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Für eine Deckelung der Managerhälter plädiert der Raiffeisenbank-Vorstandsvorsitzende Josef Stöckl (l.). 

Raiffeisenbank St. Wolfgang-Schwindkirchen

Vorstandschef Stöckl geißelt Umverteilung von unten nach oben

Die Raiffeisenbank St. Wolfgang-Schwindkirchen blickt zufrieden auf das Geschäftsjahr 2016 zurück. Sorgen macht sich Vorstandsvorsitzender Josef Stöckl aber um die Gerechtigkeit in der Vermögensverteilung in der Gesellschaft.

Von Henry Dinger

St. Wolfgang – „Wir sind die kleinste, selbstständige Bank im Landkreis Erding und auch sonst im näheren Umkreis“, sagte Stöckl bei der Generalversammlung am Donnerstagabend im Schex-Saal in St. Wolfgang. Nicht ohne Stolz verwies er darauf, dass „vermeintliche Experten“ diese Bank vor Jahren als „nicht existenzfähig“ eingeschätzt hätten. „2016 ist recht zufriedenstellend verlaufen“, erklärte Stöckl. Die Bilanzsumme beträgt knapp 200 Millionen Euro, rund 12,5 Millionen Euro mehr als 2015. Trotz der Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank seien die angesparten Kundengelder um 6,6 Prozent auf 158 Millionen Euro gewachsen. Die ausgegebenen Kredite stiegen um 7,4 Prozent auf 131 Millionen Euro.

Im Vergleich zu anderen Instituten sei die Ertragslage der Bank deutlich besser gewesen. Allerdings wären die Einnahmen aus Dienstleistungserlösen geringer als bei anderen, das läge, wie auch in den Vorjahren, an günstigen Kontoführungsgebühren. Durch Senkung der laufenden Betriebskosten konnte dieser Wert aber ausgeglichen werden. Der wirtschaftliche Erfolg und die weiterhin günstige Risikosituation erlaubten es, das Eigenkapital aufzustocken. Mit zusätzlich etwa 197 000 Euro aus dem Bilanzgewinn von 290 000 Euro stehen unterm Strich nun Rücklagen in Höhe von 23,3 Millionen Euro zur Verfügung.

Dass auch die Mitgliederzahl in Bewegung war, führte Vorstandsmitglied Felix Lechner aus. 111 Mitglieder kamen neu hinzu, 84 sind, überwiegend durch Tod, ausgeschieden. Damit waren es zum Jahresende 4205 Mitglieder, die 12 426 Geschäftsanteile halten und darauf gut 1,8 Millionen Euro eingezahlt haben.

Vorstandschef Stöckl ging in seinem Bericht auch auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung ein. Deutliche Worte findet der Banker für Ungerechtigkeiten in der Wirtschaft. „Man muss zur Kenntnis nehmen, dass die Einkommen der Geringverdiener im letzten Jahrzehnt kaum gestiegen sind. Es ist eine erhebliche Ungerechtigkeit, dass eine kleine Gruppe von Managern Millionen an Gehältern beziehen, während andere vom Lohn ihrer Arbeit kaum noch leben können.“ Stöckl befürwortet eine Deckelung der Spitzengehälter über steuerliche Regelungen, gut vorstellbar wären für ihn 500 000 Euro im Jahr als Grenze. Das müsse dann aber nicht nur für Manager, sondern auch beispielsweise für Profisportler gelten. Zudem wäre eine Vermögenssteuer „sinnvoll und gerecht“. „In Deutschland gehe die Schere bei der Vermögensverteilung immer weiter auseinander. Stöckl: „Ein Prozent der deutschen Bürger besitzen ein Drittel des gesamten Vermögens, zehn Prozent gehören weit mehr als die Hälfte, nur rund einem Fünftel gehören 80 Prozent aller Vermögenswerte.“

St. Wolfgangs Bürgermeister Ullrich Gaigl dankte in seiner kurzen Ansprache vor allem dafür, dass die Bank das Raiffeisen-Lagerhaus im Ort betreibt und erhält. Lobenswert sei auch, dass jährlich Auszubildende eingestellt werden, das sei nicht nur für die Zukunft der Bank nötig, sondern auch für die Bürger von St. Wolfgang. Wichtig für den Gemeindechef ist auch die Bürgernähe: „Es ist schön, wenn man beim Reinkommen persönlich begrüßt wird“, so Gaigl.

Diese Nähe zeigt die Raiffeisenbank auch an anderer Stelle. Das Geldinstitut hat 2016 insgesamt 17 660 Euro an Vereine und gemeinnützige Organisationen in ihrem Einzugsbereich gespendet. Dazu gehören Trainingsanzüge für die St. Wolfganger Gardemädels ebenso wie eine Spiele-Spiegelwand im Kindergarten Schwindkirchen oder Geld für die Ausrüstung der Freiwilligen Feuerwehren.

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