagen schon, Mama, gehen wir in meine Kinderkirche. Auch Erstkommunion wird wieder im Kloster gefeiert. Wir sind eine glaubende Gemeinschaft, da wächst etwas Großes.“ Regelmäßig kommt auch Pater Dr. Moses Asaah SVD aus Bonn nach Armstorf. Der Dozent für Dogmatik an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Augustin stammt aus Ghana. Er ist mit den Fanziskanerinnen auf einer Wellenlänge.

Mittlerweile kommen Familien und dem ganzen Umkreis zur Kindermette nach Armstorf, die der Pater „mit einem unglaublichen Spirit“ gestaltet, wie die Maibaumfreunde schwärmen. Dass sich die Franziskanerinnen so dem Weltlichen geöffnet habe, liegt für Annunciata auf der Hand: „Was würden wir machen, wenn wir keine Leute hätten, die mit uns etwas machen wollen?“ Dorfbewohner und Schwestern seien zu einer „Gemeinschaft der Glaubenden“ geworden.

Das Motto des vorweihnachtlichen Marktes, Dorfzauber im Klosterpark, hält Schwester Annunciata für treffend. „Das passt genau, von dem reden wir die ganze Zeit. Es wird plakativ das dargestellt, was die Realität ist.“

Klosterpark wird
zur Erlebnismeile

Auch die Schwestern selbst sind mit einem Stand an der Franziskusklause dabei. Angeboten werden Klosterlikör, Kerzen, selbst gemachte Marmeladen, Kräutersalben, und Tee. Die Ordensfrauen stehen damit auch für die übrigen 28 Stände. Dort bieten Aussteller und Künstler ihre Waren und Basteleien an – etwa adventliche und weihnachtliche Dekorationen aus Holz, Metall und Keramik. Aber auch Schmuck, faire Kleidung und Lebensmittel sowie Weihnachtskrippen.

Zu essen und zu trinken gibt es nur in dem Bereich, den die Maibaumfreunde betreiben. Alles wird frisch zubereitet, nichts kommt aus der Konserve. Eigens für den Markt kreiert wurden Klosterpark-Leiberl (Brot) und ein Dorfzauber. Das ist ein Getränkt aus Orangensaft und Glühwein. Der Klosterpark wird in gedämpftes Licht getaucht, unterstrichen wird die Atmosphäre durch stimmungsvolle Musik. Es gibt auch ein Kinderzelt mit Animateur sowie Kinder-Zwergerl, die punktuell im Klosterpark auftreten.

Dabei sah es Ende September noch so aus, als wenn der Dorfzauber gar nicht starten könnte. Nur ganze fünf Interessenten für die Stände gab es damals. Die Ursache dafür liegt auf der Hand: „Unser Anspruch war: Wir wollen nicht durch lauter Essens- und Getränkestände zur Fress- und Trinkmeile werden. Wir wollten einen Hobby- und Künstlermarkt“, berichtet Kutschker. Doch viele Armstorfer hätten immer wieder motiviert, „macht’s doch die Veranstaltung“. Und manche Bürger hätten sogar selbst Ausschau nach geeigneten Standbetreiber gehalten. „Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Einigen Bewerbern musste schon abgesagt werden, weil es nicht mehr Marktbuden gibt“, sagt Vereinschef Müller.

Wer von den Besuchern will, kann sich beim Dorfzauber auch spirituell inspirieren lassen und den Franziskusweg im Kloster gehen. Ob jemand dieses Angebot annimmt oder nicht, „ist jedem seine Sache“, sagt Schwester Annunciata. Für sie gilt der franziskanische Grundsatz: „Wenn dich jemand fragt, dann gib Zeugnis von deiner Hoffnung.“


Dorfzauber im Klosterpark

Der vorweihnachtliche Markt in Armstorf findet am Wochenende, 24./25. November, von 15 bis 21 Uhr im Garten des Bildungshauses der Franziskanerinnen statt.

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