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Die Zahl der Legehennen wird wachsen: Christine Huber und Michael Brandlhuber bieten Bio-Eier in der Direktvermarktung an.

26-Jährige ist Hauswirtschaftsmeisterin

Mit Ehrgeiz und Liebe zu Lebensmitteln

Christine Huber ist frischgebackene Hauswirtschaftsmeisterin. Für ihre Meisterarbeit hat sie sich intensiv mit der Herstellung und Vermarktung von Bio-Eiern und Bio-Dinkel befasst.

VON HENRY DINGER

St. Wolfgang/IsenAuf diesem Gebiet hat sie noch einiges vor. „Es ist gut, dass ich vorher nicht gewusst habe, was auf mich zukommt“, sagt die 26-Jährige lachend und zeigt auf ihre Meisterarbeit. Erst seit wenigen Wochen hat sie den Abschluss in der Tasche.

Eineinhalb Jahre fleißiger Arbeit liegen hinter ihr. Die Isenerin ist eine von bayernweit 93 neuen Meisterinnen der Hauswirtschaft, die im Oktober ihre Meisterbriefe entgegennehmen konnten. „Ich wollte schon immer etwas mit Lebensmitteln machen und immer auch was Praktisches tun“, erzählt sie.

Die Begeisterung dafür wurde ihr bereits in die Wiege gelegt, denn die Eltern der jungen Frau betreiben eine Milchviehwirtschaft in Höselsthal bei Isen. Dort wuchs sie zusammen mit ihrer ein Jahr jüngeren Schwester Anita auf. Gelernt hat sie nach dem Qualifizierenden Hauptschulabschluss zunächst einmal Köchin. Das war beim Bruckwirt in Isen. In der Zeit hat die junge Frau auch die Mittlere Reife abgelegt.

„Ich war dann noch ein Jahr lang Gesellin, bis es einen Betreiberwechsel gab und mich die neue Wirtin gefragt hat, ob ich die Küchenleitung übernehmen würde.“ Das war eine große Herausforderung, aber auch eine große Chance. Eineinhalb Jahre lang hat sie die Aufgabe gemeistert. „Es war eine tolle Erfahrung. Auch wenn es nicht immer einfach war.“

Doch die junge Frau hatte auch noch andere Interessen als nur einen guten Job in der Gastronomie, in dem dann gearbeitet wird, wenn sich andere mit Freunden treffen oder ausgehen. Also wechselte sie in die Metzgerei Gantner nach Markt Schwaben, wo ihr Wissen und Können schnell in Küche, Verkauf und beim Partyservice geschätzt waren. Außerdem heuerte sie als Aushilfe im Gasthaus Hacklthal bei Kirchdorf an, „denn ganz ohne Gastronomie ging es auch nicht“, sagt sie schmunzelnd.

„Nach drei Jahren Metzgerei hat mir aber immer noch irgendwie das i-Tüpfelchen gefehlt“, so Huber. Also bewarb sie sich an der Meisterschule in Rosenheim und kam dort in den ersten Studiengang, in dem eineinhalb Jahre lang berufsbegleitend ausgebildet wurde. „Ich wollte einen Abschluss als Hauswirtschaftsmeisterin haben“, erzählt Huber. Damit steht ihr die Arbeitswelt weit offen, Stellen gibt es beispielsweise in leitenden Funktionen in Hotels, Krankenhäusern oder Seniorenheimen.

„Die Ausbildung ist sehr umfassend, zu hauswirtschaftlichen Tätigkeiten wie Kochen, Waschen, Reinigung und selbst Gartengestaltung und -pflege kommen betriebswirtschaftliche Themen“, beschreibt die Meisterin ihr Fachgebiet. Außerdem absolvierte sie die Ausbildereignungsprüfung.

Die Zeit im eine Autostunde entfernten Rosenheim war kein Zuckerschlecken: Unterricht war donnerstags von 16 bis 22 Uhr, am Freitag ganztags und an jedem zweiten Samstag im Monat. Von Montag bis Donnerstag arbeitete Christine weiter in der Metzgerei und half sonntags, wenn Not an der Frau war, im Gasthof aus. Für ihren geliebten Freizeitspaß wie Wandern oder Radfahren blieb da wenig Zeit.

Geduldig sein musste auch ihr Freund Michael Brandlhuber. Die beiden sind seit sieben Jahren zusammen und bauen im Moment an ihrem gemeinsamen Haus auf dem elterlichen Hof des jungen Mannes bei St. Wolfgang. Auf diesem Hof kam Christine auch auf das Thema ihrer Meisterarbeit: „Hofeigene Eier und Dinkel verarbeiten und verkaufen“.

„Der Hof ist ein Demeter-Betrieb, der Roggen und Dinkel anbaut. Uns kam die Idee, dazu Legehennen nach Demeter-Richtlinien im Freiland zu halten. So kann ich beispielsweise aus Eiern und Dinkel Produkte wie Nudeln, Kekse und vielleicht auch Spätzle selbst entwickeln, herstellen und vertreiben“, berichtet Huber. Alles unter dem Slogan: „Wos Guad‘s vom Land – aus eigener Hand“. Für ihre Meisterarbeit musste sie das ganze Szenario durchspielen. Also wurden ein Hühnerstall gebaut und später Rezepte entwickelt und getestet. Eine Nachbarin half bei der Herstellung mit einer professionellen Produktionsküche. Hinzu kam eine Marktanalyse, die Erarbeitung eine Marketingkonzepts und schließlich auch der Verkauf mit eigenem Stand auf Märkten in Isen und St. Wolfgang sowie im Dorfladen in Oberornau.

Sie kann sich gut vorstellen, das eines Tages zum Broterwerb zu machen – zusammen mit der Direktvermarktung von Bio-Eiern. „In unserem künftigen Haus ist der Platz für eine Produktionsküche schon freigehalten“, so die 26-jährige. Bis dahin wird noch einige Zeit vergehen.

Gerade erst hat Huber eine Stelle als Hauswirtschaftsmeisterin in einem größeren, gehobenen Privathaushalt angetreten und jobbt weiter im Gasthof.

Bleibt da noch Zeit für Hobbys? „Oh ja!“, sagt die Isenerin verschmitzt. Einmal in der Woche geht’s zum Sportln. Und natürlich „mit den Mädels was unternehmen“. Dass Freundschaften in der Prioritätenliste oben stehen, zeigt sich auch in der Vorweihnachtsplanung: „Ich mache heuer wieder mit meiner Freundin einen Stand auf dem Lengdorfer Christkindlmarkt mit Kaiserschmarrn.“

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