Volles Haus: Wenn der Schexn Done zum Starkbierfest in sein Wirtshaus einlädt, heuer war es zum 15. Mal, dann gehen die Karten weg wie warme Semmeln. Diesmal war die Veranstaltung schon seit zehn Wochen ausverkauft. Das Publikum hatte ein paar vergnügliche Stunden und amüsierte sich prächtig
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Volles Haus: Wenn der Schexn Done zum Starkbierfest in sein Wirtshaus einlädt, heuer war es zum 15. Mal, dann gehen die Karten weg wie warme Semmeln. Diesmal war die Veranstaltung schon seit zehn Wochen ausverkauft. Das Publikum hatte ein paar vergnügliche Stunden und amüsierte sich prächtig
Der Schexn Done teilte bei seiner Fastenpreidgt kräftig aus.
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Der Schexn Done teilte bei seiner Fastenpreidgt kräftig aus.
Herrliches Lokalkolorit verbreitete Patrizia Maier aus Armstorf, die „strumpfsockat“ auftrat.
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Herrliches Lokalkolorit verbreitete Patrizia Maier aus Armstorf, die „strumpfsockat“ auftrat.

Mordsgaudi beim Schex

St. Wolfganger Starkbierfest: Der Done derbleckt sie alle

Seit zehn Wochen war das Starkbierfest beim Schex in St. Wolfgang schon ausverkauft. Entsprechend groß waren Vorfreude und Erwartungshaltung. Beides wurde nicht enttäuscht. Denn es wurde frech derbleckt, viel gelacht, und so einige komplizierte Zusammenhänge wurden auf einen verständlichen Nenner herunter gebrochen.

von Birgit Lang

St. Wolfgang – Es ist ein richtiges Ereignis, wenn der Schexn Done (Wirt Anton Silbernagl) zum jährlichen Starkbierfest in sein Wirtshaus einlädt. Auch heuer ist der Abend wieder dreigeteilt: Fastenpredigt, Kabarett mit dem Wiggerl aus Berglern und der wunderbaren Patrizia Maier. Dass sich die Groß- und auch die Kleinkopferten dieses Spektakel nur ungern entgehen lassen, ist verständlich. Mit feinen Schmankerln, süffigem Josefator vom Bräu z’Dorfa sowie einer g’scheiden Musi von der Blaskapelle St. Wolfgang eingestimmt, bringt der Schex sein Publikum mit ein paar g’fotzerten Gstanzln und Witzen erst in Stimmung, um dann in seiner Fastenpredigt richtig loszulegen.

Scharf soll zu den Grünen wechseln

Kräftig watscht er bei seinem 15. Starkbierfest die Landes- und Kommunalpolitiker ab und spart auch die Lokalprominenz nicht aus. „Du warst als Umweltministerin einfach zu sehr für die Umwelt und die Natur und damit automatisch gegan Söder beziehungsweise er gega di“, meint er zu Ulrike Scharf. Söders Entscheidung, sie abzusetzen, habe er bestimmt schon bedauert. Denn „mit dir als Umweltministerin hätts des Volksbegehren vielleicht gar ned braucht“. Er empfahl ihr, zu den Grünen zu wechseln.

Der „Landrat und Chefarzt von Erding, Dr. M. Bayerstorfer“ hat kurzfristig abgesagt, bedauert der Schex, hätte er ihn doch gern als Landwirtschaftsminister begrüßt. Dass er das nicht geworden ist, sei klar, wenn er den Bauern öffentlich vorwerfe, dass sie zu viel Fläche zubauen. Auch die Geschichte mit der 90 000-Euro-Klage gegen Stephan Glaubitz sei zu hoch gekocht worden, meint der Done und präsentiert eine Serie von pointiert witzigen Wortspielen mit „Glaub nix dem Glaubitz“. Auch den Graßer Hans, Ex-Polizeichef und Pilger, derbleckt der Schex. 20 Euro habe dieser ihm hingelegt, damit er ihn extra begrüße, sagt er schmunzelnd. Das Kreuz, das der Söder in den Behörden aufhängen ließ, habe der Grasser persönlich von „Woifgang nach Jerusalem trag’n – der Sage nach“.

