Starkbierfest: Bürgermeister beim Scheitlknien

Wartenberg - Die Missklänge zwischen Warteberg und Langenpreising waren Thema beim Starkbierfest des TSV Wartenberg. Fastenpredigerin Schwester Faustina und die Akteure beim Königlich Wartenberger Amtsgericht nahmen die Lokalpolitik aufs Korn.

Sieglinde Lösch alias Schwester Faustina wuchs beim Starkbierfest des TSV Wartenberg am Samstag über sich selbst hinaus. Der Reitersaal war rappelvoll. „Schaut, dass alle etwas zusammenrutschen, dass alle Platz haben!“, rief Vorsitzender Thomas Rademacher bei der Begrüßung. Ein passender Wunsch für die Fastenpredigt und das folgend Königlich Bayerische Amtsgericht: das Wir-Gefühl - in Wartenberg und unter den Nachbargemeinden.

Schwester Faustina lud erst mal die drei Bürgermeister vor: Manfred Ranft erhielt ein Büßerhemd „aus erstklassigem Kartoffelsackleinen“, musste auch etwas Asche auf sein Haupt erdulden, und das alles wegen jener 100 Euro, zwecks denen der Gemeinderat „dich drei Mal auf des Armesünderbankerl hocka lasst“. Die Entlastung für die Jahresrechnung 2013 erteilte ihm der Marktrat ja dann doch.

Peter Schickinger kam noch am besten weg, denn bei seiner Senioren-Sprechstunde, „da kimmt er dann als Senior zu sich, geht in sich, bis er sich findet“. Damit er das nicht mehr immer nur für sich allein tun muss, erhielt er einen Spiegel. „na seids immerhin scho zu zwoat“.

Christian Pröbst bescheinigte die Ordensschwester eine „organische Anomalie“, denn: „Zwei Herzen schlagen, ach, in seiner Brust.“ Gemeint war das des 3. Bürgermeisters und das des Stockschützen, was sich nicht immer verträgt. Und so erhielt er eine Flasche „Doppelherz.“ Die Geschenke fanden immer bei viel Gelächter in der Halle ihren neuen Besitzer, auch die Hirnwurst für jeden der drei. Denn: „Wos brauchan de an Hirn, vui Hirn!“

Den Rest der Predigt durften die Bürgermeister sich im sitzen anhören. Thema waren unter anderem die „Synergieeffekte“ beim Hallenbau, die der Marktrat „auf dem Klo“ gefunden habe, sprich: die gemeinsame Nutzung der Toilettenanlagen. Zu den „Gutmenschen“ vom Asyl-Helferkreis stellte die Ordensschwester klar: „Ohne de Gutmenschen wärs ned bloß brenzlig, do wärs vielleicht scho richtig brandig.“ Die Stärke des Beifalls signalisierte: Volltreffer!

„Gästehaus“ am Kreisverkehr

Weiter ging es zur „erhitzten Eiszeit“ zwischen Wartenberg und Langenpreising: Das „Gästehaus“ am Kreisel neben der Kläranlage könne sogar dem Fremdenverkehrs- und Gewerbeverein Wartenberg helfen, dass es wieder mehr Fremdenverkehr in der Marktgemeinde gebe. Die Kinder der Gäste - also der Flüchtlinge im geplanten Heim - machen in Faustina Fantasie das Seepferdchen in der Strogen, die Väter tauchen in der Kläranlage, die Mütter lassen sich eine „Ganzkörper-Klärschlammpackung“ machen.

Die Ampel an der Thenner Straße war lange eine CSU-Ampel, denn sie zeigte nur schwarz. Die Verkehrssituation vor dem Kindergarten, die verdorbene Miss-Wahl beim Volksfest, natürlich die hinter dem Festzelt gefundenen Wäschestücke - alles kam vor. Gerade letzteres sorgte für Heiterkeit, und so schalt sie den Bürgermeister: „Do sogt ma ned freudig ,Oha‘ sondern ,Um Gottes wuin‘ und ist entrüstet!“

Die Eiszeit in der VG, oder wie die Bürgermeister eine neues Wir-Gefühl finden können, war Thema der Verhandlung vor dem Königlich Wartenberger Amtsgericht. Schwer verletzt schleppten sich in dem Stück die Bürgermeister Peter Deimel (Langenpreising) und Simon Oberhofer (Berglern) in den Gerichtssaal. Die Blessuren stammen von einer Feuerwehrübung, angeordnet von Manfred Ranft (Wartenberg): Das Sprungtuch musste ja getestet werden, und die beiden vollschlanken Gemeindechefs sprangen gleichzeitig aus dem Fenster. Das blieb nicht ohne Folgen, vor allem für die armen Feuerwehrler. Die beiden Schwerverletzten forderten nun 1000 Mark Schmerzensgeld.

Aber auch Ranft hatte Klage erhoben. Er warf seinen Amtskollegen, vor gegen ihn zu intrigieren. Ein Auftrag an den Bauhof, mit Briefkopf von Langenpreising, die Möbel in Ranfts Büro zu entsorgen und das Büro rosarot zu streichen, musste vor Gericht dafür als Beweis herhalten.

Gemeindearbeiter Konrad Gruber widersprach als Zeuge aber seinem Chef. „Von denen zwei täte ich sowieso nichts annehmen“, sagte er über den angeblichen Auftrag aus Langenpreising. Der Verbleib der Möbel blieb so unklar wie ein weiterer Tathergang in diesem komplizierten Fall: Das Klohäusel war ständig zugesperrt, wenn Ranft ein Bedürfnis hatte. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als schnell zum Reiter rüberzugehen. Wie aber wirkt das in der Öffentlichkeit, wenn ein Bürgermeister über Wochen jeden Tag um 10 Uhr morgens vom Wirt herauskommt? Ranft versuchte, den Richter zu überzeugen, dass auch dahinter die Kollegen Deimel und Oberhofer steckten.

Bestochene Putzfrau

Die Befragung der Putzfrau Gurgl Steckerlfisch („Ich bin für die Klos zuständig.“) brachte keine Klarheit - wohl auch, weil Ranft der Putze für alle sichtbar einige Geldscheine zuschob. Die Gäste trommelten vor Lachen auf den Tischen. Auch „Metallbau-Oberbürgermeister“ Pröbst spielte eine Rolle, Ranft warf ihm vor, die Auflösung der VG nur zu verlangen, um zu einem eigenen Büro im Rathaus zu kommen.

Das Urteil hätte dem biblischen König Salomo alle Ehre gemacht: Ranft wurde verdonnert, eine Runde Bier zu zahlen. Die Schmerzensgeldklage wurde mangels Beweisen zurückgezogen. Der Gerichtsdiener schleppte dann zwei Balken herbei, auf denen die Streithähne knien mussten wie bei einem Patenbitten. Nun werden neue Möbel für Ranfts Büro beschafft, und zwar bei einem bekannten schwedischen Möbelhaus. Die vier müssen sie dann gemeinsam zusammenschrauben. „Das stärkt das Wir-Gefühl!“

Mitwirkende: Richter: Rainer Bruchmann; Gerichtsschreiber: Thomas Hamberger; Gerichtsdiener: Christian Furtner; Anwalt: Peter Erb; Peter Deimel: Thomas Danner; Simon Oberhofer: Dominik Ertl; Manfred Ranft: Franz Dellel; Christian Pröbst: Michael Halbritter; Gurgl Steckerlfisch: Christian Hamberger; Franz Ganslmaier: Alexander Dellel; Konrad Gruber: Martin Maier.

Bilder: Starkbierfest des TSV Wartenberg

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