„Die Airfolgsregion ist mehr als ein Rechtschreibfehler“, meinte Wolfgang Krebs alias Edmund Stoiber. Die 200 Gäste in der Airbräu-Tenne applaudierten. Fotos: priglmeir

Starkbier-Anstich: Warum Eitting den Kanal voll hat

Flughafen - „Der Mann ist wirklich besser als das Original“, grinste Klaus Stallmeister. Gut eine Stunde lang hat Wolfgang Krebs beim Starkbier-Anstich im Airbräu den Edmund Stoiber gegeben. Und der kennt sich offenbar aus im Flughafenumland.

Längst ist der ehemalige Landesvater die Paraderolle des Kabarettisten Wolfgang Krebs. Beim Aviator-Anstich in der Airbräu-Tenne macht er nochmal, deutlich, dass Stoiber und Starkbier eine „Verbindung ist wie Pech und Schwafel, wie Latex und Lederhose, ähem, ich meine Laptop und Leberkäse“. Er lässt „rekonstrukapitulieren“, was seit seinem Abschied im September 2007 passiert ist - „damals gab es noch keine Bankenkrise, höchstens eine Frankenkrise“. Er schimpft aber nicht nur über seine Königsmörder, „diese billigen Brutus-Duplikate“. Als ehemaliger Landesvater hatte er die Flughafenregion im Blick. Nicht zuletzt dank der Zuflüsterer Anna Brückner und Ingo Anspach, die gemeinsam mit Wolfgang Krebs die Rede verfasst hatten, wird auch den Lokalpolitikern kräftig eingeschenkt.

Größter Schmelzkäse in Hallbergmoos

„Ich bin ein Hallbergmooser“, ruft Stoiber. Deren Bürgermeister Klaus Stallmeister - das verriet er später der Heimatzeitung - würde den Krebs-Stoiber zum Ehrenbürger machen. Dabei hatte Stoiber zwar den Altersdurchschnitt gelobt, der bei gerade mal 36 Jahren liegt, dann aber danach aber das Gerücht verbreitet, „dass man den ältesten Hallbergmooser vergiften musste, um endlich den Friedhof einweihen zu können“. Der Ort - „mit 70 Nationen der größte Schmelzkäse, ähem Schmelztiegel weit und breit“ habe den Flughafen längst eingemeindet, indem er rechtzeitig sein eigenes Munich Airport Business Center eröffnet habe. Stoiber zum Bürgermeister: „Da wäre es doch eigentlich folgerichtig gewesen, wenn Sie die dritte Bahn auch gleich dazu genommen hätten, dann müssten Sie jetzt nicht ständig nach einem Haltepunkt für die S-Bahn verlangen, denn dann könnten ihre Gäste gleich nach der Landung direkt im Business Park aussteigen.“

Eittinger Pilotversuch mit der Ackerlandung

Direkt am Ort aussteigen - dazu habe es ja einen Pilotversuch in Eitting gegeben, erinnert Stoiber an die Fokker 70 der Austrian Airlines, die vor sechs Jahren auf einem Acker in Reisen gelandet ist. „Da kann man schon verstehen, Herr Bürgermeister Wiester, dass Sie manchmal den Kanal voll haben vom Flughafen - also vor allem den zu Ihrem Eittinger Klärwerk. Da sagen böse Zungen natürlich, der Airport wächst und wächst und Sie haben die Schei . . . äh scheinbar unangenehmen Folgen.“

Alles paletti im Logistikpark

Oberding bietet laut Stoiber neben schicken Übernachtungsmöglichkeiten („Warum steht das Novotel am Flughafen, und nicht in Oberding?“) auch als Logistikstandort exzellente Perspektiven. „So gesehen ist dort gewissermaßen alles palletti“, bilanzierte Stoiber.

