Holzlandböllerschützen Holzlandvolksfest
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Der Holzlandkracher: Es rauchte gewaltig, als die Böllerschützen zum Salut loslegten. Sogar acht Kanonen wurden aufgefahren
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Ehrungen stand freilich auch auf der Tagesordnung. Auf dem Bild (vorne, v. l.): Bürgermeisterin Uschi Eibl, Martin Graf, Gertraud und Theresa Löffl, Anna Kuhn, Reinhold Bauer, Gauschützenmeister Georg Schatz; (hinten, v. l.) Schussmeister Hans Ertl, Landrat Martin Bayerstorfer, Bezirksböllerreferent Wast Hering und Gauschützenkönig Klaus Waldherr.
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Die Holzlandböllerschützen feierten lautstark runden Geburtstag.
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Die Holzlandböllerschützen feierten lautstark runden Geburtstag.
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Die Holzlandböllerschützen feierten lautstark runden Geburtstag.
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Die Holzlandböllerschützen feierten lautstark runden Geburtstag.
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Die Holzlandböllerschützen feierten lautstark runden Geburtstag.
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Die Holzlandböllerschützen feierten lautstark runden Geburtstag.

Holzlandböllerschützen feiern 30. Jubiläum

Ohrenbetäubende Geburtstagssause

Wenn sie gemeinsam erscheinen, dann gibt es fast immer Krach, und zwar richtig lauten: die Holzlandböllerschützen. Beim Holzlandvolksfest feierten sie jetzt ihr 30-jähriges Bestehen, bei dem sie auch andere Töne anschlugen.

VON BIRGIT LANG

Steinkirchen – Zuerst zeigten sie sich aber von ihrer gewohnten Seite: in ihrer feschen Tracht, die einem Vorbild aus dem nahen Rechlfing aus der Zeit vor 1900 entliehen und im Laufe des Tages mehrmals gelobt wurde. Mit rund 130 Kameraden aus 14 Vereinen, zum größten Teil aus dem Gau Erding, den Hofgiebingern aus dem Gau Dorfen und den überaus lustigen Mitgliedern des Schützenvereins Stiller Winkel St. Leonhard sowie der Feuerschützengesellschaft Isen aus dem Gau Haag feierten sie ihr Jubiläum. Gemeinsam, begleitet von der Holzlandkappelle und angeführt vom siebenjährigen Taferlbua Andi Drexelmaier aus Grub, zogen sie zum Fußballplatz des FSV Steinkirchen zum Landkreis-Böller- und Kanonentreffen mit Platzschießen.

Geschossen wird mit Hand, Schaft-, und Standböllern. Einen solchen Standböller zogen auch die fünf Baschtinger Böllerschützen, also die Mitglieder von Almenrausch Pastetten, mit. Der Mörser mit großem Stumpen und Durchmesser ist ein richtiger Blickfang, wie es sie am Samstag viele gab. „Er braucht pro Schuss ein halbes Pfund, also 260 Gramm Böllerpulver“, erklärte Thomas Unterrainer aus Baschting, der ihn mit zwei Freunden gebaut hat. Bei einem Kaliber von 70 Millimetern ist auch der „Hoizstecka“, also der Ladestock, dementsprechend wuchtig.

Ein weiterer Blickfang und großes Gesprächsthema war die herrliche Tracht der Holzlandböllerschützen. Die der Männer kostet zwischen 2000 bis 3000 Euro, so die Schätzungen der Anwesenden. Die Hirschlederne bis zu 1000 Euro, die Faltenstiefeln an die 800 Euro, beides Maßanfertigungen. Dazu ein Trachtenhut, Hemd, Leiberl und der schwere Mantel.

Auch die Böller kosten je nach Ausstattung und Verzierung viel Geld, ein Handböller zwischen 500 bis 900 Euro und der größere bis zu zehn Kilo schwere Schaftböller, der noch viel lauter kracht und doppelt so viel Pulver braucht, an die 2000 Euro, meinten die Experten.

Oben am Fußballplatz stellten sich die Gastgeber mit den anderen Schützen rund um den Spielfeldrand im sicheren Abstand auf. Dann erklärte Hans Ertl, Schussmeister des Festvereins, den Ablauf des Platzschießens: „Erster Schuss in schneller Reihe von rechts und dann die Kanonen, zweiter Schuss Holzlandkracher (Salut) mit Böller und Kanonen getrennt, dritter Schuss schnelles Reihenfeuer von links, vierter Schuss langsames Reihenfeuer gegenläufig. Rechts beginnt.“ Zum großen Finale forderte er alle Böllerschützen zum „Holzlandkracher (Salut) Böller und Kanonen zusammen“ auf.

Gut beraten waren die Zuschauer, dieses Spektakel mit Ohrenstöpseln zu genießen beziehungsweise sich die Ohren zuzuhalten. Denn es krachte verdammt laut, rauchte und stank nach Pulver, dass so mancher die Nase rümpfte.

Seinen „Jungfernschuss“ gab dabei auch Klaus Waldherr ab. Der Erdinger Gauschützenmeister dachte sich, wenn er schon jedes Mal dabei sein darf, „dann kauf ich mir selber einen Böller, sonst wird’s langweilig“.

Anschließend hieß es noch gemeinsames Abfeuern der Versager. Aber es gab zur Zufriedenheit der Aktiven eh nur einen. „Wennst immer sauber putzt, dann passiert so was nicht“, erklärte Werner Hagen von den Böllerschützen Eitting. Und Ertl freute sich, weil so diszipliniert geschossen worden sei und alles funktioniert habe.

