Schüler-Experiment: Ein Erdinger Legomännchen im Weltall

Erding - Aus 39 Kilometern Höhe sprang Felix Baumgartner 2012 auf die Erde hinab. Ähnlich hoch hinaus wollten Achtklässler der Herzog-Tassilo-Realschule. Um den Nervenkitzel etwas geringer als damals zu halten, schickten sie aber nur ein Legomännchen ins All.

Auf diese Idee muss man erst mal kommen. Die Klassen 8b und 8g(I) haben ihr kurioses Projekt „mission:Space“ in die Tat umgesetzt und mit ihrem Physiklehrer Andreas Franke dafür gesorgt, dass die Herzog-Tassilo-Realschule die erste Erdinger Schule ist, die einen Lego-Astronauten ins All geschickt hat - mittels eines heliumgefüllten Ballons.

Doch um eine gelungene Umsetzung in der Praxis zu gewährleisten, stand für die Schüler zunächst einmal viel Theorie auf dem Programm. Dabei studierten sie die physikalischen Grundlagen eines Ballonaufstiegs. Betrachtet wurden Aspekte wie Auftrieb, Luftdruck, freier Fall und der Aufbau der Atmosphäre. Anschließend entwarfen und bauten die jungen All-Experten eine Styroporsonde, an die sie zwei Kameras für Videos und Fotos sowie einen GPS-Tracker samt Handwärmer anbrachten. Nun noch Ballon und Fallschirm, und die kuriose Reise des Legomännchens konnte losgehen.

Da sich Erding wegen der Nähe zum Flughafen in der Kontrollzone befindet, wurde der Start nach Hofsingelding verlegt. Nachdem der Flughafen-Tower sämtliche Flugzeuge über den bevorstehenden Start informiert hatte, wurde der Ballon losgelassen.

„Nach etwa 90 Minuten war unsere Sonde in der Stratosphäre in 31 Kilometern Höhe angekommen und lieferte uns atemberaubende Bilder. Die Erdkrümmung wurde sichtbar, das dünne blaue Band der Atmosphäre lag wie eine Schutzschicht über der Erde. Darüber zeigte sich der schwarze Weltraum“, erklärt Franke. Wegen des niedrigeren Luftdrucks blähte sich der Ballon auf über zehn Meter Durchmesser auf und platzte schließlich, die Sonde schwebte am Fallschirm zurück zur Erde und landete, 65 Kilometer vom Startpunkt entfernt, nördlich von Tittmoning.

Zur Bergung der Sonde machten sich Eltern, Schüler und ihr Physiklehrer mit sechs Fahrzeugen ins vorausberechnete Landegebiet auf. „Da der GPS-Tracker erst wenige Minuten vor der Landung wieder antwortete, war lange Zeit ungewiss, ob wir sie jemals wiederfinden. Entsprechend groß war der Jubel über die ersten Lebenszeichen“, sagt Franke. Die Sonde landete aber in einer 35 Meter hohen Weide nahe des deutsch-österreichischen Grenzflusses Salzach. Rettungsversuche mit Latten und Steinschleudern blieben erfolglos. Erst am nächsten Tag sprang ein professioneller Baumkletterer ein, der die Überreste letzten Endes herunterholte. Übrigens: Vom Legomännchen fehlt jede Spur. Beim Platzen des Ballons wurde es vermutlich von einer Leine getroffen und von der Sonde getrennt.

Markus Schwarzkugler

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