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Bitte recht freundlich: Die Kühe in Katterloh zeigen sich von ihrer Schokoladenseite beim Stallgespräch mit (v. l.) Hubert und Maria Nußrainer, Kreisobmann Jakob Maier und der stellvertr etenden Kreisbäuerin Lore Hermannsdorfer. 

Stallgespräch des Bayerischen Bauernverbandes

Hightech im Kuhstall

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Melkroboter ziehen in immer mehr Milchviehbetriebe ein. Auch die Nußrainers in Katterloh setzen auf Hightech in ihrem Kuhstall. Für das Stallgespräch des Bayerischen Bauernverbands öffnete der Familienbetrieb seine Türen.

KatterlohMorgen beginnt in Berlin die Grüne Woche. Die weltweit größte Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau war für den Bayerischen Bauernverband (BBV) wieder Anlass, zu einem Stallgespräch einzuladen. Der Betrieb der Familie Nußrainer in Katterloh (Gemeinde Pastetten) gewährte dafür einen Blick hinter seine Stalltüren.

In der Öffentlichkeit werde „oft in Frage gestellt, wie wir wirtschaften“, sagt Jakob Maier. Tierwohl, Insektensterben, nachhaltige Bodenbewirtschaftung, Glyphosat – „derartige Problemfelder werden teilweise sehr vereinfacht dargestellt“, moniert der Kreisobmann. Schnell sei die Landwirtschaft als großer oder gar einziger Buhmann ausgemacht. Vor allem die konventionelle Produktionsweise werde hart kritisiert. „Dabei wissen viele Leute gar nicht, wie wir arbeiten. Daher wollen wir das auf lokaler Ebene zeigen“, erklärt Maier.

Kühe haben im Laufstall mehr Platz

2009 hat Hubert Nußrainer (37) mit seiner ein Jahr jüngeren Frau Maria die Landwirtschaft von seinen Eltern übernommen. Zur Familie gehören auch die Kinder Magdalena (12), Anton (9) und Andreas (8). Die Vollerwerbslandwirte betreiben Ackerbau und bewirtschaften Grünland, insgesamt 55 Hektar, die sich zum Großteil rund um ihren Hof in Katterloh befinden. Angebaut werden Wintergerste, Winterweizen und Silomais – als Futter für die rund 80 Milchkühe mit Nachzucht.

2015 haben sich die Nußrainers entschieden, einen neuen Laufstall zu bauen. „Jetzt haben die Kühe mehr Luft, Licht und Platz“, erklärt Hubert Nußrainer. Doch der Neubau kam zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: „Gerade hatten wir viel Geld investiert, und dann kam die Klatsche mit dem Milchpreis“, erinnert er an Preise von teilweise gerade 26 Cent pro Kilogramm. Derzeit gebe es – immerhin – wieder rund 40 Cent. „Aber es heißt, der Preis soll wieder runtergehen“, sagt der 37-Jährige.

Die Milchviehhalter stellen im Landkreis Erding laut Zahlen des BBV nach wie vor die größte Gruppe der Betriebe mit Viehhaltung (siehe Kasten). „In Bayern ist die Tierhaltung sehr wichtig, denn meist ist hier die Flächenausstattung nicht so groß, um rein vom Ackerbau leben zu können“, sagt Maier, der selbst Erfahrung mit Milchviehhaltung hat. Lore Hermannsdorfer, stellvertretende Kreisbäuerin, ergänzt: „Ohne Tierhaltung könnten wir gar nicht überleben.“ Um den Betrieb wirtschaftlich zu führen, seien Tiere unerlässlich. Und sie seien ein wichtiger Faktor, „wenn wir unsere Vielfalt in der Agrarlandschaft und die kleinen Familienbetriebe, die man so gerne haben will, weiter behalten möchten“, so Maier.

Computer und Handy sind immer dabei

Die Nußrainers führen einen solchen Familienbetrieb, in dem die Eltern noch kräftig mitarbeiten. Auch Maria Nußrainer, gelernte Metzgereiverkäuferin, möchte die Arbeit auf dem Bauernhof nicht mehr missen. Sie kümmert sich als „Kälbermanagerin“, so ihr Ehemann liebevoll, vor allem um den tierischen Nachwuchs. Und ein Hofnachfolger steht auch schon in den Startlöchern: „Unser Sohn Anton, der am Sonntag zehn Jahre alt wird, hat schon jetzt nur die Landwirtschaft im Kopf“, erzählt der Papa strahlend. „Wir wollen deshalb darauf hinarbeiten, dass er den Betrieb einmal übernehmen kann.“

Mit dem Bau des neuen Laufstalls haben die Nußrainers auch einen Melkroboter angeschafft. Seitdem sind Computer und Handy zu festen Bestandteilen der Arbeit geworden. Dank moderner Sensorik lässt sich leicht feststellen, ob den Kühen etwas fehlt oder wie viel sie sich bewegt haben. Und wenn einzelne Tiere besondere Aufmerksamkeit benötigen, erfolgt sofort eine Warnung. Jede Kuh trägt einen Transponder um den Hals, mit dem sie automatisch erkannt wird. Die Kühe gehen selbstständig zum Melken, die meisten drei Mal am Tag. „Weil der Druck im Euter dadurch geringer ist, ist das auch sehr gut für die Gesundheit“, erklärt Landwirtschaftsmeister Nußrainer, in dessen Stall übrigens jede Kuh nicht nur eine Nummer ist, sondern auch einen Namen bekommt. So wie die graue Natascha.

Aufwand wird nicht immer belohnt

„Die Technik ist eine große Unterstützung und Entlastung“, sagt Maria Nußrainer – auch in Sachen Flexibilität für die junge Familie. Dafür ist der Verwaltungsaufwand gestiegen. „Man ist inzwischen fast mehr im Büro als auf dem Feld draußen.“

Wie die Nußrainers betreibt der Großteil der Milchviehhalter im Freistaat eine konventionelle Landwirtschaft. „Bayernweit haben wir noch weniger als zehn Prozent Biobetriebe. Das ist nach wie vor eine Nische“, erklärt Maier, der sich für jeden Kollegen freut, bei dem sich diese Art der Bewirtschaftung auch wirtschaftlich trägt. Das habe letztlich auch der Verbraucher mit seiner Kaufentscheidung in der Hand. Doch nicht immer werde der zusätzliche Aufwand honoriert.

„Wir sollen Nahrungsmittel in Topqualität und mit höchsten Tierwohlstandards produzieren, aber zu billigsten Preisen. Das geht einfach nicht“, sagt der Kreisobmann und fügt an: „Man kann gern vieles von uns fordern, aber auch bei uns muss das betriebswirtschaftliche Ergebnis am Ende passen.“

Es könne nicht sein, dass manch ein Kollege seine Landwirtschaft mit einem Nebenjob subventionieren müsse, nur damit er sich über Wasser halten könne. Schließlich heiße nachhaltig auch, „dass die Betriebe eine Zukunft haben“.

von Vroni Macht

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