Auch der mit 81 Jahren wohl älteste aktive Teilnehmer, Kanonier Konrad Eschbaumer von den Fraunberger St. Hubertus-Schützen, hielt sich nach getaner Arbeit an Hagens Devise, entfernte sofort die Kartusche und reinigte seine Kanone. „Dass man beim nächsten Mal gleich wieder schießen kann“, sagte Eschbaumer. Schließlich war er 15 Jahre lang Schussmeister und will das tun, solange er noch böllern kann.

Insgesamt acht Kanonen waren aufgefahren worden, allesamt Prachtstücke wie die Vorderlader-Kanone Walburga der Holzlandböllerschützen oder die Poidinger Kriegerkanone mit ihrem großen, grauen Rohr, das wie ein riesiger Trichter oder ein Megaphon aussieht.

Eine Nummer kleiner, aber ebenso wertgeschätzt wird der Sirius-Standböller der Holzlandböllerschützen. Ein halbes Jahr hat der 31-jährige Hans Löffl junior mit seinen Helfern hingewerkt. „Gekostet hat sie weniger als man meinen täte“, meinte er. Sein Vater Hans ist Gründungsmitglied, sein Bruder Alexander, seine Mama Gertraud und Schwester Theresia aktive Schützen. Die beiden Damen sind auch immer für die Deko zuständig und haben die schönen Namensständer an den Tischen in Handböllerform ausgesägt. Sie waren ein Erinnerungsgeschenk für die teilnehmenden Vereine, ebenso wie jeweils eine Flasche Schnaps mit Bild des Jubelvereins darauf.

Doch bevor es so weit war, erzählte Hans Ertl Wissenswertes über seine Holzlandböllerschützen. 1989 waren sie von zwölf Mitgliedern im Gasthaus Bart in Kögning als Unterabteilung der Stefanstaler Schützen gegründet worden. 32 Männer und fünf der 16 Frauen der aktuell insgesamt 46 Mitglieder seien Aktive. Das Durchschnittsalter der Mitglieder liege bei 57 Jahren. „Wir haben uns ein bisserl verjüngt“, so der Schussmeister. „Wir waren schon über 60.“ Das jüngste Mitglied sei 27, das älteste, der langjährige Kanonier Walter Stenzel, 91 Jahre alt. Beim Auszug zum Platzschießen hat er zugeschaut.

Pro Jahr nähmen durchschnittlich 15 Aktive an rund 15 Veranstaltungen teil, darunter auch das Böllerschießen zum Gauschützenumzug in Dorfen oder das Kirchweihanschießen im Heimatmuseum in Thal sowie Vereins- und Privatfeste. „Respekt, dass alle so brav mitmachen“, meinte Ertl. Nur mit dem „Nachwuchs tröpfelt es dahin“. Mit Georg Maier, Thomas Huber, Hans Weiher und erst vor ein paar Tagen Walter Scheftschuk verloren die Holzlandböllerschützen schon vier Kameraden, bedauerte Ertl.

Zum Landratsamt habe man den besten Draht, denn Landrat Martin Bayerstorfer und Petra Saler, Mitarbeiterin im Büro des Landrates, seien auch Böllerschützen. Klar, dass der Landrat noch ein Grußwort loswerden wollte. Seine Kameraden lobte er als Menschen, die hervorragendes Brauchtum pflegten, die einen klaren Standpunkt hätten und immer wüssten, um was es gehe, die verantwortungsvoll und somit zukunftsweisend seien. Für die Schützen gab es daraufhin „Bravo“-Rufe. Zur Feier des Tages überreichte Bayerstorfer noch ein kleines Kuvert vom Landkreis.

Auch Wast Hering, Bezirksböllerreferent Süd-Ost, Gauschützenmeister Georg Schatz, Gauschützenmeister Waldherr sowie Steinkirchens Bürgermeisterin Ursula Eibl gratulierten d zum Gründungsfest. Eibl betonte, in ihrer schönen Tracht seien die Böllerschützen ein Aushängeschild der Gemeinde. Traditionell würden sie das Neujahr und die Holzlandvolksfeste anschießen. „Tapfer haltet ihr durch, und wenn’s noch so heiß ist.“ Eibl dankte dem Vorstand, allen voran den Schussmeistern Sepp Eibl (1989 bis 2009), Walter Scheftschuk (2009 bis 2011) und Hans Ertl (seit 2011), die ihr Ehrenamt mit viel Zeitaufwand bis dato so tatkräftig ausgeübt hätten.

Abschließend wurden noch Mitglieder geehrt. Hering überreichte das Böllerabzeichen in Silber an Reinhold Bauer, der seit 29 Jahren aktives Mitglied ist und an fast allen Veranstaltungen teilnimmt, an Gründungsmitglied Martin Graf, der seit 30 Jahren aktiv dabei ist, und an Gertraud Löffl, seit 19 Jahren Mitglied, davon acht Jahre aktiv und seit 2011 als Schriftführerin. Schatz übergab noch je eine Damenspange an Theresa Löffl, seit 19 Jahren dabei, seit acht Jahren aktiv und seit drei Jahren Chronistin, sowie Anna Kuhn, seit fünf Jahren aktives Mitglied.

Als Überraschung gab es für den Verein von den Feuerschützen Isen und den St. Leonhard-Schützen noch ein Apfelbäumchen. Der Isener Korbinian Niedermaier erklärte dazu, dass es sonst immer ein „Haferl“ gebe, mit dem Apfelbaum erhoffe er sich in zehn Jahren beim nächsten Jubiläum „vielleicht einen Schnaps. Oder, wenn’s sein muss, einen Apfelsaft“.

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