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NEUJAHRSEMPFANg

„Kirche soll aufbauen, nicht verurteilen“

Den „mangelnden Sinn für das Gemeinwesen“ hat Pfarrgemeinderatsvorsitzender Franz Lohmaier beim Neujahrsempfang beklagt. Die eigene Kirche forderte er auf, „nicht mehr zu verurteilen, sondern aufzubauen.

Von Hermann Weingartner

St. Wolfgang – Guter Brauch ist es beim Neujahrsempfang der Gemeinde St. Wolfgang, dass sich auch Kirchenvertreter äußern. Wie schon Bürgermeister Ullrich Gaigl (wir berichteten) stellten auch Kirchenvertreter vor allem das Miteinander als Jahreslosung ins Zentrum.

Der Pfarrgemeinderatsvorsitzende Franz Lohmaier fand deutliche Worte zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Er beschrieb, dass viel geredet und diskutiert werde über Gemeinschaft, Vertrauen und die Einhaltung christlicher Werte. Derweil wolle sich etwa Katalonien von Spanien lösen, Gemeinschaften brächen auseinander und Deutschland habe gewählt, aber noch keine Regierung, weil jeder befürchte, der Andere könnte mehr haben „und ich muss meinen Kopf durchsetzen“. „Ich vermisse den Sinn für das Gemeinwesen“, betonte Lohmaier. Das vermisse er in der Kirche, aber besonders in der Politik. Lohmaier fragte: „Wo sind die Politiker geblieben, die noch wissen, dass wir zusammenhalten müssen?“.

Viele Menschen verlören das Vertrauen in die Politik, „was uns allen nicht guttut“. Vieles werde angeprangert, Klimaschutz, Flächenfraß, Ressourcen schonen. Aber Politik und Wirtschaft würden unglaubwürdig, wie durch den VW-Abgasskandal oder den Verpackungswahnsinn. Und jetzt sei schon wieder die 3. Startbahn am Flughafen im Gespräch. Diskutiert werde auch, wie weit sich Kirche in Politik einmischen dürfe, sagte Lohmaier. Viele Menschen wüssten aber vielleicht nicht mehr, „wo Werte in der Gesellschaft herkommen – von der christlichen geprägte Kultur, es geht um Sozialstaat und das Miteinander“.

Zu denken gibt Lohmaier, dass 58 Prozent der Abgeordneten im Bundestag ohne Konfession seien. „Wie soll ein Angeordneter christliche Werte vertreten, wenn er sie nicht kennt?“, stellte der Pfarrgemeinderatsvorsitzende die Frage in den Raum.

Zur kirchlichen Seite räumte Lohmaier ein, dass der Kirchgang zurückgehe. Wichtiger sei aber, wie die Menschen miteinander umgingen und wie sie zusammenlebten. „Wenn’s drauf an kommt, sind Leute da in der Gemeinde“, stellte Lohmaier fest. Seine Meinung: „In der Kirche dürfen wir nicht mehr verurteilen, sondern aufbauen. Es steht uns nicht zu, jemand auszuschließen, nur weil die Ehe nicht geklappt hat.“

St. Wolfgang verändere sich durch hohen Zuzug, sagte der Pfarrgemeinderatsvorsitzende. Viele davon gehörten nicht mehr der Kirche an. Diese Tatsache müsse man annehmen. Diese Menschen würden nicht ausgeschlossen. Die Kirchengemeinschaft müsse lernen, damit zurechtzukommen. Lohmaier: „Das wünsche ich uns und den guten Geist“ in Politik, Wirtschaft, Kirche und vor Ort. Daran müssen wir arbeiten, Jeder ist gefordert.“

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