Traumhafte Aussicht: Sandra Kutschka und Benjamin Neuberg schippern auf ihrem Segelboot „Valiente“ in er Ägäis am türkischen Festland entlang.
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Traumhafte Aussicht: Sandra Kutschka und Benjamin Neuberg schippern auf ihrem Segelboot „Valiente“ in er Ägäis am türkischen Festland entlang.
Weltenbummler: Sandra Kutschka und Benjamin Neuberg.
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Weltenbummler: Sandra Kutschka und Benjamin Neuberg.
Ganz schön klein kommt man sich in den hohen Schleusen des Main-Donau-Kanals vor, hier bei Bamberg. 
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Ganz schön klein kommt man sich in den hohen Schleusen des Main-Donau-Kanals vor, hier bei Bamberg. 
Reparaturen am Boot stehen immer wieder mal an. Hier ist Sandra Kutschka in den Mast geklettert, um Arbeiten an der Spitze zu erledigen.
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Reparaturen am Boot stehen immer wieder mal an. Hier ist Sandra Kutschka in den Mast geklettert, um Arbeiten an der Spitze zu erledigen.

Sechs Monate unterwegs 

Mit dem Segelboot quer durch Europa

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Pastetten - Den Wind im Gesicht spüren, um sich herum nichts als Wasser: Die Pastettenerin Sandra Kutschka (28) und ihr Freund Benjamin Neuberg (29) haben ihre Wohnung gegen ein Segelboot getauscht, um von den Niederlanden bis ins Mittelmeer zu fahren. Sie sind mittendrin im sechsmonatigen Abenteuer.

Wer ein solches Abenteuer wagt, der braucht Mut: Mit dem Segelboot wollten die Pastettenerin Sandra Kutschka und ihr Freund Benjamin Neuberg nur über Flüsse von den Niederlanden bis ins Schwarze Meer und weiter ins Mittelmeer fahren. Dass sie den Mumm dazu haben, haben die beiden an Ostern bewiesen: Am 2. April starteten sie ihre Fahrt. Und den Mut, den haben sie sogar in doppelter Hinsicht, denn „mutig“ ist auch ihre Yacht: Valiente heißt die Bavaria 350, und das bedeutet aus dem Spanischen übersetzt nichts anderes als tapfer, beherzt – oder eben mutig.

„Der Name passt ganz gut, denn so einen Trip macht man nicht alle Tage“, sagt die 28-jährige Kutschka vor wenigen Tagen am Telefon. Sie und ihr Freund sind in Griechenland angekommen, haben bereits die Inseln Samos, Leros und Kalimnos besucht und liegen gerade in der Marina von Kos.

Vier Monate zu Wasser hat das Paar hinter sich. Weitere zwei Monate liegen noch vor ihm. Gestartet waren die beiden im Ijsselmeer in den Niederlanden. Von dort ging es über Deutschland, Österreich, die Slowakei und Ungarn raus aus der EU nach Serbien und weiter durch Bulgarien und Rumänien, bis die Donau schließlich im Schwarzen Meer endet. Danach segelten sie direkt weiter in die Türkei, wo Kutschka und Neuberg einen Monat lang blieben.

„Besonders die Formalitäten und Kontrollen bei Behörden und Zoll waren aufwändig. Das dauert schon mal einen halben Tag“, erzählt die Pastettenerin. Inzwischen sind sie im zehnten Land ihrer Reise angekommen. Nach einem Monat geht es weiter nach Kroatien und Italien. Bis Mitte Oktober wollen die Segler in Triest ankommen, von wo sie auf dem Landweg zurück nach Bayern fahren werden. Die Valiente bleibt dann erst einmal in Italien. „Wir haben noch nicht überlegt, was wir mit ihr danach machen. Eventuell verkaufen wir das Boot“, sagt Neuberg, genannt Benny.

Der 29-Jährige stammt aus der Nähe von Stuttgart und ist dem Segeln seit seiner Kindheit verfallen. „Mein Vater hatte ein kleines Motorboot. Mit dem sind wir von Regensburg nach Budapest auf der Donau gefahren. Ich wollte schon immer die komplette Donau abfahren“, erzählt er.

Für die Tour den Job gekündigt

Aus der Idee, das mit dem Kajak zu machen, wurde irgendwann das Segelboot. „Das ist viel komfortabler, quasi mit dem eigenen Haus unterwegs zu sein. Man hat Küche, Bad und Schlafzimmer dabei.“

Für Kutschka war der Segeltörn anfangs nur eine Gaudi, gibt sie zu. „Aber irgendwann ist es ernst geworden“, erzählt die junge Frau, die für die Tour extra einen Motorbootschein gemacht – und ihren Job gekündigt hat. „Ich wollte freigestellt werden, das hat leider nicht geklappt“, erzählt Kutschka, die im Außendienst tätig war.

