Die Hebräer bitten ihren Hohepriester Zaccaria (M.) um Hilfe vor den Babyloniern - eine Szene aus dem ersten Akt der Oper Nabucco. Die Festspieloper Prag zeigte diese am Mittwochabend im Schlosspark Aufhausen vor 1700 Gästen. beet

Ein Schloss, ein Chor, ein Opernfest

Aufhausen - Eine Oper unter freiem Himmel ist immer etwas Besonderes, wenn Wetter und Ambiente passen. Beides war am Mittwochabend in Schloss Aufhausen gegeben. 1700 Gäste genossen in dem wundervollen Garten der Familie von Hammerstein Verdis Nabucco, aufgeführt von der Festspieloper Prag.

In Heerscharen pilgerten am Mittwochabend Opern-Liebhaber, ausgerüstet mit warmen Decken, zum Schloss Aufhausen. Denn: Wenn es schon mal eine Opern-Aufführung in der Großen Kreisstadt gibt, will man sich das auch nicht entgehen lassen. Manche verbanden die italienische Oper mit einem italienischen Abendessen im benachbarten Restaurant Le Brace, was Koch und Kellner ganz schön ins Schwitzen brachte.

Eine gediegene Atmosphäre erwartete die Opernbesucher im Schlossgarten. Auch dort gab es zu trinken und zu essen. Alexander Baron von Hammerstein, flankiert von seiner Gattin Friederun, begrüßte als Hausherr die Gäste von der Bühne herab. Er erzählte ein bisschen über das Anwesen, das das Ehepaar nun seit 30 Jahren bewohnt und bewirtschaftet, und dankte Petrus für das Somerwetter und vor allem seinem Verwalter Giorgio Zolyniak, der alles hervorragend organisiert habe. Eine Oper gebe es hier schließlich zum ersten Mal.

Dann nahm das Orchester, unter der Leitung von Martin Doubravsky, Chefdirigent an der Oper Liberec, unter einem Zelt neben der Bühne Platz und eröffnete den Abend musikalisch. Über so viel Musikalität wunderte sich auch der Pfau. Er landete auf der Buche über dem Zelt und verfolgte ebenfalls das Geschehen.

Guiseppe Verdis berühmteste Oper aus dem Jahr 1842, die ihn in Italien zum Nationalhelden machte, spielt in Jerusalem und Babylon zur Zeit Nebukadnezars II. 587 vor Christus. Es geht um Befreiung, Liebe, Macht und Eifersucht. Liana Sass als machtbesessenen Abigaille bewies nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit ihrem schauspielerischen Können, dass hier Profis agierten. Hauptperson Nabucco (Bariton Michael Bartá) hatte es gar nicht so leicht, sich neben der Furie in Rot und Gold zu behaupten.

Das Leid aller Hebräer verkörperte eindrucksvoll Fenena (Sopranistin Sárka Hrbácková). Ihr Geliebter Ismaele (Dusan Rusicka) blieb als Tenor eher unauffällig, ganz im Gegensatz zu Jurij Kruglov, der für seinen gigantischen Bass und sein hingebungsvolles Schauspiel am meisten Applaus erntete.

Ein Höhepunkt war, wie zu erwarten, im dritten Akt der Gefangenenchor mit „Va, pensiero, sull’ali dorate“. Die kraftvolle Melodik hatte schon bei der Uraufführung in der Scala in Mailand ihre Wirkung gezeigt. Man sprach damals von der „heimlichen Nationalhymne“. Denn viele hatten Nabucco nicht gesehen, sangen aber das Lied. Was vermutlich auch noch für heute gilt.

Lediglich der Bühnenaufbau wirkte provisorisch, die Kulissen wurden nur angedeutet. Während der Akte vorschoben etwas ungelenk drei Männer, verkleidet als Soldaten, die Mauerteile. Sie wirkten wie aus einem Asterix-Comic entsprungen.

Schön waren die teils ärmlichen, teils farbenprächtigen Kostüme der Sänger, die für Opern-Flair sorgten. Nach knapp drei Stunden, inklusive Pause, entschwand das vorwiegend ältere Publikum aus dem Schlossgarten mit der Melodie des Gefangenenchors im Ohr, denn die gab es zum Schluss - etwas ungewöhnlich für eine Oper - nochmals als Zugabe zu hören.

Alexandra Anderka

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