„Stellt’s euer Licht nicht unter den Scheffel“: St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl (stehend) lobte die Ehrenamtlichen. 

Wahlkampf „sachlich, human und christlich“

Neujahrsempfang in St. Wolfgang: Wünsche und Kritik von Kirche und Politik

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Der gemeinsame Neujahrsempfang der Kirche und der Politik fand in der Goldachhalle statt. Dabei wurden viele Wünsche, aber auch viel Kritik geäußert.

St. Wolfgang– Sich seiner Zeit bewusst werden und der Dank fürs ehrenamtliche Bürgerengagement – das waren die Themen von Bürgermeister Ullrich Gaigl und Pfarrer Michael Henger beim gemeinsamen Neujahrsempfang der politischen und kirchlichen Gemeinde St. Wolfgang. Symbolisch Glück fürs neue Jahr brachte ein Kaminkehrertrio, das rund 100 Vertreter aus Ortsvereinen, Organisationen, Lokalpolitik, Wirtschaft und Kirche im Foyer der Goldachhalle zusammen mit der St. Wolfganger Blechblaskapelle begrüßte.

Gedanken zur Zeit machte sich Gaigl in seiner kurzen Ansprache. „I hob koa Zeit“, diesen Satz höre er immer öfter – liege es an der Schnelligkeit heutzutage, an den modernen Kommunikationsmitteln, an der ständigen Erreichbarkeit. Immer erreichbar sein, für die Jungen sei das normal. Gaigl wolle im neuen Jahr mehr Zeit für sich selbst nehmen, für Familie, Mitmenschen, Freunde und Vereine, für die vielen Dinge, die das Leben bereichern – und so auch Vorbild sein. Und Gaigl lobte: „Stellt’s euer Licht nicht unter den Scheffel. Ihr seid’s das Salz der Erde, das Salz in der Suppe, da könnt‘s stolz drauf sein.“

Dank an alle Ehrenamtlichen

Gemeint waren die vielen Bürger die sich ehrenamtlich in vielen Bereichen einsetzen. Ihnen dankte er im Namen der Gemeinde. Und schließlich die Empfehlung: „Hört auf euer Herz, wagt den ersten Schritt“, denn jedes Neue beginne mit dem ersten Schritt.

Mit offenen Augen unterwegs sein und positiv denken, so lautete der Rat von Pfarrer Michael Henger. „Das Lebensmaterial“, das einem geschenkt sei, sollte jeder für sich gestalten und „die einzelnen Steine, die bereit liegen, zu Bausteinen für sein Lebenshaus für 2020 formen“. Henger versäumte es am Ende nicht, seinen Dank auszusprechen an alle, die im Pfarrverband mitwirken.

Wann waren Menschen zuletzt barmherzig gegenüber der Natur?

Zweifel an der Menschlichkeit auf der Erde hegte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Heidi Kern. Ihre zentrale Frage war: „Ist die Barmherzigkeit abgeschafft?“ Der Regenwald brenne, Feuerkatastrophe auch in Australien, Dürren, Überschwemmungen, Orkane. „Die Greta (Thunberg, Anm. d. Red.) und die Jungen sagen’s uns: Wir haben versagt.“ Macht euch die Erde untertan, sei der biblische Auftrag, erinnerte Kern. Von ausbeuten und zerstören „war nie die Rede“. Wann sei die Menschheit zuletzt barmherzig gegenüber der Natur gewesen?, lautete ihre Frage.

Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit

6,7 Millionen Flüchtlinge weltweit; Rechte von Kindern und Frauen in Armutsländern und Kriegsregionen würden brutal missachtet. Die Europäische Union schotte sich ab, die USA mit „Brandstifter Trump“ baue Mauern zum Nachbarn.

Für den Wahlkampf 2020 wünschte sich Kern, dass der „sachlich, human und christlich“ geführt werde. Sie rief dazu auf, „dass gemeinsam gegen Rechts agiert wird“. Man könne froh sein, wenn die „sogenannte AfD“ nicht auftauche und keine Liste aufstelle. Jede Stimme dafür sei keine Proteststimme, sondern eine Stimme in die falsche Richtung. Sicher sei, von der AfD könne man vieles erwarten, aber keine Barmherzigkeit. Kern wünschte „allen für 2020 viele kleine und vielleicht auch große Situationen, wo man sagen kann: Da ist Gerechtigkeit“ und dankte für das Engagement das ganze Jahr über.

Landrat Martin Bayerstorfer betonte, es sei „genau richtig“, die Menschen zu einem Empfang einzuladen, die sich für die Gemeinde engagieren. In einer Zeit mit „atemberaubend schnellen Entwicklungen“ sei es der Wunsch vieler, am besten nichts zu ändern. Damit seien künftige Herausforderungen nicht zu bewerkstelligen, warnte er. Jetzt müsse man Grundlagen schaffen, damit es uns auch künftig gut gehe.

Hermann Weingartner

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