Erstellung einer Starkregenkarte

St. Wolfgang auf Hochwasser vorbereitet

Der Freistaat Bayern denkt um bei der Förderung von Hochwasserschutzmaßnahmen. Es soll künftig nicht mehr nur in Hochwasserschutz an Gewässern investiert werden, sondern auch in Projekte die sich direkt mit Starkregenereignissen befassen.

St. Wolfgang – Die Gemeinde St. Wolfgang gehört zu den ersten Kommunen über den Landkreis hinaus, die sich für die Erstellung einer Starkregengefahrenkarte entschlossen hat, als Reaktion auf die neue Bedrohung fernab von Gewässern durch unwetterartige Regenfälle. 2016 kam es nach extremen Regengüssen im Gebiet der Goldach-Gemeinde wiederholt zu Überflutungsschäden fern von Goldach, Rimbach, Ornauer Bach und Lappach. Bereits im Januar hatte der Gemeinderat die auf Überflutungsgefahren spezialisierte Ingenieurgemeinschaft Helmprecht/Spekter mit der Projektvorbereitung zur Erstellung einer Starkregengefahrenkarte beauftragt (wir berichteten).

Geschäftsführer Peter Helmprecht und sein Partner Reinhard Bodrecht stellten jetzt die Ergebnisse im Gemeinderat vor. Darin ist die weitere Vorgehensweise in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt (WWA) München definiert und die Förderbedingungen wurden geklärt. Ebenso wurde eine Liste erstellt mit den weiteren Bearbeitungen der erforderlichen Grundlagen.

Als „erfreuliches Ergebnis“ wurde gesehen, dass nach schriftlicher Bestätigung des WWA die Leistungen der Simulationsberechnungen mit Ermittlung der Überflutungsgebiete und Gefährdungsbetrachtungen einschließlich der erforderlichen Vermessungsleistungen mit 75 Prozent gefördert werden. „Die Förderzusage liegt vor“, sagte Bürgermeister Ullrich Gaigl (FW). Bodrecht bezifferte die Gesamtkosten des Projekts auf rund 140 000 Euro, die Gemeinde müsse also mit etwa 35 000 Euro rechnen.

Bei Starkregen „kann es jeden treffen“, warnte Bodrecht. Neue Hochwasserschutzmaßnahmen können zu neuen Betroffenheiten führen, etwa beim Nachbarn oder Unterlieger der Fließgewässer, ergänzte Helmprecht. Es sei daher wichtig, Maßnahmen immer im größeren Zusammenhang zu sehen und zu planen. Verschiedene Situationen könne man mit der fertigen Gefahrenkarte dann simulieren, entsprechend reagieren und planen. Das können bauliche Maßnahmen sein, wofür man die Zustimmung der Grundstückseigentümer brauche. Zumindest aber könne man bei drohenden Gefahren sehr genau in betroffenen Bereichen die Leute warnen oder die Feuerwehr frühzeitig alarmieren.

Anton Daumoser (WG Gatterberg – Schönbrunn) sprach sich gegen das Projekt aus, weil eine Starkregengefahrenkarte für das komplette Gemeindegebiet „nicht nötig“ sei. In einigen Bereichen gebe es gar keine Bebauung. Die Grundstücksbesitzer könnten sich auch selber gut schützen. Und „90 Prozent der Probleme“ seien ohnehin hausgemacht. Die Genehmigungsbehörde im Landratsamt habe „die letzten Jahre große Fehler gemacht“, weil sie verlangt habe, dass die Häuser „in den Dreck neibaut“ werden müssen. Weil es in den Siedlungen auch an Hängen immer öfter zu Überschwemmungen komme, müsse im Landratsamt „ein Umdenken“ stattfinden und die Häuser weiter aus dem Boden raus gebaut baut werden.

Josef Göschl (FW Armstorf) warnte: Wenn sich jeder selbst irgendwie schütze, erwische es vielleicht plötzlich den Nachbarn. Michael Schrägle (FW) schlug vor, betroffene Bürger sollten sich selbst schützen bei Maßnahmen bis etwa 20 Zentimeter. Darüber hinaus müsse es staatliche Lösungen geben. Franz Seidl (CSU) wollte wissen, ob sich aus der Gefahrenkarte dann Verpflichtungen für die Gemeinde zu Schutzmaßnahmen ergeben. „Nein“ sagte Gaigl, aber man kann „informieren“. Der Bürgermeister sprach sich klar für das Projekt aus, weil es künftig eine gute Entscheidungsgrundlage sei, ob man an bestimmten Stellen etwas machen müsse, was das Richtige sei oder wie man „Notwasserwege“ anlegen könne. Künftig könne die Karte auch bei neuen Bauleitverfahren als Grundlage dienen, um an kritischen Stellen entsprechend zu planen.

Beschlossen wurde gegen die Stimmen von Daumoser und Anton Schneider (CSU), das Projekt umzusetzen. Ein Förderantrag wird gestellt.

Hermann Weingartner

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