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Der giftig grüne Kunstschatz von Ebering

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Von: Fabian Holzner

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Heimische Handarbeit und ein professioneller Anstrich ermöglichten die Rückkehr der historisch bedeutsamen Traubenbäumchen an den Hochaltar und der Maibuschen an die Seitenaltäre der Eberinger Kirche. Das von Restaurateurin Regina Koch (r.) aus Augsburg angelieferte Ergebnis, war von (v. l.) Isidor Wegmann, Sebastian Eibl und Elisabeth Oberndorfer mit Spannung erwartet worden.
Heimische Handarbeit und ein professioneller Anstrich ermöglichten die Rückkehr der historisch bedeutsamen Traubenbäumchen an den Hochaltar und der Maibuschen an die Seitenaltäre der Eberinger Kirche. Das von Restaurateurin Regina Koch (r.) aus Augsburg angelieferte Ergebnis, war von (v. l.) Isidor Wegmann, Sebastian Eibl und Elisabeth Oberndorfer mit Spannung erwartet worden. © Fabian Holzner

Arsen in der Farbe: Die Restaurierung von 200 Jahre alten hölzernen Traubenbäumchen und Maibuschen war nicht nur deswegen eine Herausforderung. Nun sind sie in der Filialkirche zu sehen.

Steinkirchen – Seit kurzem leuchtet vom Altar der Filialkirche Sankt und Stephanuns in Ebering ein rarer Holzschmuck in Form von Traubenbäumchen. Gefunden wurden die zwei etwa einen halben Meter großen Kunstwerke und vier „Maibuschen“ aus Holz und Pappmaché bei der umfangreichen Grundrenovierung, die vergangenes Jahr abgeschlossen wurde. Ihr Alter kann anhand von Farbpigment-Analysen nur grob mit etwa 200 Jahren angegeben werden.

Verwendet wurden die Kunstwerke einst als Ersatz für echten Blumenschmuck. Zu gefährlich war die von den Pflanzen ausgehende Feuchtigkeit für die kostbaren Kirchenschätze auf den Altären.

Was beim Blick auf den Hochaltar in Ebering ins Auge sticht, ist das grelle Grün, das „Schweinfurter Grün“. Genannt wird es so, weil der Farbton Anfang des 19. Jahrhunderts dort in Unterfranken industriell hergestellt wurde. Ein Bestandteil war Arsen. Da das Nervengift trotz Bindung im Farbpulver gesundheitsschädlich ist, wurde es in den 1880ern in Deutschland verboten.

Für die Augsburger Restauratorin Regina Koch war die Arbeit mit dem giftigen Kunstschatz aus Ebering eine Herausforderung, der sie mit Handschuhen, Maske und Kittel begegnete. Eine zweite Herausforderung war das Ergänzen der vielen fehlenden Blüten. Vor allem bei den „Maibuschen“, die mit den Traubenbäumchen bei der Renovierung in einer Kiste aufgetaucht waren, kamen über die Jahrhunderte zahlreiche abhanden. „Hier haben wir länger abgewogen, ob man die Maibuschen einfach ,nackt‘ auf die Seitenaltäre stellen kann, oder die Blüten professionell nachschnitzen lassen sollte. Eine einzige Blüte hätte allerdings mehr als 250 Euro gekostet, mehr als 20 fehlten“, erzählte Sandra Bachmeier, Verwaltungsleiterin im Pfarrverband Holzland.

Sie hatte bereits die Restauration der 700 Jahre alten Kirche von 2017 bis 2021 koordiniert. Dann fand sich eine talentierte Unterstützerin in der direkten Steinkirchener Nachbarschaft. Elisabeth Oberndorfer ist eigentlich Landwirtin, aber auch Hobbyschnitzerin, hauptsächlich Krippenfiguren formte sie bislang aus Holz. Für den Eberinger Altarschmuck wagte sie sich an die Nachbildung der alten Blumenblüten. Nach mehreren Probeversuchen mit Salzteig und Knetmasse, entschied sie sich für Lindenholz als Material.

Mit fachlicher Hilfe von Restauratorin Regina Koch schnitzte sie vier verschiedene Formen, insgesamt 24 Stück ersetzte Oberndorfer. Bei der fast feierlichen Rückkehr an die Altäre war neben Isidor Wegmann von der Kirchenverwaltung und Kirchenpfleger Sebastian Eibl auch Elisabeth Oberndorfer dabei. „Ich erkenne meine Blüten noch, aber es ist gar nicht so einfach“, urteilte sie, nachdem Regina Koch in den vergangenen Monaten ihre Sendungen in Augsburg geschliffen, geleimt, farblasiert und aufgeklebt hat.

Für jeden anderen wirken die Maibuschen so, als hätten sie die Zeiten unbeschadet überstanden. Regina Koch hat mit „ein bisschen Gespür“, wie sie sagte, den genauen Farbton mit Patina getroffen, sowohl beim giftigen Schweinfurter Grün der Traubenbäumchen, als auch bei den Maibuschen.

Ein willkommener Anlass, das Ergebnis der Zusammenarbeit von Hobbyschnitzerin und Profirestaurateurin in Augenschein zu nehmen, ist die Maiandacht am Sonntag, 22. Mai, um 14 Uhr. Im Anschluss laden Pfarrgemeinderat und Frauengemeinschaft zum Ratsch bei Kaffee und Kuchen im benachbarten Deutinger-Hof ein. Die Mitglieder der Kirchenverwaltung stehen für alle Fragen rund um die Geschichte des ursprünglich romanischen Gotteshauses zur Verfügung.

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