Abgekupfert im Internet?

Schulen: Neue Software entlarvt Abschreiber

Landkreis - Jetzt geht es Schummlern an den Kragen: Mit Hilfe einer neuen Software können Lehrer künftig feststellen, ob in einer Seminararbeit Gedankengut aus dem Internet verwendet wurde.

Nicht nur namhaften Bundespolitikern fällt die richtige Zitiertechnik schwer: Auch an den Gymnasien versuchen vereinzelt Schüler, sich die Recherche für die Seminararbeit mithilfe von „copy and paste“ zu erleichtern.

Die Neuerungen für die gymnasiale Oberstufe waren mit der Einführung des G8 in Bayern umfangreich und auch für die Lehrkräfte mit manchen Umstellungen verbunden. Doch auch wenn anstelle einer Facharbeit nun eine Seminararbeit angefertigt werden muss, bleibt eine unumstößliche Regel erhalten: Wer abschreibt, kassiert eine sechs. Die Bewertung der wissenschaftlichen Arbeit mit null Punkten hat weitreichende Folgen, denn ohne eine bepunktete Seminararbeit wird die Zulassung zur Abiturprüfung nicht erteilt.

Bei der Erstellung der Arbeit werden die Schüler über ein halbes Jahr lang vom jeweiligen Seminarleiter begleitet. „Es gibt Beratungsgespräche und Einzelsitzungen, außerdem wird immer wieder ein Zwischenbericht über den Stand der Recherche verlangt. Ein unentdecktes Plagiat im Umfang einer ganzen Arbeit ist also kaum zu verheimlichen“, erklärt Helma Wenzl, Direktorin des Anne-Frank-Gymnasiums Erding. Falsche Zitierweise oder die Übernahme von kurzen Passagen ohne Kennzeichnung kämen allerdings häufiger vor. In solchen Fällen werden je nach Länge und Art der Textstellen Punkte bei der Beurteilung abgezogen.

Die Einführung von speziellen Softwares soll an vielen deutschen Schulen nun zur schnelleren Identifikation von aus dem Internet übernommenen Texten führen. Das Programm scannt verdächtige Textstellen in den Arbeiten und markiert diese bei Übereinstimmungen mit Internet-Einträgen.

Am Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) in Erding ist die zusätzlich Abgabe der Seminararbeit in digitalisierter Form bereits Pflicht, um die Überprüfung der Arbeit im Zweifelsfall zu vereinfachen. Die Nutzung einer speziellen Plagiat-Finder-Software hält aber auch Andrea Hafner, stellvertretende Schulleiterin am KAG, für unnötig: „Die Lehrer kennen ihre Schüler recht gut. Im Verdachtsfall werden die Quellen dann genau kontrolliert.“

Im Falle von sogenannten „Ghostwritern“ ist jedoch selbst die moderne Technik machtlos: Wenn die Hilfe der Eltern auf die Formulierung der gesamten Arbeit ausgedehnt wird, kann dies auch keine Software belegen. Gerade wenn die Eltern mit dem gestellten Thema näher befasst sind, könnten die Schüler auf dumme Gedanken kommen. „Bei der abschließenden Präsentation würde das aber auffallen“, meint Hafner. kgo

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