Erdinger Niederlage gegen Franken

Dass Erdings Bürgermeister Max Gotz fehlte, entschuldigte Stoiber großzügig: „Er hat es schließlich nicht mehr nötig, nachdem sich Erding ein eigenes Wirtshaus gekauft hat. Er muss täglich beim Mayr-Wirt seiner Austrinkpflicht, äh Aufsichtspflicht nachkommen.“ Für die Kaufsumme von zweieinhalb Millionen Euro habe die Stadt auch noch eine Sempt-Wiese bekommen, die „so wunderbar ins Konzept für die Landesgartenschau 2018 gepasst hätte“. Dass Erding auf der Ziellinie von Würzburg abgefangen worden war, tut Stoiber persönlich weh: „Liebe Erdinger, wer könnte besser nachempfinden als ich, was das für ein Gefühl ist, wenn man genau weiß, dass man objektiv der Bessere ist und einem dann trotzdem von einem Franken die Schau gestohlen wird.“ Aber vielleicht klappe es ja mit einer Bewerbung bis zum Jahr 2070, macht Stoiber Mut.

Dorfen, Taufkirchen - das bisserl Fast-DDR

Gerade die Anhänger des S-Bahn-Ringschlusses hätten schließlich gelernt, in großen Zeiträumen zu denken.

Das gelte auch für die Freunde der Flughafentangente Ost, die sich jetzt nach 30 Jahren Bauzeit auf 30 Kilometer Straße freuen dürften. „Freilich hätte man das Ganze besser als Autobahn planen sollen,“ meint Stoiber, „aber wer hat denn das vor 30 Jahren ahnen können, dass auf einmal vom Osten her auch Leute zum Flughafen wollen. Aus der DDR kamen ja damals nicht so viele und das bisserl Fast-DDR, also Dorfen, Taufkirchen und St. Wolfgang, hätte man locker über eine Postkutsche anbinden können“.

Woodstock in Moosburg

Weil Moosburg im Juli unter dem Titel „Die verbotene Stadt“ die eigene Entstehungsgeschichte als Open Air Festival inszeniert, nennt Stoiber den Ort schon in einem Atemzug „mit den großen historischen Festspielstätten Landshut, Kaltenberg und Woodstock“. Natürlich könne Freising mit einem eigenen Festival zur Stadtgeschichte kontern, „aber wer will schon jedes Jahr eine Brücke abbrennen?“

Was hat der Papst Freising versprochen?

Außerdem habe Oberbürgermeister Dieter Thalhammer schon genug damit zu tun, Papst Benedikt die Ehrenbürgerschaft quasi nachzutragen. Stoiber fragt sich, was die Freisinger Delegation am Vatikan rausgeholt hat: „Steht der Freisinger Stadtrat vor der Heiligsprechung? Oder soll sich die dritte Bahn am Tag ihrer Inbetriebnahme in fruchtbares Weideland oder gar in ein prosperierendes Freisinger Gewerbegebiet verwandeln?“

Die Wahrheit über

die Sicherheitspanne

Aber Stoiber hat nicht nur Fragen. Freudig erzählt er vom Superservice an der Sicherheitsschleuse: „Da komme ich also mit dem leicht beschmutzten Laptop zum Münchner Flughafen, und was macht die nette Dame von der Kontrollstelle? Sie nimmt sich unaufgefordert ein Staubtuch und wischt meinen Laptop ab.“ Offenbar, so erzählt der „Ministerpräsident des ehemaligen Bayern“, wollte sie noch einen freundlichen Plausch mit ihm halten, weil sie ihn gebeten habe zu warten. „Ich war aber so knapp dran mit dem Flieger nach Brüssel, dass ich gleich weiter bin. Stoiber erfreut: „Die müssen das mit meinem Zeitproblem mitgekriegt haben, denn ich war kaum durch die Kontrolle, da hieß es plötzlich: Alles auf Stopp, kein Flieger darf mehr rausgehen!“ Womit auch dieses Rätsel gelöst wäre.

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