Die Viertklässler der Grundschule St. Wolfgang begrüßten Bundestagskandidatin Birgit Obermaier, den Landtagsabgeordneten Benno Zierer und Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern (v. l.).
+
Die Viertklässler der Grundschule St. Wolfgang begrüßten Bundestagskandidatin Birgit Obermaier, den Landtagsabgeordneten Benno Zierer und Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern (v. l.). Unisono wünschen sich die Schüler „gute Lehrer und vor allem neue Freunde.“ Für Piazolo der Beweis: „Schule ist ein sozialer Raum.“

Wie der konkret aussehen soll, ist aber noch unklar – Lüften, testen, Masken

Kultusminister Piazolo setzt auf Präsenzunterricht

Um den Unterricht in Corona-Zeiten drehte sich ein Wahlkampftermin der Freien Wähler in St. Wolfgang. Kultusminister Michael Piazolo war zu Gast und erklärte, er setze im kommenden Schuljahr auf Präsenzunterricht. Doch wie der konkret aussehen soll, das ließ der Politiker offen.

St. Wolfgang –Wegen der zehnjährigen Sophie Fellermaier und ihrem Bruder Paul (11) fuhr Kultusminister Michael Piazolo (FW) extra nach St. Wolfgang. Die Geschwister hatten ihm einen Brief geschrieben. Ihr Wunsch: „Alle Schüler sollen das diesjährige Schuljahr wiederholen.“ Birgit Obermaier, die die beiden Kinder schon lange kennt, war am Freitag bei der Veranstaltung im Gasthaus zum Schex im Wahlkampfmodus: Schließlich habe sie selbst drei Kinder und wisse, wie schwierig die Corona-Zeit für viele Eltern war, sagte die Bundestagskandidatin für die Freien Wähler im Wahlkreis Erding-Ebersberg.

Piazolo stellte sich bei dem Termin den Fragen der Zuhörer, darunter zahlreiche Schulleiter und Lehrer aus dem Landkreis sowie Erdings Schulamtsdirektorin Marion Bauer.

Für Paul Fellermaier war der Wechsel in die Realschule nicht einfach. „Es ging alles so schnell, der Stoff war geballt – wir haben wenig gelernt, konnten auch unsere Noten nicht verbessern“, sagte der Bub aus St. Wolfgang. Homeschooling fand auch seine Schwester Sophie „eher schwierig“. Sie wünschte sich – so wie alle anderen Schüler, die vor Ort den Staatsminister begrüßten – „gute Lehrer und viele neue Freunde“, jetzt, wo bald der Wechsel auf die weiterführende Schule anstehe.

Bundestagskandidatin Obermaier berichtete von ihren eigenen Erfahrungen: „Der Anfang der Pandemie war chaotisch, drei Tage waren wir alle überfordert – doch der Klassenlehrer hatte alles gut organisiert“, lobte sie. Die Pastettenerin hat ein Hörspielstudio, habe deshalb auch viel Kontakt zu anderen Eltern. „Bei uns auf dem Land war es noch einigermaßen okay“, sagte die Journalistin. „In der Stadt aber, wo Eltern oft mit zwei Kindern in einer kleinen Wohnung leben, da war es schon der Wahnsinn, was sie leisten mussten – und natürlich auch die Lehrer und Erzieher.“ Es war „ein Jahr zum Vergessen“, zitierte sie die Fellermaier-Kinder.

„Auch das nächste Schuljahr wird nicht einfach werden“, ergänzte Piazolo. Der Bayerische Kultusminister setzt im kommenden Schuljahr auf Präsenzunterricht – doch wie der konkret aussieht, ist weiter unklar. Es sei „das Ziel und der Wille“, Präsenzunterricht sei eine „Verpflichtung gegenüber den Schülern und eine pädagogische Notwendigkeit“, meinte der FW-Politiker. Denn Schule sei mehr als Unterricht: „Schule ist ein sozialer Raum.“

Kultusminister Piazolo: „Wir wissen nicht, was das blöde Corona noch anstellt“

Der eine oder andere Schüler sei während der Pandemie gut zurecht gekommen, viele Mädchen und Buben aber hätten Defizite. Die Schule sei ein System, das auf Planungssicherheit basiere, so Piazolo: „Wir wissen nicht, was das blöde Corona noch anstellt.“

Dorfens 3. Bürgermeister Sven Krage moderierte die Veranstaltung. Der ÜWG-Stadtrat propagierte, man müsse aus der Krise lernen. Eine Frage lautete deshalb, ob es Chancen gebe, gravierende Defizite am Lehrplan zu ändern. Darauf gab Piazolo keine konkrete Antwort, sprach stattdessen von „Wertevermittlung, Kompetenzen und Persönlichkeitsentwicklung“, die durch den Krisenmodus gefördert würden.

Ludger Kroner aus Kirchseeon sagte, bei seinen großen Kinder, die an der Uni seien, liefen digitale Veranstaltungen sehr gut, an den öffentlichen Schulen fehle indes der Glasfaseranschluss – auch heute noch, knapp eineinhalb Jahre seit Beginn der Pandemie. Hier räumte Piazolo ein, dass „andere Länder deutlich weiter“ seien. „Und eigentlich hätten wir schon Anfang 2000 mit der Digitalisierung im Unterricht anfangen können.“ Doch die Politik habe zu Beginn der Krise nicht nur Wlan im Blick gehabt: „Ein Staat wie China hat es da leichter, wir haben hier Zuständigkeiten.“

Personallage an den Schulen: „Lehrer wachsen nicht auf den Bäumen“

Die Personallage an den Schulen sieht der Minister positiv. Bayern stelle effektiv neue Lehrer ein, es gebe heute 18 000 Vollzeit-Lehrerstellen mehr als noch vor zehn Jahren – insgesamt 155 000 Köpfe und „so viele Lehrer wie nie“. Das Zahlenverhältnis zwischen Pädagogen und Schülern sei von 16,5 auf 14,3 gesunken. Freilich räumte er ein, dass es an Grund-, Mittel- und Förderschulen „weniger Lehrer als Stellen“ gebe. Zudem würden „Lehrer nicht auf den Bäumen“ wachsen. Auch werde es weiterhin Team-Lehrkräfte geben. Diese sollen den Präsenzunterricht einer Stammlehrkraft übernehmen, die das coronabedingt nicht kann. Markus Höß, Direktor des Dorfener Gymnasiums, freute sich über diese Nachricht: „Wir haben aktuell drei schwangere Kolleginnen“, sagte er.

Dr. Susanne Gerster aus Reithofen gehörte zu den ersten Ärzten im Landkreis, die gegen das Corona-Virus impften. Die Medizinerin wollte nun wissen, ob künftig auch an den Schulen geimpft werde. Das sah Piazolo kritisch. Für das neue Schuljahr kündigte der Kultusminister aber ein „eng geknüpftes Sicherheitsnetz“ an den Schulen an. Es gelte die Devise: Lüften, testen, Masken.

Michaele Heske

Auch interessant

Kommentare