Hubertus-Schützenmeister Fritz Marb zeigt den Stein des Anstoßes: Die Schützenscheiben im Schießstand. foto: reichert

Schützenscheiben im Visier

Landkreis - „Die haben doch keine Ahnung.“ „Das ist hirnrissig.“ Die heimische Schützenwelt ist in Aufruhr, weil Bundesverband und Innenministerium die traditionell am Schießstand aufgehängten Schützenscheiben ins Visier genommen haben.

Um das Sicherheitsrisiko Geschossrückpraller auszuschalten, sollen die Schützenscheiben mindestens zwei Meter über dem Boden hängen oder ganz vom Schießstand verschwinden. Dies verlangt die neue Richtlinie, die im Oktober 2012 von einer Expertenrunde aufgestellt wurde. Der Auftrag dafür kam vom Bundesinnenministerium. Im September kann es für die Vereine deshalb kritisch werden: „Dann kommen die Gutachter und und überprüfen den Zustand der Schießstände auch in dieser Beziehung“, sagt Klaus-Peter Schlagenhauf, Chefredakteur der Bayerischen Schützenzeitung.

Als „hirnrissig“ bezeichnet Joachim Illek, Schützenmeister der Altschützen Dorfen, diesen Gedanken. „Eine verputze Wand stellt meiner Meinung nach eine größere Gefahr dar als eine Schützenscheibe. Die Kugel würde ja in der Scheibe steckenbleiben. Dass sie zurückprallt, ist nahezu unmöglich.“

Auch bei seinem Verein hängen ein paar wenige Scheiben im Schießstandbereich. „Für alle finden wir einfach keinen Platz im Gasthaus“, erklärt Illek. Jedes Jahr im September prüft ein Gutachter die Lage der Schießanlagen, und nie hätte dabei etwas gefehlt.

Auch Fritz Marb, Schützenmeister von Hubertus Forstern, steht der Regelung mehr als kritisch gegenüber. „Seit 1975 bin ich schon aktiv, und niemals ist mir bis jetzt zu Ohren gekommen, dass ein Geschossrückpraller von einer Scheibe einen Schützen am Schießstand verletzt hätte.“ Ihm zufolge hätte man vor einer derartigen Vorschrift erst einmal feststellen müssen, wie viele Diabolos von den Schützenscheiben zurück zum Schützen kamen und diesen verletzt haben. „ Wahrscheinlich sind in diesem Gremium und im Bundesministerium keine Sportschützen, sonst wäre das kein Thema, auf dem man jetzt herumreitet.“

Auch vom Vorschlag, die Scheiben in zwei Meter Höhe über der Schießscheibe anzubringen, hält er nichts. Eine Scheibe in dieser Höhe würde nicht mehr beachtet werden - und viele Vereine hätten nicht einmal die Möglichkeit, diese höher zu hängen. Schließlich könnte es darauf hinauslaufen, dass die aufwendig bemalten und handgeschnitzten Scheiben im Keller oder auf dem Dachboden verstaut werden müssen.

Hans Bottesch von der Schützengesellschaft Hubertus Hörlkofen bewertet die Regel als „typisch deutsch und extrem übertrieben“. „Die Kugel müsste, um eine ernsthafte Gefahr darzustellen, exakt auftreffen, was ich für fast unmöglich halte.“

Gabriele Gams, Rundenwettkampfleiterin im Schützengau Erding, ist seit 1989 aktiv und auch sie hat dabei „noch nie einen Rückpraller erlebt“. Es könne vielleicht welche geben, sie würden dann aber nie bis zum Schützen reichen. „Die Regel ist unnötig, und es ist schade, dass dadurch die Tradition vieler Jahre verloren geht.“

Dies ist allerdings nicht die einzige Sorge, die erfahrene Schützen haben. Alfred Zehetmeier, Schützenmeister von Alt-Niederneuching, glaubt, dass in den nächsten Jahren immer mehr Auflagen dazukommen. „Langsam werden wir Schützenvereine als gefährlich eingestuft, und das, wo wir doch immer auf höchste Sicherheit achten.“

Auch Marb ist überzeugt, dass dies noch nicht alles war, was Schützenvereinen in Zukunft noch vorgeschrieben wird. „Das Gremium wird suchen, um den Schießsport zu schmälern.“ Er fürchtet, dass unter derartigen Regelungen auch das Engagement Jugendlicher leiden könnte.

epr

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