Schüler schummeln mit dem Handy

Erding - Mangel an Kraetivität oder zu wenig Einfallsreichtum kann man Schülern beim Spicken nicht vorwerfen. Trotz strenger Handyverbote ist die moderne Technik ein beliebtes Hilfsmittel.

Kleine handgeschriebene Zettel im Federmäppchen oder unauffällige Notizen auf dem Unterarm sind als unerlaubte Gedächtnisstützen in Prüfungen und Referaten längst überholt. Die Geheimwaffen der Schüler orientieren sich am Fortschritt der Technik. Das Handy gehört da inzwischen standardmäßig zum Handwerkszeug. Digitale Notizen, Spicken im Internet oder die SMS vom Nachbarn während der Klausur sind keine Seltenheit, auch nicht an den Schulen des Landkreises.

Dabei gilt an den meisten Schulen ein striktes Handyverbot. „Wir sind natürlich sensibilisiert worden. An unserer Schule gilt das Handyverbot für alle“, erklärt Hans-Joachim Fuhrig, Schulleiter am Korbinian-Aigner-Gymnasium. „Gerade in der Oberstufe müssen alle Geräte vor einer Prüfung abgegeben werden. Die Lehrer dürfen auch verlangen, Taschen nach vorne legen zu lassen.“ Der Versuch, zu täuschen, ob mit Handy oder Zettelchen, wird mit der Note Sechs geahndet, in schweren Fällen droht sogar ein Verweis.

Nicht immer können die Lehrer den Betrug auch nachweisen. Wenn draußen einer steht, der die Lateinübersetzung mit dem Smartphone googelt, gehen die Schüler eben abwechselnd „auf die Toilette“. Bei lernintensiven Fächern wird auch gerne mal mit dem iPhone abfotographiert und dann direkt abgeschrieben. „Es wird für Schüler leider immer Mittel und Wege geben, zu schummeln. Besonders ungerecht ist dabei, dass meist die ohnehin guten Schüler profitieren und die, die wirklich Hilfe brauchen könnten, auf der Strecke bleiben“, findet Christine Fripes vom KAG Erding.

Als besonders versiert in Sachen Netzwerk-Technik erwiesen sich zuletzt Schüler an einem Starnberger Gymnasium. Mit einem eigenen Router hatten sich die jungen Informatiker ein schulinternes Netzwerk zur Kommunikation geschaffen. Weil das W-Lan in der Schule durch die Überlastung immer langsamer wurde, forschten Schulleitung und Techniker nach und entdeckten schließlich den kleinen Kasten in der Klassenzimmerecke.

„Handys und alle anderen digitalen Speichermedien werden bei Verwendung auf dem Schulgelände abgenommen. Die Eltern müssen dann die Herausgabe des Geräts verlangen“, sagt Petra Leubner von der Mittelschule Erding. „Über das gesamte Schuljahr sammeln wir bis zu 60 Mobiltelefone ein. Es gibt an unserer Schule ein kostenloses Schülertelefon, deshalb gibt es keine Notwendigkeit für den Handygebrauch.“

Das Verbot sei im Gegensatz zur verbreiteten Schülermeinung keine Schikane der Lehrer, sondern diene vor allem dem Schutz der Privatsphäre. „Es kam schon vor, dass Fotos aus dem Sportuterricht oder von Lehrern auf Facebook gelandet sind,“ erzählt Josef Grundner, Leiter der Mädchenrealschule Erding. Um Cyber-Mobbing zu verhindern, müssen solche Vorfälle unterbunden werden. „Wir betreiben nicht nur Aufklärung bei den Schülern, sondern weisen auch die Eltern auf die Problematik ,Handy im Schulalltag’ hin“ so Grundner. Fälle, in denen das Smartphone zum Spicker umfunktioniert wird, sind auch ihm untergekommen. ml

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