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Disco-Magie wie in den 80ern: Wieder Partys im Magic

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Von: Fabian Holzner

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Generationenwechsel: 40 Jahre Discoerfahrung bringen Hans und Marille Groll mit, Sohn Hannes lässt das kultige Magic in Hofstarring wieder aufleben. 40 Jahre Erfahrung Ansturm am ersten Abend Erst die Schnitzel, dann die Party
Generationenwechsel: 40 Jahre Discoerfahrung bringen Hans und Marille Groll mit, Sohn Hannes lässt das kultige Magic in Hofstarring wieder aufleben. 40 Jahre Erfahrung Ansturm am ersten Abend Erst die Schnitzel, dann die Party © Fabian Holzner

Der 18-jährige Hannes Groll lässt das Magic in Hofstarring wieder auferstehen.

Hofstarring – Das Magic in Hofstarring steht in großen Teilen noch da wie in den 80ern und 90ern. Nach den Corona-Lockerungen der vergangenen Monate ist es wieder zum Leben erwacht. Dass jetzt die Kinder derer, die damals im Diskonebel unter der Gastwirtschaft Groll geflirtet haben, im fast unveränderten Ambiente tanzen und feiern können, ist dem 18-jährigen Wirtssohn Hannes zuzuschreiben. Er übernimmt den elterlichen Betrieb.

Vorbei an der Gaststube, aus der es nach Schnitzeln duftet, ein paar Treppenstufen hinab und noch immer wird die Discokugel von einer Lichtorgel in Rot, Gelb und Grün bestrahlt. Zwischen den Sitznischen stehen der Afri-Cola-Sonnenschirm und die Kunstpalme, an der Wand hinter der Bar schleppt Obelix einen Hinkelstein. Bei vielen der Generation 50 plus würden bei diesem Anblick Erinnerungen wach: an nächtliche Fahrten mit dem Moped oder den Golf ins Holzland, durchgefeierte Nächte und vielleicht sogar den ersten Flirt mit dem heutigen Ehepartner.

Hannes Groll lässt das alles nun aufleben. Vor der Pandemie drückte er noch die Schulbank, während der Lockdowns schrieb er seinen Quali mit beachtlichen Noten und als der Partydruck in seinem Freundeskreis im vergangen Jahr immer größer wurde, entschied er, die Disko seiner Eltern in einer einzigartigen Symbiose aus Nostalgie und Neuanfang fast in Eigenregie zu schmeißen.

„I mog wos z’reissn“, war seine Devise nach dem Abschluss. Vater Hans und Mutter Marille hätten lieber gesehen, wenn er den nächsthöheren Schulabschluss in Angriff nimmt. Doch der 18-Jährige entschied sich für eine Lehre zum Landmaschinenmechatroniker. Vielleicht war es die Aufgeschlossenheit, der Tatendrang, die der 18-jährige mit seinem breiten Lächeln ausstrahlt, die seinen jetzigen Chef dazu bewegten, die Eltern telefonisch zu überreden, ihren Sohn bei ihm in die Lehre zu schicken.

Jedenfalls blieb Hannes darüber hinaus die Energie, Kontakte zu DJs, Securityfirmen, Veranstaltungstechnikern, Mediendesignern und anderen Clubbesitzern zu knüpfen, um von Anfang März bis April vier Events auf die Beine zu stellen.

„Ich war vor der Pandemie ungefähr dreimal Feiern“, erzählt der 18-Jährige lachend, fügt aber hinzu, dass er bei einzelnen Partys im Magic schon früh den DJs und Tontechnikern über die Schulter geschaut hat.

Von diesen wenigen Geburtstagsfeiern abgesehen, stand die seit 1974 bestehende Disko in den letzten 18 Jahren still. Wäre es nach dem Wirtsehepaar gegangen, wären die Bässe nach der Pandemie verstummt: „Wir wollten eigentlich gar nicht mehr weitermachen, schließlich haben wir schon 40 Jahre Disko hinter uns.“

Sohn Hannes trieb die Eltern zur Erweiterung, ein zusätzlicher Ausgang musste aus Brandschutzgründen gebaut werden, an. Trotz 2G-Regelung und Kälte warteten am 6. März schon eine halbe Stunde vor Einlass 200 junge, partyhungrige Gäste, mehr als Hofstarring Einwohner hat, auf die Eröffnung. Tatsächlich sind es oft die Familiennamen derer, die dort vor 30 Jahren zu den Bee Gees oder Modern Talking tanzten, die heute auf dem „Muttizettel“, dem Beaufsichtigungsformular für die unter 18-jährigen, stehen. Aber wie damals sind die Kennzeichen der Autos, die Hofstarring zuparken auch aus Mühldorf, Landshut oder München.

Neben den Konstanten in der Partykultur bemerken Marille und Hans natürlich viele Veränderungen, auch sehr positiver Art. „Die Leute sind brutal nett. Während früher kaum ein Wochenende ohne Schlägerei verging, helfen die Jungen einem heute, wenn mal eine Flasche zu Bruch geht“, berichtet Hans Groll. Sohn Hannes ist jetzt immer mit der Security über einen Knopf im Ohr in Kontakt, die ihn sofort über eine Ranglerei, zu der es trotz der neuen Friedfertigkeit kam, verständigt wurde.

„Die Polizeibeamten haben dann schon kurz geschaut, als ich mich als Veranstalter vorgestellt habe. Aber mit zwei Securitys im Rücken und meinem Ausweis in der Hand, wurde ich gleich ernst genommen“, erinnert er sich.

Die kommenden Sommermonate ist Volksfestzeit, daher hat er sich zu einer Pause entschieden. Bevor es im Herbst wieder losgeht, wird behutsam das Notwendigste modernisiert. Die alte Lichtanlage beispielsweise, für die er bislang sogar eigens Lichtjockeys engagierte, die die Regler zur Musik bedienten, werden gegen energiesparende LEDs ausgetauscht. Wann die nächste Feier steigt, erfährt das Partyvolk ganz altersgemäß über Instagram.

Wie vor Jahrzehnten wird Marille Groll erst wieder zig Schnitzel in der Gaststube servieren, bevor es für die Magic-Gäste in den Keller geht. Nur dass die Fäden jetzt bei ihrem 18-jährigen Sohn zusammenlaufen. „Ich weiß auch nicht ganz, warum er schon so erwachsen ist“, sagt sie mit einer Mischung aus Stolz und Verwunderung.

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