In den ehrwürdigen Kreis lustiger Ortsnamen aufgenommen hat Klaus Beer, Betreiber des Fernweh-Parks, das Schild von Pumpernudel.
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In den ehrwürdigen Kreis lustiger Ortsnamen aufgenommen hat Klaus Beer, Betreiber des Fernweh-Parks, das Schild von Pumpernudel.

Schild im Fernweh-Park

„Pumpernudel“ kommt groß raus

Das Hinweisschild auf den Weiler in der Gemeinde St. Wolfgang ist ein passender Neuzugang im Fernweh-Park. Dort hängt das Taferl zwischen „Pups“ und „Katzenhirn“.

St. Wolfgang/Oberkotzau – Kennen Sie Pumpernudel? Das ist ein kleiner Weiler mit zwei Höfen und zwei Familien im Gemeindegebiet St. Wolfgang. Wenn die Bewohner ihre Adresse angeben, werden sie mit großen Augen angesehen oder belächelt, wie sie erzählen. Nun ist das Ortstaferl auch in der oberfränkischen Touristenattraktion „Fernweh-Park“ in Oberkotzau vertreten. Der Initiator des „Fernwehparks“ ist Klaus Beer; ihm geht es darum, dass Schilder aus aller Welt Menschen aller Welt zusammenbringen. Der Park sei ein Zeichen für Frieden und Zusammengehörigkeit.

„Pumpernudel“ ist in guter Gesellschaft neben „Hundeluft“, „Lederhose“, „Katzenhirn“, „Wassersuppe“, „Grüner Esel“, „Ochsenschenkel“ oder auch „Deppenhausen“, „Blödesheim“ und „Ostereistedt“. „Das gfreit mi, dass das da so gut hinpasst, darum hab ich es gespendet“, sagt St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl im Gespräch mit der Heimatzeitung. Sobald es die Pandemie erlaube, wolle er einen Gemeindeausflug zum Fernweh-Park auf die Beine stellen.

Gaigl ist begeistert von dem Völker verbindenden Friedensprojekt und der Möglichkeit, dass seine Gemeinde mit dem Namen „Pumpernudel“ in der Themenstraße der dort involvierten „lustigen und kuriosen Ortsnamen“ vertreten ist. Woher der Name „Pumpernudel“ kommt, ist nicht eindeutig zu klären. Immerhin gibt die Ortschronik von St. Wolfgang einen Hinweis darüber, wie der Name entstanden sein könnte: Ein Bauer namens Ludwig Pumper, der von 1566 bis 1600 dort lebte, könnte der Namenspatron gewesen sein, so eine der Theorien.

In einem Vortrag über das antike römische Straßennetz in der Region, das in großem Stil gebaut wurde, erwähnte der Dorfener Dr. Emil Rudolf sen. vor etlichen Jahren, dass sich der Name „Pumpernudel“ aus „Pumpe“ und „Nude“ (nackt) zusammensetzt.

Eine ähnliche Theorie vertrat der inzwischen verstorbene Heimatforscher Karl Engelmann vom Historischen Kreis Dorfen. Eine mögliche Erklärung dazu: Die Römer, die den Wehrdienst verweigert hatten, mussten zur Strafe spärlich bekleidet im Straßenbau arbeiten. Vermutlich hatten die halbnackerten Bauarbeiter damals in Pumpernudel kampiert und dem Fleckchen Erde damit seinen Namen gegeben.

Eine andere Theorie hat Franz Streibl vom Historischen Kreis, der sagt, in der Gegend seien keine Reste von Römerstraßen gefunden worden. Er vermutet, der Ursprung des Namens „Pumpernudel“ liegt im 16. Jahrhundert. Da habe der Ort „Pumperlürl“ geheißen. Das gehe zurück auf den Begriff „pumper“, was so viel bedeute wie klein, dick und ungeschickt. Und „Lürl“ sei eine Abkürzung für „Ludwig“. Womit sich der Hinweis in der Ortschronik von St. Wolfgang gut in Verbindung bringen lässt. Mit der Zeit wurde aus „Pumperlürl“ also „Pumpernudel“.

Die heutigen Pumpernudler haben sogar einen kleinen Song geschrieben, über den lustigen Namen, der ihrem Zuhause einen ganz besonderen Anstrich gibt. Interessanterweise gibt es noch ein „Pumpernudl“ im Landkreis Freising, das zur Gemeinde Rudelzhausen gehört. Davon hat sich ein kleiner Münchner Zirkus inspirieren lassen und sich danach benannt.

Touristen, die den Fernweh-Park besuchen, lachen beim Anblick der 150 ungewöhnlichen Ortsnamen, die Beer inzwischen zusammengetragen hat. Besonders die „schlüpfrige Ecke“ mit Hinweistafeln auf „Tittenkofen“, „Pups“, „Pissen“, „Jucken“ und „Krätze“ sind der Renner. Es gibt auch „Bierkeller“ und „Kneipe“ oder gediegene „Kaffeekanne“ und „Kuchen“.

Neben der langen Wand aus gelben Ortstafeln stechen auch Weiße mit blauem Rand hervor. Diese stammen aus Österreich und tragen Namen wie „Kirchschlag in der Buckligen Welt“, „Hühnergeschrei“ und „Fucking“, das kürzlich in „Fugging“ umgetauft wurde – weil es so oft entwendet wurde. Eine weitere Wand vereinigt touristische Schilder aus aller Welt. Und es gibt unter anderem Hand signierte Star-Tafeln wie am „Hollywood Walk of Fame“.

Der Fernweh-Park

wurde bewusst am 9. November 1999 in Hof errichtet, zehn Jahre nach dem Fall der Mauer. Laut Initiator Klaus Beer wollte er ein Zeichen für grenzenlose Freiheit und Völkerverständigung setzen. Im Jahr 2017 zog das Projekt nach Oberkotzau bei Hof und wurde dort größer neu installiert. Der Fernweh-Park ist unter Beachtung der Coronavorschriften rund um die Uhr zu besichtigen. Der Eintritt ist frei.

ANDREA KLEIMM

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