Alles Handarbeit: Jedes Jahr bastelt Maria Graf die Osterkerze für die Kirche St. Florian in Hofstarring.
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Alles Handarbeit: Jedes Jahr bastelt Maria Graf die Osterkerze für die Kirche St. Florian in Hofstarring.

Mesnerin Maria Graf aus Hofstarring fertigt jedes Jahr eine Osterkerze an

Alles aus Wachs und ein paar echte Nägel

Jahr für Jahr stellt Mesnerin Maria Graf aus Hofstarring eine große Osterkerze für die örtliche Kerze her. Mit teils besonderen Materialien.

Hofstarring – Verzieren und dekorieren, das tut Maria Graf für ihr Leben gern. Seit 2004 kann sie ihre Leidenschaft auch als Mesnerin in der Kirche St. Florian in Hofstarring ausleben, in dem Ort, wo sie mit ihrer Familie wohnt. Seither stellt die vierfache Mutter – und bald fünffache Oma – auch alle Jahre eine große Osterkerze in den Altarraum, die sie selbstverständlich selber kunstvoll verziert hat.

Dazu fertigt Graf jedes Jahr zunächst einen Entwurf an, damit die Einteilung auf der Kerze auch passt. Oben kommt immer die Jahreszahl hin. Auch die griechischen Buchstaben Alpha und Omega müssen auf der Kerze stehen, sie symbolsieren „Anfang und Ende“. Und ein Kreuz muss drauf, das Graf immer in goldener und roter Farbe gestaltet. Dafür hat sie einen ganzen Korb voller Wachsplatten in unterschiedlichen Farben. Mit dem Material geht sie äußerst sparsam um, auch sämtliche Wachsreste verwendet sie selbstverständlich noch, etwa für Blätter.

An die drei Stunden dauert es, bis sie die fertige Osterkerze in der Hand hält, erzählt Graf. Sie hat hohe Ansprüche an ihre eigene Kunst und den Ehrgeiz, immer etwas Neues zu schaffen, gerne auch mit außergewöhnlichen Materialien. Vergangenes Jahr hat sie beispielsweise eine Schnur aus Wachsfäden gehäkelt und einen Zweig damit auf der Kerze dargestellt, geschmückt mit grünen Blättern. Das symbolisiere, dass aus der Kerze wieder Leben entstehe, erzählt sie.

Auch fünf Nägel gehören zur Osterkerze dazu, sie stehen für die Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz genagelt wurde und seien ebenfalls meistens aus Wachs. Ihre jedoch nicht. Graf hat auf ihrer Osterkerze ganz besondere Nägel: „Sie sind mindestens 100 Jahre alt und noch handgeschmiedet.“ Ihr Mann habe sie aus alten Holzbalken gezogen, als der Hof umgebaut worden war.

Aus roten Wachsresten hat sie dieses Jahr winzige Röschen geformt, in grün kleine Blätter. Auch die Farbe orange verwendet sie gerne, „das bin ich einfach“, und das Kreuz hat sie dieses Mal mit vergoldeten Strukturwachsplatten geformt.

Den Kerzenrohling bekomme sie im Pfarrbüro, wenn sie dort die alte Kerze abgebe. Eigentlich müsste die neue Osterkerze dann in der Osternacht angezündet werden, also von Ostersamstag auf Ostersonntag. „Aber in Hofstarring gibt es keine Osternacht“, sagt sie. Dafür werde die Osterkerze vorab vom Pfarrer gesegnet und dann bei Erstkommunion, Trauungen, Beerdigungen oder besonderen Festen im Laufe des Jahres immer wieder angezündet.

Graf bastelt aber nicht nur Osterkerzen für die Kirche. Sie ist auch für den Blumenschmuck verantwortlich und die vielen Decken an den Altären, die sie alle in aufwendiger Handarbeit verschönt hat. Denn häkeln, klöppeln und stricken beherrscht sie ebenso. „Für mich ist das ein guter Ausgleich für meinen stressigen Beruf“, erklärt die Steuerfachangestellte. Auch Klosterarbeiten hat Graf schon gefertigt und dafür vorab einen Kurs in der Zisterzienserinnen-Abtei Seligenthal in Landshut besucht.

Birgit Lang

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