+
Sauber eing’schenkt: Anton Silbernagl, der Schexn Done brillierte einmal mehr mit seiner Starkbier-Rede in seinem St. Wolfganger Gasthaus.

St. Wolfganger Starkbierfest

„Wir brauchen keinen Söder, wir haben einen Schreder“

„A Matz is a scho, da Done“, war anerkennend aus dem Publikum beim Starkbierfest in St. Wolfgang zu hören. Gemeint war kein anderer als Anton Silbernagl, da Schexn Done.

St. Wolfgang – Er zog wieder einmal alle Register seines Humors. Der 56-Jährige ist seit vielen Jahren Veranstalter des St. Wolfganger Starkbierfestes und übernimmt auch das Derblecken höchstpersönlich. Denn das kann er bestens. Und weil der Schexn Done in seinem Wirtshaus direkt an der Quelle sitzt und übers Jahr viele Geschichten und Gerüchte aufschnappt, ist er auch immer bestens informiert. So war der Saal beim Schex wieder brechend voll und jede Menge Politprominenz gekommen, denn dabei sein und genannt werden ist wichtig.

Bilder: Starkbierfest in St. Wolfgang 

Fast allen schenkte der Done kräftig ein, nicht nur vom süffigen Josefator der Dorfener Brauerei Bachmayer. Wobei er bei seinen Seitenhieben immer fair blieb und nie unter der Gürtellinie austeilte. Unterstützt wurde Silbernagl von der umjubelten Newcomer-Liedermacherin Sara Brandhuber aus Zustorf, der g’fotzerten Patrizia Müller aus Armstorf, ihres Zeichens Gemeindemitarbeiterin, und der Blaskapelle St. Wolfgang.

Von der geschlechtsneutralen Gender-Diskussion über das leidige Wahldebakel, die nervige Regierungsbildung und den zunehmenden Rechtspopulismus bis hin zum Dieselskandal, streifte der Schexn Done die großen bundesweiten Aufreger und traf genau den Nerv der Gäste. Den CSU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz forderte er sarkastisch auf, in der kommenden Regierung doch noch mehr Vorschriften für die kleinen Unternehmer und Landwirte zu erlassen, weil sie sich unterfordert und gelangweilt fühlen, von dem „bissl Bürokratismus“.

Auch den neuen Ministerpräsidenten watschte Silbernagl ab. „Markus Söder is heid ned da, dafür gibts an einfachen Grund.“ Weil er „so dermaßen arrogant, lästig, überheblich und muffig“ bei der Diskussion nach dem Nockherberg war, habe er ihn einfach wieder ausgeladen, erklärte da Schexn Done. Damit wir nicht alle „versödert“ werden, plädierte er dafür, dass „de echten Bayern, also mia,“ einen eigenen Ministerpräsidenten kriegen. Als potenziellen Kandidaten präsentierte er den „Oberjäger vom Landkreis“, Thomas Schreder, den „neuen Hoffnungsträger der CSU. Na, des war jetzt a Spaß“, feixte er grinsend und stellte das Motto vor: „Wir brauchen keinen Markus Söder, wir haben einen Thomas Schreder.“

Umweltministerin Ulrike Scharf musste auf einen anderen Termin, bedauerte er, und listete sie dennoch als künftige Ministerpräsidentin im Reigen der großen S-Ministerpräsidenten-Nachnamen auf: „Söder, Scharf, Silbernagl.“ Aber weil bei den letzten Dreien die Gattin immer Karin geheißen habe, fragte er sich, ob womöglich der Scharl Schorsch Söders Nachfolger werden könnte, „weil der fangt a mit S o, und sei Frau hoaßt Karin“.

Mitleid bekundete er mit Landrat Martin Bayerstorfer. „Dass ma mit’m Kommunalpass im Frauenhaus ned zahl’n konn, weil de Entbindungsstation vorübergehend geschlossen ist, und dass du de Kinder jetzt dann selber entbindest, weil du ja jetzt der alleinige Chef und Kontrolleur von der Kreisklinik bist“, fasste Silbernagl die Ärgernisse der letzten Monate zusammen. Kurz brachte er es auf den Nenner: „Was der Putin für Russland ist, is da Bayerstorfer fürn Landkreis Erding.“

