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Seiledrehen am Heimatmuseum in Thal: Diese und weitere Traditionen fingen Michael Zehetmair (hinten, M.) und sein Team mit der Kamera ein.

Kulturdokumentation im BR

Das Holzland – ein Filmparadies

Das Erdinger Holzland ist für Michael Zehetmair ein Paradies. Diesem setzt der leitende Redakteur im Programmbereich Kultur des Bayerischen Rundfunks nun ein filmisches Denkmal.

Von Birgit Lang

Holzland – Mehrmals war er für seine Dokumentation im vergangenen Jahr mit seinem Team im Nordosten des Landkreises Erding unterwegs. Die Fernsehleute besuchten Feste, Menschen, Kirchen und Kapellen in Hohenpolding, Inning am Holz, Kirchberg und Steinkirchen. „Im Holzland“ wird am Montag um 21 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt.

Die Gegend kennt der Sohn des Ex-Kultusministers Hans Zehetmair seit der Kindheit. Er wuchs in Erding auf und fuhr mit seinen beiden Geschwistern in den 70er Jahren öfter mit dem Radl im Holzland herum, erzählt er. Auch unternahm die Familie immer wieder Sonntagsausflüge dorthin, weil die Mutter Fan der schönen Kirchen sei. Dies fiel ihm auf Suche nach neuen Filmideen wieder ein und so entstand schließlich sein Kulturfilm mit viel Herzblut, in dem er „schöne Landschaften und nette Menschen“ zeigen wollte. Zehetmairs Intention war es, einen Film zum Wohlfühlen für alle Zuschauer in Bayern zu machen, „gerade für die, die noch nie im Holzland waren“, erklärt der 54-Jährige.

Seit 20 Jahren macht Zehetmair mit seinem Redaktionsteam schon Kulturdokumentationen. Grundgerüst sei dabei immer: Kultur, Natur und Lebensgefühl. Durch Recherche, Gespräche mit den Leuten, Herumfahren und viel lesen kam er auch beim Holzlandfilm zu den Themen.

Er stellt die Holzland-Blaskapelle in einem Kurzportrait dar und filmte sie beim Dorffest, das der FC-Bayern-Fanclub nach 20 Jahren wieder in Steinkirchen ausrichtete. Auch in Hofstarring war er mit seinem Team dabei, als der Ort seinen 1200. Geburtstag feierte.

Nicht nur weil die Mutter ein Kirchenfan ist, sondern weil das Holzland immer noch eine stark katholisch geprägte Gegend ist, kommen viele Kirchen und Kapellen im Film vor. Viel Sendezeit widmete er Johann Baptist Lethner, einem prägenden Baumeister im 19. Jahrhundert. Aber auch der junge Chor Hohenpolding, Organisten und Holzland-Pfarrer Jacek Jamiolkowski kommen nicht zu kurz. Letzterer stammt aus Polen, sei aber längst ein Einheimischer geworden. Filmenswert fand Zehetmair ebenso die Kapelle der Familie Bachmeier in Diemating, die von einer Münchener Tätowiererin bemalt wurde. Diese, Julia Bauer, wuchs, wie sollte es anders sein, im Holzland auf. Die Kapelle der Familie Rosenberger in Inning am Holz gefiel ihm wiederum, weil Vater Schorsch sie errichtete, nachdem seine Frau nach einem Schlaganfall wieder gesund worden war.

Auch kulinarische Schmankerl fehlen nicht „Im Holzland“, auch wenn der zitierte Hauberling-Experte Franz Streibl eigentlich aus Dorfen stammt, Schuxn-Bäckerin Elfriede Fränzl vom Bergbauerncafé in Weinberg ist und die Bauerngockelterrine vom Spitzenkoch Alois Forster aus Hörgersdorf gebrutzelt wird, beide kommen aus der Gemeinde Taufkirchen. Dafür waren die frisch geernteten Äpfel und der gute Apfelsaft aus dem Holzland.

Zehetmair filmte Schüler aus Hohenpolding und Schröding, als sie zu Gast beim Obst- und Gartenbauverein Steinkirchen waren und die Familie Gerstner bei der Apfelernte. Auch „Apfelpfarrer“ Korbinian Aigner aus Hohenpolding darf nicht fehlen, der wohl bis heute berühmteste Mensch aus dem Holzland – seine hunderte von Gemälden verschiedener Äpfel- und Birnensorten werden weltweit ausgestellt.

Für Zehetmair ist das Holzland auch Landschafts-, sprich ein Fahrradparadies. Darum begleitet er in seinem Film Erdinger Rennradler durch das Holzland. Jung und Alt bietet er eine Plattform, indem er beispielsweise Maximilian Bauer zeigt, der das Playstation-Turnier ins Leben gerufen hat oder Stefan Voglhuber, der in Inning den ausverkauften „Brandner Kaspar“ Freiluft inszenierte.

Weil es Zehetmair nicht zum Hoffest der Oldtimerfreunde Kirchberg schaffte, traf er sich mit einigen Mitglieder im Heimatmuseum in Thal, um im Film alte Handwerkstechniken vorzuführen. Eigentlich sollte die über 90 Jahre alte Froschbeck Anni zeigen, wie man mit der Sense mäht, aber sie konnte nicht, also sprang kurzfristig ihre Nachbarin, die 80-jährige Weber Maria ein. Viel Interessantes mehr gab es hier noch zu filmen und zur Brotzeit für das Filmteam gekochte Kartoffeln mit „frisch gmachtn Butta“, verriet Vorsitzender Manfred Obermaier und dazu selbst gebackenes Brot, eine weitere Spezialität des Hauses.

Weil nur ein paar Kilometer weiter noch was anderes, ganz Besonderes existiert, stattete das Zehetmair-Team auch der Tankstelle von Georg Strohmaier in Arndorf einen Besuch ab. Hier gibt es alles „was man für den täglichen Bedarf braucht“ und noch ein bisschen mehr.

So hat Zehetmair ein spannendes und abwechslungsreiches Bild vom Holzland gezeichnet. Und was faszinierte ihn selber am meisten? „Was ich sehr mag und bei vielen anderen Projekten, die wir schon in ganz Bayern gedreht haben, nicht überall so ausgeprägt vorgefunden habe, ist, dass die Landschaften ebenso wie die Menschen so in sich ruhen, fast schon eine Art Ewigkeit ausstrahlen, wie im Holzland.“

Der Film

„Im Holzland“ wird am Montag, 14. Januar, von 21 bis 21.45 Uhr im BR-Fernsehen in der Reihe „Bayern erleben“ ausgestrahlt.

Mit der Blaskapelle beim Dorffest

Maria Weber (80) greift zur Sense

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