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Das historische Wappen der Staringer: Ein schwarzer Star sitzt auf einem Dreiberg. Über dem Wappen die Helmkrone, die die Staringer als adelige und turnierfähige Familie ausweist. Quelle: Johann Siebmachers Wappenbuch von 1605.

Erste urkundliche Erwähnung

Hofstarring wird 1200 Jahre alt – oder doch Baustarring?

Der Ort Kirchberg feiert heuer ein Festjahr, da er vor 1200 Jahren erstmals urkundlich erwähnt worden ist. Heute Abend um 19 Uhr gibt es aus diesem Anlass einen Festgottesdienst mit einem Vortrag.

Hofstarring Aber noch ein Ort im Holzland ist damals erstmals urkundlich erwähnt worden: Starginum. Ob es sich dabei um Bau- oder Hofstarring handelt, ist nicht zweifelsfrei geklärt.

Der 29. Januar 818 war ein ganz normaler Montag – jedenfalls kein Tag, der in die große Weltgeschichte eingegangen ist. Einen Tag zuvor hatte man im Frankenreich, zu dem damals auch Bayern gehörte, des vierten Todestags von Karl dem Großen gedacht – wahrscheinlich auch im Bistum Freising. Dort amtierte seit 810 Hitto aus dem altbayerischen Adelsgeschlecht der Huosi als Bischof. Und diesem Hitto ist es zu verdanken, dass die Hofstarringer in diesem Jahr einen Grund zum Feiern gefunden haben: Der Bischof kam nämlich zunächst am 29. Januar 818 nach Kirchberg, „um dort sein Bischofsamt auszuüben“, wie es in einer Urkunde heißt.

Am gleichen Tag zog er dann zu einem Hof weiter, den ihm ein Priester namens Papo geschenkt hatte. Dort weihte er zuerst eine Kirche und empfing dann eine Frau mit dem Namen Imma, die ihm ihren Besitz „ad Starginum“ schenkte.

In dieser Urkunde, die als Teil der „Freisinger Traditionen“ heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München verwahrt wird, ist zum ersten Mal der Ort Starring erwähnt. Ob es sich dabei um Hof- oder Baustarring handelt, darüber streiten sich die Historiker. Die Nachbarschaft zu Kirchberg spricht eher für Baustarring, die Erwähnung der Kirche am Ort der Schenkung für Hofstarring.

Aber auch die romanischen Namen von Imma und einem Zeugen der Schenkung, der Ledi hieß, deuten auf Hofstarring hin: Die Hofstarringer Filialkirche war nämlich bis zu ihrem Neubau im Jahr 1767 dem Heiligen Laurentius geweiht, und Laurentius-Kirchen finden sich oft an besonders alten Orten, an denen im frühen Mittelalter Überreste einer alten römischen Besiedelung überdauert hatten.

Ob nun Bau- oder Hofstarring – daran hängen sich die Hofstarringer nicht auf. Sie wollen den Anlass jedenfalls nutzen, um im Jahr 2018 zu feiern und auch ein bisschen auf die Geschichte des Ortes zurückzuschauen, die im Kleinen immer wieder mit der großen Politik verwoben ist:

Schon ganz früh taucht in Hofstarring ein eigener Ortsadel auf, der erste namentlich bekannte ist im Jahr 1010 „Gotehart de Staringin“. Im Kampf zwischen den Wittelsbacher Herzögen und den Freisinger Bischöfen um die Vorherrschaft im Erdinger Land sind die Staringer schon früh im Lager der Wittelsbacher zu finden. Während die Adeligen von Steinkirchen, Niederstraubing und Amelgering Untertanen des Bischofs waren, setzten die Wittelsbacher Herzöge die Staringer bewusst als Vorposten ein, um ihre Herrschaft von der Burg Wartenberg aus in den Osten auszudehnen.

