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Mahnende Worte in geselligem Rahmen: Bürgermeister Ullrich Gaigl sprach beim Neujahrsempfang in St. Wolfgang.

Neujahrsempfang

„Jeder kann für eine bessere Welt sorgen“

Beim Neujahrsempfang in der Goldachhalle haben sich St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl und Pfarrer Michael Henger bei den Ehrenamtlichen der Gemeinde bedankt. Gaigl wünschte sich, dass die Bürger wieder mehr Zufriedenheit in den kleinen, einfachen Dingen und der Gemeinsamkeit finden.

VON ANNE HUBER

St. Wolfgang –Als Beispiel diente ihm die Kritik am diesjährigen Christbaum, der vielen Bürgern zu klein geraten war. „Sind das die einzigen Probleme, die wir haben? Kann man nicht einfach sagen: ,Ein schöner Christbaum‘?“, fragte er.

Statt Maßlosigkeit und Rücksichtslosigkeit plädierte er für mehr Verantwortung: „Jeder kann für eine bessere Welt sorgen.“ Nicht nur der Egoismus in der Gesellschaft mache ihm Sorgen. Kriege und Naturkatastrophen, Menschen auf der Flucht, der wachsende Nationalismus seien neben Dieselskandal und dem Wetter mit heißen und trockenen Sommern Themen, die ihn beunruhigten. Ganz besonders beängstigend habe er die riesigen Plastikteppiche in den Ozeanen empfunden, sagte er.

Statt mehr Konsum und dadurch mehr Müll plädierte er dafür, die „Fülle des Lebens“ im persönlichen Bereich, in Gesundheit, Freundschaft und persönlicher Zufriedenheit zu suchen. „Möge die Fülle des Lebens nicht in schneller, höher, weiter, sondern in der Einfachheit, in der Gemeinsamkeit bestehen“, wünschte er sich.

Den Ehrenamtlichen in Kommune und Pfarrgemeinde dankte Gaigl besonders für ihren Mut, Entscheidungen zu treffen. „Halten wir weiter zamm, dann is ma net bang“, schloss er.

Pfarrerin Ruth Nun knüpfte in ihrer Begrüßung an Gaigls Kritik an übertriebenem Fortschritt an. Christus sei klein auf die Welt gekommen, sagte sie. Glaube heiße für sie deshalb auch, die Liebe für das Kleine ganz groß zu machen. Am Beispiel der biblischen Jahreslosung „Suche Frieden und jage ihm nach“ ging die evangelische Pfarrerin auf den Wert des Friedens ein. „Es ist nicht selbstverständlich, dass bei uns Frieden herrscht“, gab sie 74 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu bedenken.

Pfarrer Henger wollte das „Nachjagen“ in der ökumenischen Jahreslosung durch ein „Nachahmen“ ersetzt wissen. „Ahme ihn nach, denjenigen, den wir gefeiert haben und der mitten unter uns lebt“, sagte er. Erst wenn wir Christus zu uns selbst machten, werde jeder Mensch einem Bruder und Schwester, sagte der Pfarrverbandsleiter.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende Heidi Kern nutzte den Empfang, um auf die bevorstehenden Veränderungen im Pfarrverband hinzuweisen. Auch wenn der künftige Verwaltungsverbund von vielen skeptisch gesehen werde, berge er viele Chancen. „Es kann nicht die Aufgabe des Pfarrers sein, dass er verwaltet, verwaltet, verwaltet“, sagte sie. Durch den Verbund könne er sich wieder verstärkt seelsorgerischen Aufgaben widmen. „Es ist durchaus eine Sache, die keine Krise heraufbeschwören muss“, bewertete sie die Neuerung. Noch sei die Stelle allerdings nicht vom Ordinariat ausgeschrieben, berichtete Kern.

Für Landrat Martin Bayerstorfer ist der St. Wolfganger Neujahrsempfang etwas ganz Besonderes. Nicht nur, dass die Gäste bereits an der Tür von den Kaminkehrern Roswitha Hörl und Peter Bauer empfangen werden. Als Alleinstellungsmerkmal begeisterte sich der Landrat über den jahrzehntelangen Brauch der Kommune. Auch die musikalische Unterhaltung durch die St. Wolfganger Blaskapelle, die Bewirtung durch die Landjugend und der Segen der Sternsinger nötigten ihm Respekt ab. „Wenn sich so viele so hervorragend engagieren und mit Leidenschaft dabei sind, können wir uns jedes politischen Themas annehmen und werden auch eine Antwort finden“, sagte Bayerstorfer.

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