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Ob tatsächlich die Flüchtlinge die Steine in der Nacht geworfen haben, ist laut Bürgermeister nicht bewiesen. Die ausländerfeindlichen Sticker sind jedoch eindeutig vorhanden.

Ausländerfeindliche Sticker auf Mülltonnen

Bürgermeister Gneißl über Flüchtlinge: „Das sind gebildete Leute“

Hörlkofen  - Ob Asylbewerber in Hörlkofen Steine auf Autos geworfen haben, ist nicht klar. Trotzdem gibt es Hetz-Aufkleber. Bürgermeister Thomas Gneißl stellt sich klar vor die Flüchtlinge.

Dass Flüchtlinge, die erst vor wenigen Tagen den Hörlkofener Wohncontainer bezogen haben, Steine auf fahrende Autos geworfen haben könnten, ist für Wörths Bürgermeister Thomas Gneißl, seine Stellvertreterin Ulla Dieckmann und Verwaltungsbeamtin Maria Gaigl schwer vorstellbar. Es sei lediglich eine unbewiesene Vermutung. Im Gespräch mit der Heimatzeitung erzählten sie von durchwegs positiven Erlebnissen mit den Neuankömmlingen.

 „Das sind kommunikative, belesene und gebildete Leute“, sagte Gneißl, der vor einer „Vorverurteilung“ warnte. Dieckmann wies daraufhin, dass es zu dem Vorfall auch andere Hinweise gebe. Zudem sei die Straße dort aufgefräst und es lägen Steine herum, die auch von einem fahrenden Auto aufgewirbelt werden könnten. Tatsache ist allerdings die Vielzahl ausländerfeindlicher Sticker, die an den Mülltonnen angebracht, inzwischen entfernt und der Polizei zur weiteren Ermittlung übergeben worden sind. Derartige Sticker habe es auch bei anderen Asylunterkünften im Landkreis gegeben.

Die 21 Männer und drei Frauen, die in Hörlkofen untergebracht sind, stammen aus Syrien. Unter ihnen sind zwei Medizinstudenten, ein Student der Grundschulpädagogik, ein Mann aus der Modebranche, ein Koch, ein Maler, eine Friseurin und ein Künstler, der töpfert. Man könne sich sehr gut auf Englisch verständigen. Die Flüchtlinge wollten schnell Deutschkenntnisse erwerben. Ehrenamtlichen Unterricht will man über den rund 50-köpfigen Helferkreis organisieren. Auch ein Treffen mit den Asylsuchenden soll im Pfarrheim stattfinden. Der syrische Koch habe angeboten, dafür etwas zuzubereiten.

Flüchtlinge zeigen Interesse am Dorfleben

In der Hausgemeinschaft hätten einige Bewohner sofort Verantwortung übernommen. „Es bilden sich sichtbare Strukturen heraus, die für uns wichtig sind“, meinte Gneißl. Man habe schon Ansprechpartner. Die gemeinschaftliche Nutzung der Küche sei eigenständig organisiert worden. „Die Männer haben gleich den Boden geputzt“, erzählte Dieckmann. Im örtlichen Supermarkt hätten die müden und hungrigen Menschen erst einmal Lebensmittel gekauft. Als sie das Willkommensschild sahen, das Gemeindebürgerin Lizzy Altmann gestaltete, „ging die Sonne auf“. Später hätten fast alle Flüchtlinge interessiert an einer Dorfbesichtigung mit dem Helferkreis und Kirchenpfleger Bernd Jocham teilgenommen.

 Die Syrer seien von der Freundlichkeit der Bevölkerung sehr beeindruckt gewesen. Bei der Kirchenbesichtigung habe sich herausgestellt, dass die Menschen muslimischen Glaubens mit dem Christentum vertraut sind und das Miteinander der Religionen schätzen. „Sie sind sehr bemüht, alles richtig zu machen, damit es keine Probleme gibt“, berichtete Maria Gaigl von der ersten Kontaktaufnahme. „Auch sie haben Ängste“, ergänzte Dieckmann, die für die Koordination des Hörlkofener Helferkreises zuständig ist. Gneißl hat die Nachbarn informiert, als der Container bezogen wurde. Außerdem sollen die Anwohner bald zu einem Besuch in der Flüchtlingsunterkunft eingeladen werden. Zudem will man ein Faltblatt im Ort verteilen.

Begrüßenswert fand es Gneißl, dass der Landkreis auf Bitten von Gemeinde und Kirchenverwaltung die Außenanlagen ansehnlich gestaltet hat. Von der Inneneinrichtung seien die Asylsuchenden freudig überrascht gewesen.   

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vev

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