1. Startseite
  2. Lokales
  3. Erding
  4. Sankt Wolfgang (Oberbayern)

Wirklich Strohschwein: Mäster wehrt sich gegen Gerüchte

Erstellt:

Kommentare

In Ruhe arbeiten will Robert Schweiger, hier mit seiner Familie Alwine, Josef und Ingrid Schweiger (v. l.). Schwieriger Markt für Schweinefleisch
In Ruhe arbeiten will Robert Schweiger, hier mit seiner Familie Alwine, Josef und Ingrid Schweiger (v. l.). © Huber

„Gezielte Rufschädigung“: Mäster Robert Schweiger wehrt sich gegen Gerüchte.

St. Wolfgang/Lengdorf – Erneut sieht sich Schweinemäster Robert Schweiger massiven Vorwürfen ausgesetzt. Die Kritik sei ungerechtfertigt, sagt er und belegt das auch mit Dokumenten, die der Heimatzeitung vorliegen. Vor zwei Jahren hatte er einen Mastbetrieb in Isen geplant. Nach einer Online-Petition nahm er davon Abstand (wir berichteten). Nun muss er sich gegen Anschuldigungen wehren, er würde konventionell gehaltene Tiere als Strohschweine verkaufen.

Eigentlich sah alles gut aus für den Schweinemäster aus Großschwindau (Gemeinde St. Wolfgang): Nach dem Protest in Isen gegen einen geplanten Mastbetrieb hatte er in Holnburg in der Gemeinde Lengdorf mit einem leer stehenden Schweinestall einen geeigneten Ort gefunden, um seinen Plan zu realisieren.

Bei der Landwirtschaftsausstellung in Kapfham wurde Schweiger in der vergangenen Woche dann allerdings auf ein Gerücht angesprochen. Er kaufe, so wurde kolportiert, 80 Kilo schwere Mastschweine und veräußere diese nach einem Monat in seinem Stall in Holnburg als Strohschweine weiter. „Du weißt schon, dass du momentan Gesprächsthema Nummer eins bist“, habe der Bekannte zu ihm gesagt. „Ich war vermutlich der Letzte, der davon erfahren hat“, vermutet Schweiger.

Dass an den Bezichtigungen nichts dran ist, kann Schweiger anhand von Rechnungen beweisen: 861 Ferkel mit einem Gewicht zwischen 32 und 40 Kilo hat er in der Zeit von Mitte Februar bis Mitte August gekauft. Rund viereinhalb Monate bleiben die Schweine bis zur Schlachtreife im Stall in Holnburg, wo sie Zugang zur mit Stroh eingestreuten Außenfläche haben.

Nach der Vergrößerung der ursprünglichen Fläche hält er durchschnittlich rund 600 Tiere in Holnburg. Den Zuchtbetrieb in Kissing, von dem er die Qualitätsferkel bezieht, habe er auch deswegen gewählt, weil dieser mit 500 Muttersauen groß genug sei, um der aktuellen Krise auf dem Schweinemarkt zu widerstehen.

Die anhaltend schlechte Marktsituation für Schweinefleisch sieht Schweiger auch als mögliche Ursache, Gerüchte über ihn in die Welt zu setzen. „Da steckt Neid dahinter, weil wir mit der Vermarktung von Strohschweinen auf die richtige Schiene gesetzt haben und besser verdienen“, ist er überzeugt. Doch Schweiger, der früher als Besamungstechniker gearbeitet hat und inzwischen im Schweinestall des Staatsguts in Grub beschäftigt ist, sieht durch die Gerüchte seine Existenz als selbstständiger Schweinemäster langfristig bedroht. „Das ist gezielte Rufschädigung, mit der man unseren Namen in den Schmutz ziehen will“, sagt der zweifache Vater.

Noch stünden seine Abnehmer, die Metzgereien Menzinger in Lengdorf und Faltermaier in St. Wolfgang sowie die Münchner MRT-Leidmann GmbH, hinter ihm. „Wir sind unseren Kunden für die gute Zusammenarbeit und ihr Vertrauen sehr dankbar. Doch was ist, wenn uns durch die Gerüchte doch noch Schaden entsteht?“, fragt er sich.

„Eigentlich wollte ich nach den Vorwürfen vor zwei Jahren nur noch in Ruhe arbeiten und leben“, erklärt er. Der Schritt, mit unserer Zeitung zu sprechen und an die Öffentlichkeit zu gehen, sei jedoch nötig, „damit die beiden Unruhestifter aus Isen kapieren, dass wir da bleiben werden“. Denn Schweiger glaubt zu wissen, wer hinter den Gerüchten steht. Ans Aufhören denkt er nicht, im Gegenteil: Inzwischen trage er sich mit dem Gedanken, einen Teil der Mast auf Bio umzustellen. „Ich möchte lediglich klarstellen, dass an der Sache nichts dran ist“, sagt er, „und wieder in Ruhe arbeiten können“.

ANNE HUBER

Auch interessant

Kommentare