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Spuren jüdischer Flüchtlinge gefunden

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Vor Ort erklärten Bürgermeister Heinz Grundner, Altbürgermeister Hermann Simmerl und Stadtsprecher Georg Seitz die Entdeckung
Vor Ort erklärten Bürgermeister Heinz Grundner, Altbürgermeister Hermann Simmerl und Stadtsprecher Georg Seitz die Entdeckung

Dorfen - Das ist eine kleine Sensation: Bei der derzeit laufenden Sanierung des Jakobmayer-Gebäudes ist ein Stück bislang weitgehend nicht bekannter Stadtgeschichte endeckt worden. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Juden für einige Jahre in der Stadt Zuflucht gefunden.

Dorfen - Der Dorfener Restaurator und Kirchenmaler Michael Hornsteiner hat bei den Sanierungsarbeiten im Gebäude eine fast schon sensationelle Entdeckung gemacht: An zwei Wänden fand er unter dem alten Farbanstrich Malereien eines Menora-Leuchters und eines Davidsterns. Beide gehören zu den wichtigsten religiösen Symbolen des Judentums.

Da nicht bekannt war, aus welcher Zeit diese Wandmalereien stammen, schaltete die Stadt das Landesamt für Denkmalpflege ein. Laut Bürgermeister Heinz Grundner wurde zunächst davon ausgegangen, dass es in Dorfen vor dem Ersten Weltkrieg möglicherweise eine jüdische Kultusgemeinde gegeben haben könnte. Doch erste Nachforschungen haben ergeben, dass die Malerei wohl erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist. Grundner: „Kunsthistorisch gesehen müssten die Malereien nicht zwingend erhalten werden. Aber das Landesamt hat uns empfohlen, aus lokal- und religionsgeschichtlichen Gründen die beiden Malereien zu erhalten.“

Sowohl der Menora-Leuchter als auch der Davidstern werden erhalten - und zwar im jetzigen Zustand. Durch eine Glasplatte geschützt sollen die beiden Malereien „ein zeitgeschichtliches Dokument“ der Stadtgeschichte sein, so Grundner. Die Stadt hat mittlerweile auch die israelitische Kultusgemeinde in München über die Entdeckung in Dorfen informiert.

Der Dorfener Altbürgermeister Hermann Simmerl, der auch im Vorstand des Historischen Kreis Dorfen tätig ist, hat aufgrund verwandschaftlicher Beziehungen herausgefunden, dass nach dem Zweiten Weltkrieg knapp 80 Juden nach Dorfen kamen. Viele von ihnen hatten wohl die Konzentrationslager der Nazis überlebt und fanden in Dorfen fürs Erste eine Zuflucht. „Die erste Anlaufstelle war möglicherweise der Jakobmayer“, so Simmerl, dessen Schwester später einen der in Dorfen lebenden Juden heiratete und mit ihm später in die USA auswanderte. Während die meisten der Juden nach einigen Jahren Deutschland verließen und nach Israel und Amerika auswanderten, blieben etliche und übernahmen ihnen von Amerikanern zugewiesene Geschäfte. Laut Simmerls Recherchen wurde der Jakobmayersaal von den Juden als Begegnungsstätte, nicht aber als Synagoge genutzt.

Die Stadt will laut Bürgermeister Grundner weiterforschen, wie die Juden in Dorfen damals gelebt haben. Das sei interessant für die Nachkriegsgeschichte der Stadt.

Anton Renner

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