vor gericht

Todes-Raser muss 18 Monate in Haft

Bei schlechter Sicht und trotz Tempolimits überholte ein St. Wolfganger (25) mehrfach. Ein 28-Jähriger musste dafür mit dem Leben bezahlen.

Von Gert Seidel

St. Wolfgang/Erding – Zu 18 Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung wurde gestern ein 25-Jähriger wegen Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Tötung verurteilt. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Björn Schindler folgte im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwältin. Zur Haftstrafe kommt noch eine Führerscheinsperre von weiteren 15 Monaten. Trotz günstiger Sozialprognose komme eine Aussetzung zur Bewährung wegen der Verteidigung der Rechtsordnung nicht in Frage, erklärte Schindler. Der Angeklagte habe grob verkehrswidrig und rücksichtslos gehandelt „Da könnte es kein vernünftiger Bürger nachvollziehen, wenn es zu einer Bewährungsstrafe kommt“, sagte der Richter.

Am 22. April 2016 fuhr der Angeklagte von Dorfen aus kommend kurz nach 20 Uhr mit einem Opel auf der Staatsstraße 2084, um nach Waldkraiburg zu gelangen. Bei der Abzweigung nach Schwindkirchen ging es ihm offensichtlich zu langsam. Trotz Kolonnenverkehr und der Beschränkung auf Tempo 60 fuhr er dicht auf das vor ihm fahrende Fahrzeug auf, dessen Fahrer noch warnend das Bremspedal antippte.

Dennoch überholte der 25-Jährige und scherte vor dem Fahrzeug wieder ein. Auf die Lichthupe reagierte er nur, indem er kurz die Nebelschlussleuchte einschaltete. Seine riskante Fahrweise setzte der 25-Jährige beim nächsten Fahrzeug fort. Obwohl die Straße mit einer Linkskurve und einer kleinen Kuppe unübersichtlich war, fuhr der St. Wolfganger dicht auf, scherte mit mindestens 79 Kilometer pro Stunde aus, so die Berechnung des Gutachters. Dann stieß der Opel frontal gegen das Auto eines entgegenkommenden 28-Jährigen.

Beide Wagen drehten sich auf der Fahrbahn und schleuderten in die Böschung. Während der Unfallverursacher mit einem Schleudertrauma und Prellungen davonkam, starb der 28-Jährige noch an der Unfallstelle. Der Zeuge, der zuvor überholt worden war, konnte das Opfer zwar aus dem Wagen ziehen, doch die rasch eintreffenden Helfer konnten den Mann nicht mehr reanimieren.

Der Angeklagte machte zunächst einen verwirrten, apathischen Eindruck und brach zusammen, als ihm mitgeteilt wurde, dass sein Unfallgegner tot sei. Eine Blutprobe im Klinikum ergab 0,3 Promille.

Problematisch war die Aussage der Fahrzeughalterin. Sie selber steige schon lange nicht mehr zu dem 25-Jährigen ins Auto. Vor der Polizei erklärte sie, dass er wie eine „gesengte Sau fährt“. Vor Gericht drückte sie sich gestern ähnlich, aber etwas formvollendeter aus. Andererseits hat der Angeklagte weder Vorstrafen noch Einträge im Straßenverkehrsregister.

Vor Gericht erklärte der 25-Jährige, dass er keine Erinnerung an den Unfall habe. Der Familie des Opfers habe er 14 Tage danach einen Brief geschrieben, diesen jedoch nicht abgeschickt.

Im Januar, einen Monat nach der Anklage und einen Tag nach dem Führerscheinentzug, habe er sich in psychologische Behandlung begeben. Der Diplom-Psychologe erklärte dem Vorsitzenden, dass durch das Trauma eine teilweise Amnesie nachvollziehbar sei. Er arbeite daran, „seinen Patienten im Alltag zu unterstützen“.

Kaum erwähnt wurde die Tragödie für die Familie des Opfers. Erst spät im Laufe der etwa sechsstündigen Verhandlung entschuldigte sich der Angeklagte, woraufhin die Mutter des Opfers ihren Tränen freien Lauf ließ.

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