Ob es nun ausgerechnet an den Staringern lag, dass sich die Wittelsbacher durchsetzen konnten, ist nicht überliefert. Aber immerhin machten sie Hofstarring um 1200 zum Sitz eines Schergenamtes, also eines Unterverwaltungsbezirks, das für die Gerichtsbarkeit und das Eintreiben von Abgaben zuständig war. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat es auf dem Höhenrücken in der Nähe der Kirche auch einen befestigten Adelssitz gegeben, der aber im späten Mittelalter verschwunden ist. Mithilfe dieser Schergenämter kontrollierten die Wittelsbacher ihr Herzogtum, in dem immer noch nicht alle Konkurrenten ausgeschaltet waren.

Auf Dauer war Hofstarring dafür aber dann wohl doch zu klein und wurde um 1300 ins wesentlich größere Amt Lindegraß eingegliedert. Die Adelsfamilie der Staringer aber blühte auf: 1380 wurde Erasmus Staringer vom Herzog zum Landrichter von Erding ernannt und war damit sozusagen ein früher Vorgänger des heutigen Landrats. Mit ihrem Aufstieg erwarben die Staringer außerhalb Hofstarrings immer mehr Besitz. Darunter war auch Kalling, das die Familie bald zu ihrem Sitz machte. Hofstarring wurde nur noch „nebenher“ beherrscht, aber immerhin 1438 vom Herzog zur Hofmark erhoben. Das bedeutete, dass die Familie der Staringer für das gesamte Dorf die Abgaben aus der Grundherrschaft und das alleinige Recht zur niederen Gerichtsbarkeit erhielt.

Noch bevor die Staringer 1575 ausstarben, verkauften sie Hofstarring 1525 an die Familie der Seibersdorfer. Nach deren Aussterben 1608 kamen nacheinander die Familien Lunghammer, Copeindl und schließlich 1705 die Reichsfreiherren von Fraunhofen in Besitz des Dorfes. In einem haben die Staringer bis heute ihre Spuren hinterlassen: Der Dreiberg aus ihrem Wappen ist heute noch im Gemeindewappen Steinkirchens zu sehen.

Als es im 19. Jahrhundert an die Ablösung des Adels und die Bildung von Gemeinden ging, konnte Hofstarring im Gegensatz zu seinem Nachbarn Niederstraubing, das ebenfalls zunächst Hofmark und dann ein sogenanntes adelige „Patrimonialgericht 2. Klasse“ war, seine Selbstständigkeit retten: 1846 wurde Hofstarring Gemeinde und blieb es auch, bis 1971 die Gemeindegebietsreform ihr Urteil sprach: Die damals kleinste Gemeinde des Landkreises mit 167 Einwohnern wurde zum Nachbarn Steinkirchen eingegliedert.

Bartholomäus Kieblspeck war von 1955 bis zum 1. Oktober 1971 der der letzte Bürgermeister der eigenständigen Gemeinde Hofstarring. Leicht ist die angeordnete Aufgabe der Selbstständigkeit nicht allen gefallen. Manch ein Hofstarringer trauert der Eigenständigkeit auch heute noch etwas hinterher. Das letzte Relikt der alten Gemeinde ist die Hofstarringer Kirchturmuhr, für deren Wartung bis heute nicht die Pfarrei, sondern die Gemeinde zuständig ist.

Seitdem sind es vor allem die Vereine, die Hofstarring zusammenhalten. Die Freiwillige Feuerwehr gibt es seit 1880, den Schützenverein Heimatlust seit 1921 und den Schwenkerclub seit 1985. Die drei haben sich nun zusammengetan und planen für den September ein Jubiläumsfest. So viel Aufwand, wie für das groß gefeierte Gründungsfest der Schützen 1996 wollen sie aber nicht treiben. Damals kamen wohl so viele Besucher wie nie zuvor in der 1200-jährigen Geschichte des Ortes nach Hofstarring, und das ganze Dorf war wochenlang auf den Beinen. Aber ein Weinfest am 14. September und ein Festgottesdienst am 16. September sollen es schon sein. 

Alex Wegmaier

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