Während sie im Herbst also Bewerbungen schreiben wird, konnte Neuberg die sechs Monate mit seinem Arbeitgeber flexibel lösen: Der Unternehmensberater ist in Teilzeit auch auf dem Boot zu erreichen. Dafür ist technisches Equipment an Bord – Laptop, Smartphone, Kamera. Außerdem wollen Familien und Freunde auf dem Laufenden bleiben. Fleißig werden der Blog www.sv-valiente.de sowie Facebook- und Instagram-Seiten gefüllt.

Kennen gelernt haben sich die Weltenbummler beim Studium, beide haben Wirtschaftsingenieurswesen studiert, sind seit rund zwei Jahren ein Paar und kürzlich zusammen in eine kleine Wohnung in München gezogen. „Da konnten wir schon mal üben, auf engstem Raum zusammen zu sein“, erzählt Kutschka lachend. Das klappe auch auf dem Boot gut. „Aber wir hängen auch nicht ständig aufeinander. Wir haben ja immer irgendwas im und am Boot zu tun oder zu reparieren“, ergänzt Neuberg.

Regelmäßig besuchen die beiden zudem das Festland und schauen sich Städte an – Wien, Budapest, Istanbul. Und ebenso regelmäßig bekommen die beiden selbst Besuch: Freunde begleiten sie eine Zeit lang an Bord. „Das lockert die Sache auf.“

Schlafplätze gibt’s auf der Valiente genug. Das war eines der Kriterien, die das Boot erfüllen musste. „Wir haben lange gesucht, denn wir wollten eines, mit dem wir auf dem Meer segeln können, das zugleich aber nur einen Tiefgang von deutlich unter zwei Metern hat, damit wir die Flüsse befahren können“, erzählt Neuberg. Nach einigen Besichtigungen, vielen Stunden Internetrecherche und zahllosen Bootsanzeigen war schließlich die Valiente in den Niederlanden gefunden.

Dann mussten Versicherungen abgeschlossen, Genehmigungen und Registrierungen eingeholt werden.

Gepäck wie für normalen Urlaub

Bei der Route selbst galt es ebenfalls, einiges zu beachten – gibt es Engstellen oder Strömungen? Wie sind Wetter, Wind und Wasserstand? Gar nicht so einfach, immerhin sind die beiden im Frühjahr gestartet – und da brauchten sie noch dicke Sachen. Inzwischen sind bei Temperaturen bis 40 Grad Bikini und kurze Hose die Kleidung der Wahl.

„Gepackt haben wir eigentlich wie für eine normale Reise. Zwischendurch wäscht man mit der Hand oder in einem Waschsalon“, erzählt Kutschka. Der 300-Liter-Tank mit Süßwasser hält bei zwei Personen rund eine Woche, „und man lernt, Wasser bewusster zu nutzen, denn das gibt’s nicht im Überfluss“.

Was auf Vorrat eingepackt wurde, waren haltbare Lebensmittel wie Nudeln oder Pesto. Obst und Gemüse kaufen die beiden frisch an Land. „Wir legen ja mindestens einmal pro Woche an“, erzählt Neuberg. Für diese Ausflüge sind zwei Klappräder an Bord. Das Boot liegt derweil in großen Marinas oder kleinen Fischerhäfen.

„Mit Google-Translator, Händen und Füßen kann man sich schon verständigen“, sagt Kutschka und erzählt von ihrem Stopp in einem kleinen Hafen im türkischen Marmarameer. In der Türkei waren die Segler zur Zeit der Präsidentschaftswahl im Juni. Sorgen wegen der politischen Lage haben sie sich keine gemacht. „Wir sind ein, zwei Tage nach der Wahl angekommen, ohne zu wissen, wie sie ausgegangen ist und wie die Stimmung ist. Aber die Leute waren sehr hilfsbereit und herzlich“, erzählt Kutschka. „Und sie bedauern, dass die deutschen Touristen ausbleiben“, ergänzt ihr Freund.

„Eine Klimaanlage wäre nicht schlecht“

Nach den persönlichen Highlights der Reise gefragt, brauchen sie nicht lange überlegen: „Für mich war das Donaudelta ein Höhepunkt. Wir haben mit dem Schlauchboot die Kanäle erkundet und sogar Pelikane gesehen“, schwärmt Kutschka. Für Neuberg war Deutschland an sich ein Highlight: „Wegen der Strömung sind wir auf dem Rhein am Tag nur 30 Kilometer weit gekommen. Wenn man so langsam fährt, sieht man viel mehr. Der Ruhrpott oder Köln, da war ich noch nie. Man lernt das eigene Land und die Städte ganz anders kennen, wenn man sie vom Wasser aus bereist.“

Aber gibt es nach vier Monaten auf engstem Raum nichts, das man vermisst? „Nein“, sagen beide wie aus einem Mund. „Wobei, eine Klimaanlage wäre nicht schlecht“, meint Kutschka lachend. Wenigstens gibt’s die Abkühlung im Meer ja direkt vor der Haus(boot)tür. „Das ist ein bisschen wie Camping-Urlaub, nur auf dem Wasser“, sagt Neuberg. Und die Klimaanlage, die bräuchten die beiden derzeit in ihrer Wohnung daheim in Bayern auch.

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