Herbert Andraschko mit Bierkrug-Sammlung
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In Reih und Glied stehen zig Reservistenkrüge bei Herbert Andraschko. Der Steinkirchener sammelt so ziemlich alles.

Uhren, Puppen, Krüge: Herbert Andraschko hortet, sortiert und bewahrt für sein Leben gern

Der Jäger und Sammler

  • Uta Künkler
    VonUta Künkler
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Herbert Andraschko ist mit Leib und Seele Sammler. In seinem Steinkirchener Haus hortet er sakrale Antiquitäten, Bierkrüge, Trachtenschmuck, Wanduhren, Ansichtskarten und über 100 000 Briefmarken.

Steinkirchen – Wenn Herbert Andraschko einen Moment der Ruhe genießen möchte, dann schenkt er sich ein Bier oder auch mal einen Spezi ein und setzt sich auf einen Stuhl in seinem Zimmer für sakrale Antiquitäten. „Dann schau ich mich um, und es geht mir gut“, sagt er.

Marienstatuetten aus der Zeit um 1800 und über 400 Wachsstöcke

Um ihn herum stehen zig Figuren aus Wachs und Keramik, Marienstatuetten aus der Zeit um 1800, alte Monstranzen und Miniatur-Altäre aus Holz. In drei kunstvoll verzierten Bauernschränken stapeln sich Ikonen, Votivgaben und über 400 Wachsstöcke.

Herbert Andraschko ist ein Sammler. Seine Schätze hortet er in seinem Steinkirchener Haus. Neben den sakralen Antiquitäten sind das Bierkrüge, alte Puppen, Trachtenschmuck, Kaffeekannen, Joker-Spielkarten, Wanduhren, Tabaktöpfe, Bauernsilber, Ansichtskarten und und und. In seinem Haus gibt es Motto-Zimmer, vom Krüge-Raum bis hin zum Uhren-Flur.

Die zahlenmäßig größte Sammlung sind die Briefmarken

Die zahlenmäßig größte Sammlung des 55-Jährigen sind aber seine Briefmarken: Mindestens 100 000 Stück hat er, schätzt Andraschko. Fein säuberlich sortiert, in Alben gesteckt und in mehreren raumhohen Regalen verstaut. Dort stehen auch mehrere Apparate, mit denen sich der exakte Zahnabstand einer Briefmarke und die Wasserzeichen auf der Rückseite bestimmen lassen. Ein Luftentfeuchter sorgt dafür, dass immer optimale Bedingungen für die Postwertzeichen herrschen. Manche von ihnen sind schließlich ein kleines Vermögen wert.

Ein Schatz: Der schwarze Einser, Deutschlands erste Briefmarke

Im Briefmarken-Zimmer kramt der Sammler ein durchsichtiges Tütchen mit einer einzelnen Marke hervor und lächelt siegesgewiss. „Das ist ein richtiger Leckerbissen“, sagt er stolz. Ein so genannter schwarzer Einser, die erste Briefmarke aus Deutschland, gedruckt am 1. November 1849. Andraschko hat das Exemplar gerade an einen Sammlerkollegen verkauft – für 1000 Euro.

Aus einem Regal zieht der Vorsitzende des Erdinger Briefmarken- und Münzensammlervereins ein Album mit einer weiteren Rarität hervor: einen postfrischen Block zwei des Deutschen Reichs. Der steht im Katalog für 6000 Euro.

Herbert Andraschko besitzt über 100 000 Briefmarken - fein säuberlich sortiert in Alben.

Das Sammeln ist ein teures Hobby. „Das kann ich mir nur leisten, weil ich keine Kinder habe“, sagt der gelernte Metzger und Polsterer. Allein seine Briefmarkensammlung schätzt Andraschko auf rund 50 000 Euro.

Dabei lohne sich das Sammeln speziell von Briefmarken finanziell seit einigen Jahren überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil, die Schätze verlieren an Wert. Der Grund: Immer mehr lange gehütete Exemplare verstorbener Sammler kommen auf einen Markt, der immer kleiner wird. Das Briefmarkensammeln scheint aus der Zeit zu fallen.

Das Hobby kostet 20 Stunden pro Woche

Aber finanzielle Gründe waren es ohnehin nie, die Herbert Andraschko am Sammeln interessierten. „Das ist für mich keine Wertanlage, darum gebe ich auch nichts mehr her“, sagt der 55-Jährige. Gesammelt hat er eigentlich sein ganzes Leben lang, sagt er. Als 14-Jähriger hat er angefangen, mit allem, was günstig herging. Kugelschreiber waren das, später Schnapsgläser und Vhs-Videokassetten – und eben die Briefmarken.

Locker 20 Stunden pro Woche investiert er seit vielen Jahren in sein Hobby. „Dafür bin ich nur selten fortgegangen in Wirtschaften oder Discos.“ Insofern habe sich seine Frau nie über seine zeitintensive Leidenschaft beschwert, fügt er feixend an.

Sammeln erfüllt ihn mit Glücksgefühlen

Das Sammeln erfüllt den Steinkirchener mit Glücksgefühlen. „Ich freu mich wie ein kleines Kind, wenn ich eine Briefmarke bekomme, die ich noch nicht hab.“ Es geht auch ein wenig ums Sortieren, um Vollständigkeit und Ordnung. „Es macht Spaß, wenn ich eine passende Marke zu den anderen ins Album stecke und es dann wieder passt.“

Er ist nicht nur ein Sammler, er ist auch ein Jäger

Herbert Andraschko ist aber nicht nur ein Sammler. Er ist auch ein Jäger. „Wenn ich ewas erspähe, dann muss ich es haben“, sagt er – zumindest, wenn der Geldbeutel es hergibt. Und wenn noch ausreichend Platz im jeweiligen Motto-Zimmer ist. Bei den sakralen Antiquitäten zum Beispiel wird es mittlerweile eng. „Da ist kein Platz nicht mehr“, sagt Andraschko. Dabei ist gerade das sein Lieblingsraum.

Der Sammler ist kein ungewöhnlich frommer Christ, seit seiner Jugend als Ministrant geht er auch nicht häufiger als andere zur Kirche. Ihn beeindrucken die sakralen Antiquitäten einfach – die Kunstfertigkeit, mit der die Wachsfiguren hergestellt wurden – größtenteils vor mehr als 200 Jahren. „Mich fasziniert das Alte, mit den neuen Sachen hab ich’s nicht so“, sagt der Sammler. Er löscht das Licht, dreht sich noch einmal um und lässt seine Marienfiguren zurück – in völliger Dunkelheit, damit das Tageslicht ihren uralten Gewändern und dem Wachs nichts anhaben kann.

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