Und weil der Landrat unter Söder ja Landwirtschaftsminister werde, wie der Schexn Done mehrmals betonte, begrüßte er Fraunbergs Bürgermeister Hans Wiesmaier vielsagend als neuen Landrat. „I wisst jetzt koan, der da besser geeignet war. Du stellst einfach was dar, bist a Persönlichkeit und konnst dreckade Witz verzähln; alle Voraussetzungen für an Landrat.“

Natürlich derbleckte Silbernagl auch die St.Wolfganger. Wenn man die Heimatzeitung lese, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der jetzige Bürgermeister Ullrich Gaigl und sein Gemeinderat alles ausbaden müssen, was deren Vorgänger versäumten: „Baugrund fehlt, Rathaus, Feuerwehrhaus und Kläranlage zu klein, Verwaltungsmitarbeiter zu wenig und so weiter, auf alle Fälle schwierig, trotz sprudelnder Steuereinnahmen.“ Also habe man beispielsweise den Arbeitskreis Feuerwehr gegründet, mit dem „überraschenden“ Ergebnis, „dass an Haufa neue und größere Feuerwehrhäuser und Fahrzeuge gebraucht werden“. Hoffentlich werde nicht auch noch ein Arbeitskreis Goldachhalle gebildet, meinte er in warnender Voraussicht.

Mittlerweile sei auch die „einst so kritische Gemeinderätin Magdalena Wandinger-Strauß“ mit allem einverstanden, auch wenn alte Anwesen zu einem Quadratmeterpreis von 800 Euro von der Gemeinde erstanden werden. Dafür werde an anderer Stelle gespart, etwa beim Dorffest oder bei den Baumfällarbeiten entlang der Goldach, stellte der Derblecker fest. „Des übernimmt kostenlos da Biber.“

Von zwischenmenschlichen Missverständnissen, Menstruationsproblemen und „greane Weißwürscht“ sang Sara Brandhuber, die kurzfristig für den Lengdorfer Julian Wittmann eingesprungen war. Wittmann musste zum Casting für „Dahoam is dahoam“, erklärte der Wirt, und seiner Karriere wolle er nicht im Wege stehen.

Nicht nehmen ließ sich ihren Auftritt das Armstorfer Urgewächs Patrizia Müller. Sie zog ordentlich über ihre Mitbürger vom Leder. Mit einem Brustladen voller Überraschungen war sie gekommen. Einen „Second-Hand-Kampe“ bot sie für die best frisierten Männer aus St. Wolfgang an und nannte unter anderem den Miksch und den Fischer Dieter. „Der Schönste im Saal ist natürlich der Bundes-Andi“, schwärmte sie und zeigte stolz ihre Andi-Tüte für die Brotzeit und ihre Andi-Tasse her. „Ich arbeite für die Gemeinde, für den Bürgermeister und für den Miksch, ich weiß, was GroKo heißt“, sagte sie.

Zum Abschluss des Starkbierfestes lud Silbernagl einen Schwung Politiker auf die Bühne, wo ein jeder seinen besten Witz erzählen sollte. Dabei wurde klar: Mit der Schlagfertigkeit eines Anton Silbernagl kann keiner mithalten.

Birgit Lang

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ungar mit Anabolika erwischt
Muskelberge entstehen häufig nicht nur durch viel Training. Manche Sportler helfen mit Chemie nach. Solche Dopingmittel hat die Polizei Dorfen nun bei einer …
Ungar mit Anabolika erwischt
Wenige Zugeständnisse an Nachbarn
Die Nachbarn des Bernock-Areals in Taufkirchen kritisieren die geplante massive Bebauung dort. Die Gemeinde macht nur wenige Zugeständnisse.
Wenige Zugeständnisse an Nachbarn
Einzelne Rassen unter Kampfhund-Verdacht
Die Gefährlichkeit von Hunden rückt in der Verwaltungsgemeinschaft Wartenberg in den Fokus. Für bestimmte Rassen ist ein spezielles Zeugnis nötig.
Einzelne Rassen unter Kampfhund-Verdacht
Für Cineasten und Youtube-Amateure
Zum fünften Mal findet am Wochenende unter der Leitung des Nürnberger Filmautors Adalbert Becker das Kurzfilmfestival im Jakobmayer statt. An drei Tagen werden 42 Filme …
Für Cineasten und Youtube-Amateure

Kommentare