Gegen die Scheinheiligkeit aller Parteien, aber auch die Inkonsequenz der Menschheit, wettert der Done mit dem ihm eigenen, tiefgründig-bayerischen Humor. Hintersinnige Gedanken macht er sich über „Banken und andere dubiose Firmen“, denen das Finanzamt 50 Milliarden zurückerstattet, die sie nie eingezahlt hätten. Richtig echauffieren kann er sich über die Ausgeburten des Klimawandels, das „übertrieb’ne Gschiss wegam Diesel“. Als „Miss Lungen“ bezeichnet er eine der 100 Lungenärzte, die sich zur Schadstoffbelastung geäußert haben. Für den Radikalschnitt aller Sträucher und Pflanzen an der B 15 Höhe Großschwindau zeigt er Verständnis, weil die Bienen dort „anstatt Blüten nur no Feinstaub“ gefunden hätten.

Neben all den weltbewegenden Themen vergisst der Done auch die Kleinen nicht, etwa Feuerwehrreferent Josef Wagenlechner und Dorfens Grundner Heinz, die sich beide mit einer Körpergröße von 1,61 Metern auf Augenhöhe bewegten. Fast schon neidisch blickt er auf die Dorfener Nachbarn, wo der Bürgermeister in der Bürgerversammlung vom Brandhuber „scho amoi richtig zammg’rammt“ wird. „An Ulli (St. Wolfgangs Bürgermeister Gaigl; d. Red.) schimpft koa Mensch, i a ned.“ Das einzig Kritische, was dem Prediger an diesem Abend zu seiner Heimatgemeinde einfällt, ist das „oide, grobe Schuihaus vo Scheebrunn“, das nicht abgerissen, sondern saniert werden soll.

Nicht politisch, aber äußerst witzig geht es mit dem Wiggerl weiter, der von seinen ersten Räuschen im Kindergarten erzählt. Denn Schwester Anna habe jedes Wehwehchen mit Klosterfrau Melissengeist kuriert. Viele im Publikum erkennen sich auch wieder, als er von seinen Mofarockerzeiten berichtet.

Schönstes Lokalkolorit verbreitet auch der, laut Schexn Done, „Höhepunkt des Abends“, Patrizia Maier. Die Kindergartenleiterin aus Armstorf ist vom Starkbierfest nicht mehr wegzudenken. Auch sie zieht es in die Politik. Ums Bürgermeisteramt von St. Wolfgang will sie kandidieren, weil mit bald 50 Jahren der Wechsel anstehe. „Wer täglich den Kindergarten überlebt, der kann sich doch auch mit seinem Gemeinderat obekasperln.“ Also startet sie ihre Promotion-Tour gleich hier. Als Wahlgeschenk präsentiert sie „selber g’strickte Socka“, mit deren Produktion sie eine ganze Seniorenrunde beschäftige.

Kläranlage ersetzt Urlaub in Venedig

Auch ihr Werbeplakat mit dem Konterfei von Uli Scharf und dem Slogan „Patrizia ist scharf“ hat sie dabei. Eine Win-Win-Situation für beide, findet Maier. „Die CSU wird dann wohl wieder ganz spontan einen Bürgermeisterkandidaten stellen“, schätzt sie. Auf viele Veranstaltungen müsse sie jetzt gehen, so war sie auch beim Tag der offenen Tür der Kläranlage. „Des is unglaublich, wia vui Leid sich für so einen sprichwörtlichen Scheißdreck interessieren“, erklärt sie und führt dies minutiös und anschaulich aus. Vom dortigen Duft inspiriert, wittert sie sogar neue Einnahmen für die Gemeindekasse. „Wenn ma jetzt in der brauna Bria no a paar Schiffal schwimma lassn und Eintritt verlangan, brauchst nimma in Urlaub nach Venedig fahrn.“

Am Ende eines vergnüglichen Abends sparen die Besucher nicht mit Applaus. Und auch die Derbleckten klatschen fleißig. Denn auch wenn der Schexn Done bissig ist, richtig böse oder gar unter der Gürtellinie ist er nie.

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