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Mahnende Worte: Pfarrer Franz Gasteiger rief zu einem wachen Blick für das Zeitgeschehen auf.

Gedenken an Widerstandskämpfer Nikolaus Groß

„Ein Märtyer, umgeben von ideologischen Fallen“

Als „Vorbild und Herausforderung zugleich“ würdigte Pfarrer Franz Gasteiger das Leben und Wirken des NS-Widerstandskämpfers Nikolaus Groß.

Steinkirchen Anlässlich des 72. Todestags des von den Nationalsozialisten ermordeten christlichen Regimegegners hatte der Kreisverband der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) zu einem außergewöhnlichen Gottesdienst in die Pfarrkirche Steinkirchen eingeladen.

Zu Beginn der Messe fasste der ehemalige Diözesansekretär Rainer Forster das Leben Groß’ zusammen. Anstatt der Lesung verlas Rosmarie Schmid den Abschiedsbrief des im Ruhrgebiet geborenen Arbeitersohnes, und Pfarrer Gasteiger hob in seiner Predigt dessen Mut und Glaubensstärke hervor.

1898 geboren, erlernte Groß nach der Schulzeit den Beruf seines Vaters, Bergmann unter Tage. Schon früh identifizierte er sich mit der Arbeiterbewegung, ohne dass dies mit seinem tiefen katholischen Glauben in Konflikt geriet. Bald gab er den Bergmannsberuf auf und wurde Jugendsekretär beim Gewerkverein christlicher Bergarbeiter. Zur KAB kam er zunächst als Chefredakteur der westdeutschen Arbeiterzeitung, später wechselte er in die KAB-Verbandsleitung. Stets den katholischen Glauben als Basis für den NS-Widerstand beibehaltend wurde er Mitglied des „Kölner Kreises“. Der enge Kontakt mit anderen Widerstandskreisen wurde Groß nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 zum Verhängnis. Ein halbes Jahr später wurde er verurteilt und in Berlin-Plötzensee ermordet. Papst Johannes Paul II sprach ihn 2001 selig.

Zwei Tage vor seiner Hinrichtung schrieb Groß den Abschiedsbrief an seine Familie. Wie ihn sein Glauben stärkte, vermitteln Zeilen wie: „Und ich spüre, wie es durch das Gebet in mir still und friedlich geworden ist.“ Pfarrer Gasteiger nannte Groß in seiner Predigt einen „Märtyrer“, der zur NS-Zeit „umgeben von ideologischen Fallen“ war. Beispielhaft nannte Gasteiger hier die Euthanasie. Vor dem Hintergrund des hochriskanten Engagements Groß’, stellte er die Frage in den Raum, ob man selbst so etwas geschafft hätte. Dass der damalige Papst Pius XII. „taktische Zugeständnisse“ an Hitler gemacht hatte, verschwieg Gasteiger nicht.

Schließlich spannte der Geistliche den Bogen zu den aktuellen politischen Verhältnissen in Deutschland. Es gäbe Ideologien, die an damalige anklängen. Angesichts der starken christlichen Prägung Deutschlands verstehe er nicht, wie eine Partei, die zum Vertreiben von Fremden aufruft, in großem Umfang gewählt werden kann. Im Anschluss an den Gottesdienst trafen sich die KAB-Mitglieder zu einem freien Austausch im Gasthaus Bruckmaier.

Fabian Holzner

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