Die schneeweißen Springerle waren früher ein beliebtes Festtagsgebäck. Sandra Angermaier (r.) zeigt zwei Springerle in Form von so genannten Fatschenkindern, die auch als Christbaumschmuck dienten. Foto: Macht

Vom Springerle zum Schoko-Bischof

Erding - Besuch in der Schokoladen-Werkstatt: Um vorweihnachtliche Leckereien im Wandel der Zeit geht es beim Adventskalender des Katholischen Bildungswerks.

Spekulatius, Plätzchen, Stollen: Die Adventszeit ist voller süßer Verlockungen. Kaum vorstellbar, dass das nicht immer so war. „Eigentlich ist der Advent eine strenge Fastenzeit. Eine Zeit der Einkehr, Buße und Vorbereitung auf das Christfest“, erklärte Sandra Angermaier in der Schoko-Laden-Werkstatt in Erding. Im Rahmen des Adventskalenders „Auf Weihnachten zua“, den das Katholische Bildungswerk (KBW) heuer zum dritten Mal aufgelegt hat, standen jetzt vorweihnachtliche Leckereien im Vordergrund.

„Früher gab es eigentlich keine Süßigkeiten“, erzählte Angermaier. Denn selbst die Lebkuchen, Lebzelten genannt, waren längst nicht so süß wie heute. Sie waren vielmehr eine Fastenspeise. Und während man sie heute mit dem Winter verbindet, wurden sie einst das ganze Jahr über verzehrt. Spezielle, mit Zuckerguss und einem Bild des Heiligen Nikolaus versehene Exemplare habe man anno dazumal neben Nüssen und Äpfeln zum Nikolaus verschenkt.

Traditionell ende die Weihnachtsfastenzeit nach der Christmette an Heiligabend beziehungsweise am ersten Weihnachtsfeiertag. Dann wurden so genannte Springerle verzehrt, ein Anis-Gebäck aus Eierschaumteig, verziert mit einem reliefartigen Bild. „Die Teigproduktion dafür dauert sehr lange. Der Teig geht auf und muss trocknen, bevor er im Backofen nur noch hart wird“, berichtete Angermaier. Besonders beliebt zur Weihnachtszeit seien die Springerle, die auch als Christbaumschmuck aufgehängt wurden, als so genannte Fatschenkinder. Diese Form eines gewickelten Säuglings sei ein Symbol für das Jesuskind.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts schließlich sei die Schokolade nicht mehr aus dem Advent wegzudenken. „Schokoladenfiguren wurden früher in Metallformen gegossen. Meistens waren sie aus Vollmilchschokolade und etwas ganz Besonderes“, erklärte Erika Kania von der Schoko-Laden-Werkstatt. Heute nutze man Gießformen aus Plexiglas. In sie malt man zunächst mit Lebensmittelfarben Augen, Bart & Co., bevor die Schokolade eingegossen wird. Wird die Figur später in Stanniol verpackt, ist dieses so genannte Schminken nicht nötig.

In den Geschäften gibt es vor allem schokoladige Weihnachtsmänner mit Rauschebart - nicht jedoch den echten Nikolaus mit Bischofsstab und Mitra. „Es werden aber vermehrt Bischöfe nachgefragt. Die Menschen wollen zurück zur Tradition“, erzählte Kania, die den gut 25 Besuchern auch vieles zur Herstellung von Schokoladenfiguren an sich erklärte.

Der Adventskalender des KBW bietet bis Heiligabend täglich ab 16 Uhr eine halbe Stunde zum Innehalten, Hören, Staunen und Schauen. Das Programm gibt’s auf www.kbw-erding.de. (vam)

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