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Anziehungspunkt: Ludwig Lentner (l.) mit seinen Hasen ist einer der letzten verbliebenen Anbieter von Kleintieren.

Kraut- und Rübenmarkt Steinkirchen

Kleintiere sind auf dem Rückzug

Der Kraut- und Rübenmarkt in Steinkirchen hat über die Jahre sein Gesicht sehr verändert.

Steinkirchen – Noch vor zehn Jahren prägten vor allem Hennen, Tauben, Hasen, Enten, Meerschweinchen und anderes Getier das Bild im Hof vom Bruckmaier-Wirt, ist doch der Veranstalter der örtliche Kleintierzuchtverein. Mittlerweile ist es aber fast schon ein Delikatessen-Markt mit nur noch wenigen Kleintieren.

Viele der älteren Züchter haben aufgehört, und der Nachwuchs fehlt hier genauso wie anderenorts. Mit Helmut Bart und Ludwig Lentner waren nur noch zwei Mitglieder an einem Viecherl-Stand, und lediglich einer von ihnen bot noch seine Tiere zum Verkauf an. Gut, dass wenigstens Josef Schneider gekommen war. Der 77-Jährige aus Kirchasch züchtet seit 30 Jahren Brieftauben, „weiße Briafa“, wie er sie nennt. Schon als Bub begeisterte er sich für die Taubenzucht. Zehn Paar hatte er in Steinkirchen dabei.

Lentner hatte neben einigen Meerschweinchen zwei prächtige Häsinnen mitgebracht. „Der Vater war ein Deutscher Riese, die Mutter auch eine besondere Mischung“, verrät er. Ausgewachsen wiege eine zwölf Pfund, schätzte er. „Haserer“ hatte er keine dabei, und Rammler habe er überhaupt keine. „So weit kommen sie nicht“, erklärte er vielsagend auf Nachfrage.

Kraut und Rüben, schwarze Rettiche, Sellerie, Karotten, Kartoffeln und einiges mehr gab es am Nachbarstand, der ebenfalls vom Kleintierzuchtverein geführt wurde. Alles Bioqualität aus Moosinning, die guten Absatz fand. Viel zu entdecken gab es an den anderen Ständen. Feinstes vom Wild boten die Hoizland Jaga, unterschiedlichste Honigsorten Andreas und Gine Scheuchenpflug aus Steinkirchen. Apfelkücherl aus Weinteig wurden frisch gebacken, neben dem verführerischen Kuchenbüffet, für das die Landfrauen und die Wirtsfamilie zuständig waren. Warmes Mittagessen wurde im Wirtshaus gereicht, was bei dem Nieselregen gerne nachgefragt wurde.

An den weiteren Ständen waren Nuss- und Granatapfellikör, Bier-, Feigen- und Trüffel-Balsam oder Landöl mit Buttergeschmack von Ingrid Brandlmeier aus Münchsdorf zu finden. Das ist hoch erhitzbar und kann sowohl als Salatöl als auch fürs Schnitzelbraten verwendet werden. Alles zum Probieren, versteht sich. Auch Gabi Geintner vom Huberhof in Harting hatte eine große Auswahl ihrer Köstlichkeiten dabei: Gänseblümchen-Salz, Aronia-Zucker, Gundelblümchen-Öl, Kaffee-Seife, Quitte-Tonka-Bohnen-Gelee oder Energie-Platzerl.

Dazwischen wurde schönste Keramik und Getöpfertes von Gabi Brosigs Lehmbatzerei aus Buch am Erlbach, Gedrechseltes von Erich Mesner aus Langengeisling und Gestricktes von Alexandra Schmid aus Niederaichbach angeboten. „Warme Socken, Schals und Puschen bracht man immer“, erklärte sie. An einem paar Socken Große 44/46 aus vierfädriger, extra lang haltbarer Wolle sitzt sie acht Stunden – am liebsten vor dem Fernseher, damit sie nicht einschläft.

Der Besuch des Marktes hätte besser sein können. Aber Max Bruckmaier, Wirt und zugleich Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins, war mit seinen Mitstreitern in Anbetracht des kühl-nassen Wetters zufrieden.

Birgit Lang

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