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Baugebiet Straßberg: Eine wasserdichte Planung

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August-Hochwasser in St. Wolfgang (hinten): Kurz vor dem Ortsbereich Straßberg (l.) hatte sich die Goldach großflächig aufgestaut.
August-Hochwasser in St. Wolfgang (hinten): Kurz vor dem Ortsbereich Straßberg (l.) hatte sich die Goldach großflächig aufgestaut. © Hermann Weingartner

Nach dem Hochwasser im August vergangenen Jahres hat der Gemeinderat St. Wolfgang die Planungen zu seinem Baugebiet Straßberg angepasst. Es gibt ein Rückhaltebecken. Die Bushaltestellen wurden gestrichen.

St. Wolfgang – „Wir bauen nichts, was dann unter Wasser steht“, beteuerte Manuel Kühn, der Projektverantwortliche für das Baugebiet Straßberg, Gemeinde St. Wolfgang, in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch. Das Hochwasser im Spätsommer vergangenen Jahres hatte unerwartet eine neue Situation für das Bauleitverfahren „Straßberg“ am südöstlichen Ortsrand geschaffen. Denn auch die Goldach war über die Ufer getreten, teils so großflächig wie noch nie. Eine Prüfung wurde deshalb nötig, hatten die Räte im September beschlossen. Die neuen Anforderungen wurden nun in den Bebauungsplan eingearbeitet und vorgestellt.

„Die Thematik wird dahingehend gelöst, dass das Baugebiet im nördlichen Bereich durch ein neu zu errichtendes Rückhaltebecken abgeschlossen ist“, erklärte Kühn. „Dadurch kann das durch zusätzliche Versiegelung abzuleitende Oberflächenwasser analog sämtlicher anderer Baugebiete zurückgehalten und langsam der Goldach zugeleitet werden.“ Die Zufahrt zur Tiefgarage werde in einer Höhe hergestellt, sodass ein Zulauf bei Hochwasser unmöglich sei. „Die Keller sind wasserdicht herzustellen.“

Kühn betonte nochmals, dass es sich bei der Überschwemmung im August 2021 um ein „Hochwasser“ gehandelt habe, nicht etwa um ein Starkregenereignis: „Da muss man differenzieren.“

Wichtig war den Gemeinderäten vor allem, dass die neue Planung dem Wasserwirtschaftsamt vorgelegt wird. „Wenn wir wissen, dass etwas passiert ist, müssen wir uns absichern – das Wasserwirtschaftsamt muss den Sachverhalt kennen“, sagte Müller von der Wählergemeinschaft Armstorf (WGA). Schließlich könne eine solche Lage in drei, vier Jahren wieder passieren: „Wir wollen uns diesen Schuh nicht anziehen, der ist zu groß.“

Markus Eberl, Wählergemeinschaft „Entwicklung Gemeinsam“ ergänzte: „Wenn doch was sein sollte, ist die Gemeinde aus dem Schneider.“ Dem Antrag auf eine Vorlage beim Wasserwirtschaftsamt stimmte der Gemeinderat geschlossen zu.

Zudem soll es auch keine zwei Bushaltestellen mehr in der vom Bauträger vorgesehenen Planung geben. Der Grund, erklärte Kühn: Die Gemeinde beabsichtigt einen langersehnten Gehweg entlang der B 15 als Lückenschluss. Nach deren Fertigstellung seien die Bushaltestellen im Norden (500 Meter) und Süden (300 Meter) fußläufig sicher erreichbar.

Schulbushaltestellen in Straßberg seien daher nicht nötig, zudem bestehe ein Beförderungsanspruch erst bei einem Schulweg von mehr als zwei Kilometern. Die Bushaltestellen würden außerdem eine unnötige finanzielle Belastung nach sich ziehen.

Ein Hochwasser in dem Ausmaß des vergangenen Sommers kann durchaus als mittlere Katastrophenlage bewertet werden. Um die Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall ging es in einem weiteren Tagesordnungspunkt. Zur Verbesserung der Infrastruktur gibt es derzeit die Möglichkeit, entsprechende Sirenen zu installieren, durch die auch die Bevölkerung vor Katastrophen mit Sprachdurchsagen gewarnt werden kann. „Hierfür gibt es ein Sonderförderprogramm des Bundes“, berichtete Verwaltungsleiter Christian Miksch.

„Förderprogramm, das hört sich zwar immer gut an, aber ist es nötig?“, fragte Vizebürgermeister Konrad Bernhard. Die Gemeinde verfüge nämlich schon über sieben Sirenen, die der Feueralarmierung dienen. Für die Sprachdurchsagen müssten die Sirenen in St. Wolfgang und Lappach umgerüstet werden, in den Ortsteilen Armstorf und Schönbrunn neue Standorte gefunden werden. Der Gemeinderat entschied einstimmig, von Plänen der Aufrüstung mit weiteren Sirenen „vorerst Abstand“ zu nehmen. Das Sonderförderprogramm läuft indes noch bis Ende 2023. „Schauen wir mal, wie sich das alles noch weiterentwickelt“, sagte Beatrix Contardo, von der WG Armstorf.

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